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Alarmstufe 1 für Brandenburg: Hochwasserwelle rollt durch Polen nach Norden

Die Hochwasserlage an Polens größten Flüssen Weichsel und Oder bleibt ernst. Der Scheitel der Oder-Flutwelle floss am Vormittag durch Glogow (Glogau) in Niederschlesien. In Brandenburg laufen die Vorbereitungen zum Katastrophenschutz an.

Die Flutwelle an Weichsel und Oder rollt durch Polen nach Norden. Der Hochwasserscheitel der Weichsel erreichte am Dienstag Pommern. Der Fluss trete vorerst nicht aus den Ufern, es habe keine neuen Deichdurchbrüche gegeben, berichtete der polnische Rundfunk. Der Scheitel der Oder floss am Vormittag durch Glogow in Niederschlesien durch. Die Lage in der Stadt sei stabil, vereinzelte Unterspülungen der Deiche würden schnell beseitigt, hieß es. "Es gibt keine Dammdurchbrüche", sagte ein Sprecher des Krisenzentrums. Für zehn niederschlesischen Landkreise galt der Hochwasseralarm.

An der Grenze zu Deutschland bereitet sich inzwischen Slubice (früher: Dammvorstadt) auf die Flutwelle vor. Das dortige Krankenhaus nehme keine neuen Patienten auf, ab Mittwoch sollen Schwerkranke in andere Städte gebracht werden, teilte das Stadtamt in Slubice mit.

Katastrophenschutz-Stab kommt in Brandenburg zusammen

Angesichts der wachsenden Hochwassergefahr an der Oder soll in Potsdam im Tagesverlauf die brandenburgische Katastrophenschutz-Leitung zusammenkommen. Unter Führung von Innenminister Rainer Speer (SPD) will sich das Gremium über die aktuelle Lage am Fluss informieren und Abwehrmaßnahmen erörtern. Auch der Katastrophenschutzstab will die Arbeit aufnehmen. An zwei Abschnitten der Oder gilt derzeit die niedrigste Alarmstufe 1.

Bei Plock nordwestlich von Warschau ging unterdessen der Kampf gegen Wassermassen der Weichsel weiter, die nach einem Deichbruch am Sonntag 23 Ortschaften überflutet haben. Das Wasser gehe zurück, die Lage bleibe aber sehr ernst, sagte Chef des zentralpolnischen Verwaltungsbezirkes Mazowsze, Jacek Kozlowski.

Sprengungen bringen Entlastung an der Weichsel

Die Weichsel verwüstete dort ein Gebiet von 8000 Hektar, 2400 Menschen mussten evakuiert werden. Erst die Sprengung der Deiche brachte eine Entlastung - ein Teil des Weichselwassers kehrte ins Flussbett zurück. In Warschau ging der Pegel der Weichsel langsam aber ständig zurück, die schwammig gewordenen Deiche drohen aber weiterhin zu brechen.

Gefährlich wurde es am rechten Nebenfluss der Oder, der Warthe. In Weglewskie Holendry bei Konin mussten am Montagabend 50 Menschen in Sicherheit gebracht werden, nachdem der Fluss die Ortschaft überflutet hat.

Gegen die Fluten kämpfen in ganz Polen 14.500 Feuerwehrleute und mehr als 4000 Soldaten. Eingesetzt wurden zudem 6000 Häftlinge. Die Regierung von Donald Tusk will am Dienstag über milliardenschwere Hilfen für die Flutopfer beraten. Die Schäden könnten sich nach ersten Schätzungen auf mehr als 10 Milliarden Zloty (2,5 Milliarden Euro) belaufen.

APN/DPA / DPA