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Anschläge in London: Weiteres Bekennerschreiben aufgetaucht

Die Abu Hafs al Masri Brigade behauptet, die Anschläge in London verübt zu haben und droht mit weiteren Terrorakten. Allerdings ist diese Organisation bekannt dafür, als Trittbrettfahrer aufzutreten.

Zwei Tage nach den Terroranschlägen in London ist im Internet ein zweites Bekennerschreiben verbreitet worden. Die Gruppe Abu Hafs al Masri Brigade kündigt darin weitere Anschläge in der "Hauptstadt der Ungläubigen" an. Der britische Premierminister Tony Blair erklärte, es sei noch immer unklar, wer hinter den Anschlägen mit mindestens 49 Toten stecke. Im Kampf gegen den Terrorismus müssten auch dessen Ursachen angegangen werden, sagte er der BBC.

Zweifel an Echtheit

Die Echtheit des zweiten Bekennerschreibens konnte zunächst nicht bestätigt werden. Experten verwiesen darauf, dass sich die Abu Hafs al Masri Brigade schon wiederholt zu Anschlägen bekannte, mit denen sie höchstwahrscheinlich nichts zu tun hatte. Nur wenige Stunden nach den Explosionen am Donnerstag war im Internet eine Erklärung der bislang unbekannten Organisation Geheimgruppe für den Al-Kaida-Dschihad in Europa aufgetaucht. Dieses Schreiben wird laut Innenministerium sehr ernst genommen.

"Ich glaube, diese Art des Terrorismus hat sehr tiefe Wurzeln", sagte Blair der BBC. Dazu gehörten auch ein Mangel an Demokratie und der anhaltende Konflikt im Nahen Osten. Die Anschläge hätten den politischen Führern auf der Welt deutlich gemacht, dass Probleme wie etwa die Armut angegangen werden müssten. Auch müssten das Verständnis zwischen Menschen verschiedener Religionen verbessert und Wege zur Beendigung des Nahost-Konflikts gefunden werden. Und schließlich müsse erkannt werden, dass sich die Konsequenzen von "Extremismus, Fanatismus oder akuten und erschreckenden Formen der Armut in einem Kontinent" nicht länger auf diesen Kontinent begrenzen ließen. "Sie breiten sich auf den Rest der Welt aus", sagte Blair.

Verschiedene Ansichten über den Sprengstoff

Bei dem am Donnerstag verwendeten Sprengstoff handelt es sich nach Londoner Polizeiangaben vom Freitag wahrscheinlich um relativ einfach zu bekommenden Plastiksprengstoff. Der Leiter des International Terrorism Observatory in Paris, Roland Jacquard, sagte der Nachrichtenagentur AP dagegen, spanische Experten gingen von einem extrem starken Sprengmaterial aus, das auch vom Militär verwendet werde.

"London wird weitermachen"

An den U-Bahnhöfen, die von den Anschlägen betroffen waren, wurden auch am Samstag Blumen und Karten für die Opfer niedergelegt. "Die Leute, die das getan haben, sollen wissen, dass sie versagt haben. Sie haben sich die falsche Stadt ausgesucht. London wird weitermachen", war auf einer Notiz zu lesen.

Schüssel fordert bessere Zusammenarbeit

Der österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel forderte eine bessere Zusammenarbeit der Europäer in der Sicherheitspolitik. "Gerade jetzt müssen wir Politiker in der Sicherheits- und Außenpolitik zeigen, dass wir noch enger und besser zusammenarbeiten können", sagte Schüssel der "Bild am Sonntag". Auch die Europa-Abgeordnete und frühere luxemburgische Außenministerin Lydie Polfer forderte eine stärkere Zusammenarbeit der EU bei der Terrorbekämpfung. Vor allem die kleinen Länder müssten stärker miteinbezogen werden. Jede Lücke im Sicherheitsnetz werde von Terroristen ausgenutzt, warnte Polfer im Deutschlandradio Kultur.

AP / AP