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Anschlag auf BVB-Bus: Die Ungereimtheiten der beiden Bekennerschreiben

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund liegen der Polizei gleich zwei Bekennerschreiben vor. Eines deutet auf einen islamistischen Hintergrund hin, das andere auf einen linksextremistischen. Die Schreiben im Wortlaut.

Zwei Polizisten in Kampfmontur gehen bei Borussia Dortmund am Schild vorbei, das das Betreten des Trainingsgeländes verbietet

Polizisten bewachen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus das Trainingsgelände von Borussia Dortmund

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund ist in der Nähe des Tatortes ein mögliches Bekennerschreiben mit islamistischem Hintergrund gefunden worden. Die Behörden prüfen seine Echtheit. Es weist offensichtliche Ungereimtheiten auf. Das Schreiben liegt der Nachrichtenagentur DPA im Wortlaut vor:


"Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen,

12 ungläubige würden von unseren Gesegneten Brüder in Deutschland getötet. Aber anscheinend scherst du dich Merkel nicht um deinen kleinen dreckigen Untertanen. Deine Tornados fliegen immer noch über dem Boden des Kalifats, um Muslime zu Ermorden. Jedoch wir bleiben standhaft durch die Gnade Allahs.

Ab sofort stehen alle ungläubigen Schauspieler, Sänger, Sportler und Sämtliche prominente in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen auf Todesliste des Islamischen Staates.

Und das solange die folgenden Forderungen nicht erfüllt werden:

- Tornados aus Syrien abziehen.

- Ramstein Air Base muss geschlossen werden."


Das Bekennerschreiben bezeichnen Experten allerdings als untypisch. In den meisten Fällen hinterlassen die islamistischen überhaupt keine Hinweise. Und falls doch, werden, anders als in diesem Schreiben, Symbole des IS verwendet. Konkrete Forderungen, wie hier beschrieben, sind für islamistische Anschläge zudem sehr untypisch. Auch das Vorgehen der Täter im Vergleich zu früheren Terrorattacken mit IS-Bezug ist ungewöhnlich, da die Anhänger der Terrormiliz bislang das Ziel hatten, möglichst viele Menschen zu töten. 

Zweites Bekennerschreiben vermeintlich von Linksextremisten

Ein Screenshot zeigt das auf indymedia.org veröffentlichte Bekennerschreiben von Linksextremisten. Die Authentizität ist unklar

Ein vermeintliches Bekennerschreiben zum Anschlag auf den BVB-Bus. Ob es authentisch ist, untersucht die Polizei noch

Ein zweites Bekennerschreiben wurde am späten Dienstagabend auf der linken Internetseite "Indymedia" veröffentlicht:

"Wir haben heute den Bus des BVB mit eigens hierfür angefertigten Sprengsätzen attackiert.

Der Bus ist hierbei ein Symbol für die Politik des BVB, die sich nicht genügend gegen Rassist_innen, Nazi_innen und Rechtspopulist_innen einsetzt.

Im Gegenteil dürfen seit Jahren auch Mensch_innen mit einer menschenverachtenden Gesinnung ins Stadion, anstatt lokale Antifaschist_innen zu Rate zu ziehen, um solches Gedankengut aus dem Stadion zu verbannen.

Der Bus war hierbei nur ein Symbol und keinesfalls waren die Spieler_innen Ziel dieser symbolischen Tat, jedoch auch sie taten in der Vergangenheit zu wenig für eine antifaschistische Stadionszene.

Kein Fußbreit den Faschist_innen!

Antifa heißt Angriff!

Deutschland verrecke!"

Unklar bleibt, warum mögliche Täter aus der antifaschistischen Szene am Tatort ein Bekennerschreiben platziert haben sollten, dass auf einen islamistischen Hintergrund deutet.

Polizei überprüft beide Bekennerschreiben

In Sicherheitskreisen wurde betont, der Hintergrund der Tat stehe keinesfalls fest. Es könne sich jeweils auch um Fälschungen handeln, die auf falsche Spuren locken sollten. Bei den Tätern könne es sich nach wie vor auch um gewaltbereite Fußballfans, Erpresser, andere Kriminelle oder Menschen mit rechtsextremem Hintergrund handeln. 

tkr mit DPA

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