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Brasilien Er war der letzte seines Volkes: Indigener, der mehr als 20 Jahre ohne Außenkontakt lebte, ist tot

Der "Tanaru-Indigene" wurde 2018 bei einer unerwarteten Begegnung beim Fällen eines Baumes gefilmt
Der "Tanaru-Indigene" wurde 2018 von einem Team der Fundação Nacional do Índio bei einer unerwarteten Begegnung beim Fällen eines Baumes gefilmt
© Funai
Ein indigener Mann, dessen Volk schon vor vielen Jahren ausgelöscht wurde und der sich seither allen Versuchen der Kontaktaufnahme widersetzt hatte, ist im Amazonasgebiet tot aufgefunden worden.

Er war wohl der einsamste Mensch der Welt: Ein Mann, der seit den 90er-Jahren ohne Kontakt zur Außenwelt im westlichen Amazonasgebiet lebte, ist vor wenigen Tagen gestorben, wie jetzt bekannt wurde. "Die Leiche des Indigenen wurde am 23. August in seiner Hütte im Indigenengebiet Tanaru in seiner Hängematte aufgefunden", teilte die Fundação Nacional do Índio (Funai) mit. Eine Streife der Nationalen Behörde für Indigene habe den Toten bei einer Kontrollrunde in der Region im Bundesstaat Rondônia entdeckt.

Indigener war auch als "Mann des Loches" bekannt

"Die Funai ist zutiefst betrübt über den Tod des als 'Tanaru-Indigener' oder 'Indigener des Loches' bekannten Ureinwohners, der in freiwilliger Isolation lebte und von der Funai [...] rund 26 Jahre lang überwacht und geschützt wurde", erklärte die Behörde auf ihrer Internetseite.

Der Tote war auch als "Mann des Loches" bekannt, weil er für die Jagd nach Tieren tiefe Löcher grub, in denen sich zum Teil angespitzte Pfähle befanden. Laut Funai starb er ersten Erkenntnissen zufolge eines natürlichen Todes. Es habe weder Anzeichen für die Anwesenheit von Menschen in der Gegend noch für Gewalt oder Kämpfe gegeben. Sein Leichnam werde von der Bundespolizei gerichtsmedizinisch untersucht.

"Der Ureinwohner war der einzige Überlebende seiner Gemeinschaft unbekannter ethnischer Herkunft", erklärte die Behörde. Nach Angaben der NGO Survival International wurden die übrigen Mitglieder seines Volkes vermutlich seit den 1970er-Jahren bei einer Reihe von Angriffen durch Viehzüchter und Landräuber massakriert. Es sei aber wenig über das Volk bekannt, da es sich allen Kontaktversuchen widersetzt habe.

Auch der "Taharu-Indigene" verweigerte jegliche Kontakte, obwohl die Funai ihn aus der Ferne beobachtete und gelegentlich Vorräte für ihn abstellte. 2018 wurde er sogar von einem Funai-Team bei einer unerwarteten Begegnung beim Fällen eines Baumes gefilmt.

Survival International berichtet, dass die verlassenen Lagerstätten des Mannes Hinweise auf seinen Lebensstil gegeben hätten. So habe er Mais und Papaya angepflanzt und Hütten aus Ästen und Stroh gebaut.

"Wir können nur erahnen, wie einsam er war"

"Kein Außenstehender kannte den Namen dieses Mannes oder wusste viel über seine Verwandten – und mit seinem Tod nimmt der Völkermord an ihnen ein tragisches Ende", erklärte Fiona Watson, Direktorin der NGO. "Dies ist ein Völkermord – die vorsätzliche Auslöschung eines ganzen Volkes durch Viehzüchter*innen, die nach Land und Reichtum gieren."

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Der Indigene aus Taharu symbolisiere die entsetzliche Gewalt und Grausamkeit, die den indigenen Völkern weltweit im Namen des Kolonialismus und des Profits angetan werde, aber auch ihren Widerstand, sagte Watson. "Wir können nur erahnen, welche Schrecken er in seinem Leben erlebt hat und wie einsam er war, nachdem der Rest seines Volkes getötet wurde". Dennoch habe sich der Mann entschlossen allen Versuchen der Kontaktaufnahme widersetzt und deutlich gemacht, dass er einfach nur in Ruhe gelassen werden wollte.

Quellen: Fundação Nacional do Índio, Survival International, CNN

mad

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