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Messerattacke Drei Tote und sechs Verletzte: Präsident Macron verurteilt "islamistischen Terroranschlag" von Nizza

News im Video: Mehrere sterben bei bei Messerangriff in Nizza – Terroranschlag vermutet.


Bei einem Messerangriff im südfranzösischen Nizza sind mehrere Personen getötet worden. Das teilte die Polizei am Donnerstag mit. Außerdem gebe es zahlreiche Verletzte. Polizeikreisen zufolge wurde bei der Tat in der Nähe der Kathedrale eine Frau enthauptet. Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi twitterte, der mutmaßliche Täter sei festgenommen worden. Estrosi zufolge gleicht die Tat einem terroristischen Anschlag. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft teilte mit, sie habe die Ermittlungen in dem Fall übernommen.
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Erschüttert wieder ein terroristisch motivierter Mord Frankreich? In Nizza sind bei einem Messerangriff drei Menschen ums Leben gekommen. Die Tat erinnert an die Ermordung des Geschichtslehrers Samuel Paty in Paris vor zwei Wochen.

Ein neuer Messerangriff schockiert Frankreich: Ein mutmaßlicher Islamist hat in der größten Kirche der Mittelmeer-Stadt Nizza drei Menschen mit einem Messer getötet, wie die Polizei mitteilte. Mindestens einem Opfer wurde demnach die Kehle durchgeschnitten. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, sagte, der festgenommene mutmaßliche Täter habe mehrfach "Allahu Akbar" gerufen. Die französische Tageszeitung "Le Monde" berichtet, der mutmaßliche Täter sei von mehreren Kugeln getroffen worden und schwebe im Krankenhaus in Lebensgefahr. Er soll Anfang zwanzig sein.

Die französische Anti-Terror-Staatsanwaltschaft zog die Ermittlungen an sich. Es sei die Stufe "Urgence Attentat" des Anti-Terror-Alarmplans "Vigipirate" ausgerufen worden, sagte Premierminister Jean Castex in der Nationalversammlung in Paris. Diese Warnstufe ermöglicht die außergewöhnliche Mobilisierung von Ressourcen im Kampf gegen den Terror. Ziel ist ein verbesserter Schutz vor einer unmittelbar bevorstehenden Bedrohung durch Terror.

Premier kündigt entschlossene Antwort an

Castex sprach von einer "niederträchtigen" und "barbarischen" Attacke und kündigte eine entschlossene Antwort der Regierung an. Am Freitagvormittag solle ein Verteidigungsrat unter Vorsitz von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris tagen, so der Premier.

Macron selbst hat den "islamistischen Terroranschlag" von Nizza mit drei Toten in aller Schärfe verurteilt. Er sagte am Donnerstag bei einem Besuch in der Küstenstadt, das Land werde im Streit um seine Werte "nicht klein beigeben". Er spielte damit auf die jüngsten Spannungen mit der Türkei und anderen muslimisch geprägten Ländern an, die sich an den Mohammed-Karikaturen entzündet hatten. Die jüngsten Taten seien "ein Angriff auf Frankreich", sagte Macron weiter. Er verwies dabei auch auf eine Messerattacke auf einen Wachmann des französischen Konsulats in Saudi-Arabien. Der Staatschef kündigte den Einsatz von 7000 Antiterror-Kräften der Armee in Frankreich an, das sind mehr als doppelt so viele wie bisher. Zuvor hatte die Regierung bereits landesweit die höchste Terror-Warnstufe ausgerufen.

"Alle Bürger von Nizza sind schockiert und entsetzt", sagte Bürgermeister Estrosi weiter. Nach seiner Darstellung deutet "alles auf einen Terroranschlag hin". Die Antiterror-Staatsanwaltschaft ermittelt wegen "Mordes und Mordversuchs im Zusammenhang mit einer terroristischen Tat". Der  Täter wurde verletzt und nach Polizeiangaben ins Krankenhaus gebracht.

Einem Opfer wurde Kehle durchschnitten

Bei dem Angriff in der Basilika Notre-Dame drei Tage vor Allerheiligen wurden nach Angaben aus Polizeikreisen drei Menschen getötet. Eine Frau und ein Mann starben demnach in der Kirche im Zentrum der Stadt. Bei dem Mann handelt es sich laut "Le Figaro" um den Messner, der etwa die Kirchentüren auf- und zuschließt sowie die Glocken läutet. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP hat zum Tatzeitpunkt kein Gottesdienst stattgefunden, sondern es hätten sich nur Gläubige zum Gebet in der Basilika befunden. Ein drittes Opfer habe zunächst in eine Bar fliehen können, sei dann aber seinen Verletzungen erlegen. Laut der Zeitung handelt es sich auch bei diesem Opfer um eine Frau. Mindestens einem Opfer wurde laut Polizei die Kehle durchgeschnitten.

Nach Berichten einiger französischer Medien wurde die ermordete Frau geköpft. Darauf deuten auch Äußerungen von Bürgermeister Estrosi hin: Er sagte, der Täter sei ähnlich vorgegangen wie bei der Ermordung des Geschichtslehrers Samuel Paty vor rund zwei Wochen. Der Lehrer war von einem mutmaßlichen Islamisten bei Paris enthauptet worden, nachdem er Mohammed-Karikaturen im Unterricht gezeigt hatte. Estrosi betonte, Frankreich müsse dem "Islamofaschismus" den Kampf ansagen.

EU und Türkei verurteilen Angriff

Nach der Attacke in Nizza haben die Spitzen der EU-Institutionen Frankreich ihre Solidarität zugesichert. Ganz Europa sei solidarisch mit dem Land, schrieb EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter. Man bleibe angesichts der Barbarei und des Fanatismus geschlossen und entschlossen. Sie verurteilte den "abscheulichen und brutalen Angriff".

Das türkische Außenministerium hat die Messerattacke im französischen Nizza scharf verurteilt. Es gebe nichts, dass Gewalt und das Töten von Menschen rechtfertige, teilte das türkische Außenministerium am Donnerstag mit. Menschen, die derartig brutale Angriffe an einem solch heiligen Ort verübten, hätten keine religiösen, humanitären oder moralischen Werte. Man stehe solidarisch mit den Menschen in Frankreich gegen Terror und Gewalt, hieß es.

Macron reist nach Nizza

Die katholische Kirche in Frankreich zeigte sich entsetzt von der "unsäglichen Tat". Christen dürften nicht "zum symbolischen Schlachtopfer werden", forderte die Bischofskonferenz. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist laut "Le Figaro" mit Innenminister Gérald Darmanin in Nizza eingetroffen, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen. In einer Reihe muslimischer Länder hatte es in den vergangenen Tagen Drohungen und Boykottaufrufe gegen Frankreich gegeben.

Die Proteste entzündeten sich an Macrons Äußerungen bei der Trauerfeier für den getöteten Lehrer. Der Staatschef kündigte ein Festhalten an den Mohammed-Karikaturen im Namen der Meinungsfreiheit an.

Der mutmaßliche Anschlag weckt bei den Franzosen schreckliche Erinnerungen an gleich drei Taten: Neben der Ermordung des Geschichtslehrers ist dies der blutige Anschlag von Nizza von 2016, bei dem ein Islamist am französischen Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menge raste und 86 Menschen tötete und hunderte verletzte.

"Alle sind weggerannt, es fielen Schüsse"

Knapp zwei Wochen später ermordeten zwei Männer den katholischen Priester Jacques Hamel während des Gottesdienstes in der nordfranzösischen Stadt Saint-Etienne-du-Rouvray. Die danach von der Polizei erschossenen Täter bekannten sich zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).

Der neuerliche Messerangriff ereignete sich gegen neun Uhr morgens. In der Innenstadt von Nizza waren zu diesem Zeitpunkt zahlreiche Menschen zum Einkaufen unterwegs, da um Mitternacht in ganz Frankreich ein neuer landesweiter Corona-Lockdown in Kraft treten sollte.

"Alle sind weggerannt, es fielen Schüsse", erzählte ein Kellner, der in einer Bar in der Nähe der Kathedrale arbeitet. 'Es wird Tote geben', habe eine Frau gewarnt."

Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde entsprechen der Ermittlungen aktualisiert.

Weitere Quellen:"Le Monde", "Le Figaro".

nik / tkr AFP

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