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Berufungsprozess gestartet Keine Frauen erlaubt: Streit um Diskriminierung beim Memminger Fischertag geht weiter

Teilnehmer des Memminger Fischertages stehen mit ihren Fangnetzen, den sogenannten Bären, im Stadtbach von Memmingen
Beim Memminger Fischertag springen die Männer in den Stadtbach und versuchen, mit ihren Fangnetzen den größten Fisch zu fangen
© Karl-Josef Hildenbrand / DPA
Dürfen Frauen bei einem Brauchtums-Fischen im Allgäu mitmachen? Der veranstaltende Verein beruft sich auf die Tradition und sagt Nein. Dagegen hatte ein weibliches Mitglied geklagt – und gewonnen. Nun wird der Streit in der nächsten Instanz neu verhandelt.

Für die einen ist es Tradition, für die anderen schlicht Tierquälerei. Doch eines ist der Memminger Fischertag auf jeden Fall: Ein Streitpunkt. Seit gut einem Jahr beschäftigt er die bayerischen Gerichte. 

Worum geht es? Der Memminger Fischertag hat eine jahrhundertelange Tradition. Jedes Jahr strömen Tausende Besucher in die Stadt, die sich auch als das "Tor zum Allgäu" bezeichnet und werden Zeugen eines Brauchs, bei dem die Männer der Stadt auf einen Böllerschuss hin um Punkt 8 Uhr in den Stadtbach springen und versuchen, die Forellen herauszufischen. Derjenige, der am Ende den dicksten Fisch im Kescher hat, darf sich "Fischerkönig" nennen oder wie es auf der Internetseite von memmingen.de heißt: "Der Glückliche, dem die schwerste und damit die sog. 'Königsforelle' ins Netz schlüpft, wird noch am selben Vormittag zum König gekrönt und von einem jubelnden Volk gefeiert".

Frauen beim Fischertag in Memmingen nur "Kübelmädle"

Frauen sind vom Wettbewerb ausgeschlossen. Denn laut Satzung des örtlichen Fischertagsvereins dürfen nur Männer und Jungen ab sechs Jahren teilnehmen, die seit mindestens fünf Jahren in Memmingen wohnen und eine Prüfung abgelegt haben. Für Frauen ist eine andere Rolle vorgesehen: Sie dürfen als sogenanntes "Kübelmädle" Wasserkübel für die gefangenen Fische bewachen.

Eine Frau wollte diesen Umstand beenden und beantragte, durch eine Änderung der Vereinssatzung, auch Frauen die Teilnahme am Stadtbachfischen zu ermöglichen. Beide Male stimmte eine große Mehrheit der Delegiertenversammlung dagegen. Schließlich ging sie vor Gericht – und bekam Recht. Der Ausschluss von Frauen aus der Gruppe der Stadtbachfischer durch den veranstaltenden Verein sei eine unzulässige Diskriminierung, urteilte das Amtsgericht Memmingen vergangenen August. 

Fischertagsverein legt Berufung ein

Die zuständige Richterin erklärte damals, eine männliche Tradition allein sei bei einer Veranstaltung mit herausragender Bedeutung kein zulässiger Grund für Diskriminierung. Der Fischertagsverein mit rund 4500 Mitgliedern habe eine besondere soziale Machtstellung in der Stadt und müsse sich an den Grundsatz der Gleichbehandlung im Grundgesetz halten.

Christiane Renz, Klägerin im Fischertagsprozess, sitzt am Stadtbach
Christiane Renz hatte für die eine Teilnahme von Frauen am traditionellen Fischertag geklagt – und Recht bekommen
© Karl-Josef Hildenbrand / DPA

Das sah besagter Verein jedoch anders und legte Berufung ein. Seit Mittwoch wird der Fall am Memminger Landgericht neu verhandelt. Eine gütliche Einigung lehnten beide Parteien ab. Dafür hatte der Vorsitzende Richter Konrad Beß geworben. Das Risiko, in diesem Streit zu verlieren, sei für beide Parteien groß. Auf den Verlierer kämen zudem vermutlich hohe Prozesskosten zu – vor allem, wenn das Verfahren bis vor das Bundesverfassungsgericht oder den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gehe, sagte Beß. Eine Revision durch den Bundesgerichtshof würde man bei einem Urteil in jedem Fall zulassen. 

Für Tierschützer liegt das Problem indes ganz woanders: Laut der Tierrechtsorganisation Peta werden beim traditionellen Fischertag "brutal und sinnlos Tausende Forellen gefangen und getötet. Zahlreiche gesetzliche Vorgaben werden hier ignoriert. An diesem Tag ist alles erlaubt, was nur noch peinlich und barbarisch ist!", heißt es in einer Online-Petition, mit der die Tradition endlich vollständig abgeschafft werden soll. 

Fisch trägt goldenen Ring um den Körper

Sehen Sie im Video: Einen Goldfisch der anderen Art entdeckte eine Frau an der Küste der australischen Norfolkinsel. Während eines Schnorchelgangs war ihr ein Fisch mit einem Goldring um den Körper aufgefallen. Bei diesem handelt es sich offenbar um einen Ehering. Nun helfen die Inselbewohner bei der Suche.

Quellen: Memmingen.de, DPA, Peta-Petition


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