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Flugzeugabsturz in Pakistan: "Wir sahen nur verkohlte Leichenteile"

Jetzt ist es schreckliche Gewissheit: Bei dem Flugzeugabsturz in Pakistan sind alle 152 Insassen ums Leben gekommen. Berichte über Überlebende bestätigten sich nicht. Den Bergungsmannschaften bot sich am Unglücksort ein erschütternder Anblick.

Ein pakistanischer Airbus mit 152 Menschen an Bord ist am Mittwochmorgen im Landeanflug auf die Hauptstadt Islamabad abgestürzt. Rettungskräfte konnten die Insassen nur noch tot bergen, Berichte über Überlebende bestätigten sich nicht. Die Ursache für den Absturz des Airbus A321 ist noch unklar, doch herrschten zum Zeitpunkt des Unglücks heftiger Regen und schlechte Sicht.

Die Maschine der zweitgrößten pakistanischen Fluggesellschaft Air Blue hatte 146 Fluggästen und sechs Besatzungsmitgliedern an Bord, unter ihnen mindestens zwei US-Bürger, ein österreichischer Geschäftsmann, der für ein deutsches Unternehmen tätig war, und sechs Kinder. Das Flugzeug war aus der südpakistanischen Hafenmetropole Karachi gekommen. Die Piloten hätten versucht, unter schwierigen Wetterbedingungen bei Regen zu landen, als der Kontakt zum Tower gegen 9.45 Uhr abbrach, teilte die Luftfahrtbehörde mit.

"Es sah so aus, als ob es jeden Moment abstürzt"

Ein Augenzeuge berichtete in einem Nachrichtensender, das Flugzeug habe unruhig gewirkt, sei aus dem Gleichgewicht geraten und in den dicht bewaldeten Margalla Hills abgestürzt. "Es hat geregnet", sagte ein weiterer Mann, der in der Nähe arbeitete. "Ich hab aus meinem Bürofenster das Flugzeug gesehen; es flog sehr niedrig." Auch Einwohner des nahegelegenen Nobel-Vororts E-7 berichteten, der Airbus sei ungewöhnlich niedrig geflogen. Dann hätten sie einen lauten Knall gehört. Ein weiterer Augenzeuge sagte, das Flugzeug habe mit den Tragflächen die Spitzen der Bäume berührt. "Es sah so aus, als ob es jeden Moment abstürzt. Minuten später hörte ich eine gewaltige Explosion."

Die Absturzstelle liegt direkt vor der Stadt. Den aufsteigenden Rauch konnte man von vielen Stellen Islamabads aus sehen. Menschen liefen auf den Straßen zusammen und blickten zu dem Hügel, der in eine Rauchwolke gehüllt war. Der Unglücksort ist nur schwer zugänglich, Straßen führen nicht dorthin. Das erschwerte die Rettungsmaßnahmen. Das Fernsehen zeigte, wie sich Retter zu Fuß den Weg zum Wrack bahnten. Die Armee schickte drei Hubschrauber und Soldaten.

"Überall liegen Tote"

Den Bergungsmannschaften bot sich am Absturzort ein schrecklicher Anblick: "Wir sahen nur verkohlte Leichenteile", sagte ihr Leiter Arshad Javed. "Wir riefen, ob noch jemand lebt, aber niemand antwortete." Helfer mussten mit bloßen Händen die Opfer aus den teilweise noch brennenden Trümmern der Maschine ziehen. Ein Polizist berichtete: "Überall liegen Tote". Aber man finde kaum unversehrte Leichen. Die Helfer sammelten Einzelteile zusammen und steckten sie in Säcke.

Nach Angaben von Javed waren große Teile des Wracks unter Geröll und umgestürzten Bäumen begraben; bevor die Leichen geborgen werden konnten, musste erst schweres Räumgerät zur Unglücksstelle gebracht werden. Die Opfer seien schließlich mit Hubschraubern abtransportiert worden.

Regierungsvertreter erklärten, die Flugkontrolle habe die Maschine kurz vor der Landung von der normalen Flugroute auf eine Route über die Margalla-Hügel um. "Während des letzten Gesprächs mit dem Tower erhielt der Pilot grünes Licht für die Landung, und alles verlief ganz normal, bis die Maschine in den Hügeln abstürzte", berichtete der Vize-Direktor der Luftfahrtbehörde. Die Ermittlungen zur Ursache gingen nun in alle Richtungen, "von einem Terroranschlag bis zum schlechten Wetter".

Erster Absturz eines Airbus A321

Auf dem Benazir-Bhutto-Flughafen in Islamabad versammelten sich hunderte verzweifelte Angehörige in der Hoffnung auf Informationen über das Schicksal von Passagieren und Besatzung. Ein Air-Blue-Sprecher erklärte, von technischen Problemen mit der Maschine sei nichts bekannt; auch hätten die Piloten seines Wissens keinen Notruf abgesetzt. Pakistans Innenminister sprach von einer "schweren Tragödie". Die Regierung ordnete eine eintägige Staatstrauer an.

Der verunglückte Airbus A321 war nach Angaben des Herstellers in Toulouse zehn Jahre alt und hatte bis zur Katastrophe in rund 13.500 Flügen 34.000 Flugstunden absolviert. Es sei das erste Mal, dass ein Flugzeug dieses Typs abstürzte und es Tote gab, sagte ein Konzernsprecher.

Nach einem Bericht des Flugunfall-Informationsdienstes "The Aviation Herald" war die Unglücksmaschine bereits Ende 2008 in einer brenzligen Situation. Damals sei beim Landeanflug auf den türkischen Flughafen Trabzon durch Blitzschlag die Bordelektronik beschädigt worden. Die Passagiere wurden mit einer Ersatzmaschine an den Zielort Manchester gebracht. Airbus wollte sich zu dem Zwischenfall vor anderthalb Jahren nicht äußern. Abstürze durch Blitzeinschlag gelten bei modernen Maschinen jedoch als nahezu ausgeschlossen.

Air Blue hatte die Maschine Airbus zufolge 2006 übernommen. Die Fluglinie mit Sitz in Karachi existiert seit 2004. Seither wurde nur ein einziger, glimpflich verlaufener Zwischenfall bekannt: Im Mai 2008 kam es in Quetta zu einem sogenannten Tailstrike (Aufschlag des Flugzeughecks auf der Rollbahn). Niemand wurde verletzt, der Sachschaden war gering.

mad/kng/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters