HOME

Flugzeugunglück TWA 800: US-Behörde dementiert Raketenabschuss-Theorie

Was geschah wirklich bei einem der spektakulärsten Flugzeugabstürze der Geschichte? Ein Dokumentarfilm stellt die Unglücksthese der Ermittler infrage. Doch die US-Behörde hält an ihrer Version fest.

Trotz neuer Spekulationen hält die US-Verkehrssicherheitsbehörde (NTSB) an ihrer bisherigen Haltung fest, dass eine der schwersten Flugzeugkatastrophen vor New York ein Unglück war. TWA Flug 800 sei 1996 aufgrund eines explodierenden Treibstofftanks verunglückt, sagte der ehemalige NTSB-Ermittler Jim Widley vor Journalisten in der NTSB-Trainingsakademie in Ashburn bei Washington. "Ich bin fest überzeugt, dass es weder eine Bombe noch eine Rakete gab", sagte er weiter. Ein Dokumentarfilm, der zum 17. Jahrestag der Katastrophe am 17. Juli ausgestrahlt werden soll, kommt zu anderen Ergebnissen.

Die Boeing 747 war auf dem Weg nach Paris kurz nach dem Start in New York in der Luft explodiert und vor Long Island ins Meer gestürzt, alle 230 Insassen an Bord starben. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass in einem leeren Tank der Boeing Kerosindämpfe explodiert waren - vermutlich ausgelöst von einem Kurzschluss. Der neue Dokumentarfilm "TWA Flight 800" stellt diese These jedoch infrage. Er zitiert sechs ehemalige Ermittler und beruft sich auf Dutzende von Zeugen, die von Lichtblitzen berichteten.

"Keine gute Sache", das Thema wieder aufzurollen

Der Leiter der NTSB-Forschungsabteilung Joseph Kolly führte jetzt aus, dass der mühsam rekonstruierte Rumpf der Maschine keines der typischen Merkmale eines Raketeneinschlags vorweise. Bei den Lichtblitzen könnte es sich demnach um brennende Teile der Maschine gehandelt haben. Zu dem Dokumentarfilm sagte er, es sei "keine gute Sache", das Thema wieder aufzurollen. Kolly ging mit keinem Wort auf eine Petition ein, die von seiner Behörde eine Wiederaufnahme der Untersuchungen fordert. Die NTSB-Leitung wird voraussichtlich noch in diesem Sommer darüber entscheiden.

Die Pressekonferenz an diesem Dienstag war streng reglementiert. Journalisten durften Kolly und seine Kollegen weder fotografieren noch ihre Aussagen aufnehmen, zudem wurde ihnen nur die rechte Seite des rekonstruierten Rumpfs gezeigt. Dafür aber durften einige der Dokumentarfilmer auf einem verregneten Parkplatz Interviews geben.

Auch zwei Hinterbliebene der Opfer nahmen an der Pressekonferenz teil. Beide unterstützten die Version der NTSB. "Ich verstehe nicht, warum man jetzt alte Verschwörungstheorien wieder hervorholt, die schon lange getestet und überprüft worden sind", sagte Matt Ziemkiewicz, dessen Schwester Jill als frischgebackene Stewardess ihren ersten internationalen Flug absolvieren sollte.

bak/AFP / AFP