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Flutkatastrophe in Pakistan: Weltbank stellt 700 Millionen Euro bereit

1500 Tote, 20 Millionen Obdachlose: Angesichts der Verwüstungen durch die Flut gewährt die Weltbank Pakistan einen 700-Millionen-Euro-Kredit. Mittlerweile wächst auch die Spendenfreude der Deutschen.

Angesichts der katastrophalen Folgen des Hochwassers in Pakistan stellt die Weltbank dem Land einen Millionenkredit zur Verfügung. Die Regierung in Islamabad bekomme die angefragten rund 900 Millionen Dollar (703 Millionen Euro), teilte die Weltbank in Washington mit. Das Geld solle aus dem Fonds der Weltbank-Tochter IDA (International Development Association) für die ärmsten Länder kommen. Der ökonomische Schaden durch die Flut sei noch gar nicht absehbar, aber gewaltig.

Die pakistanischen Behörden gehen von nahezu 1500 Toten, 20 Millionen Obdachlosen und Milliardenschäden aus. Der Wiederaufbau des Landes mit seinen 170 Millionen Einwohnern könnte bis zu 15 Milliarden Dollar kosten und werde mindestens fünf Jahre dauern, sagte Pakistans Botschafter in Großbritannien. Dies sei bislang nur eine grobe Schätzung, Schließlich seien viele Schäden noch nicht einmal bekannt.

Nach Angaben der Weltbank dürften die größten Flutschäden an Gebäuden, Straßen, Bewässerungssystemen und in der Landwirtschaft entstanden sein. Schätzungen zufolge seien über 720.000 Häuser durch das Hochwasser zerstört oder beschädigt worden, teilte das Institut in Washington mit.

Wut der Flutopfer wächst

Inzwischen gibt es erste gewaltsame Proteste von Flutopfern, die sich von der Regierung im Stich gelassen fühlen. Der Nachrichtensender Dawn News meldete, drei Menschen seien am Montag verletzt worden, als eine aufgebrachte Menschenmenge einen Hilfskonvoi im Distrikt Rahim Yarkhan in der zentralpakistanischen Provinz Punjab mit Steinen bewarf. In der Region Kot Addu im Punjab skandierten Demonstranten: "Wir brauchen Hilfe!" In der südlichen Provinz Sindh blockierten Flutopfer eine Straße.

Zunehmend kritisch ist die Lage in der Stadt Jacobabad im Süden des Landes. "Wir arbeiten hart daran, das Wasser von Jacobabad wegzulenken", sagte Pakistans Sportminister Ijaz Jakhrani. Knapp ein Viertel der zwischen 300.000 und 400.000 Einwohner der Stadt seien bis Montag in Sicherheit gebracht worden. Die Umgebung von Jacobabad wurde bereits überflutet.

Deutsche spenden jetzt mehr

Die Spendenbereitschaft der Deutschen ist unterdessen offenbar gestiegen. Zunächst habe es eine große Zurückhaltung gegeben, seit Montag habe sich das Blatt aber gewendet, sagte der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Gründe für die zunächst zögerlichen Spenden führte er unter anderem auf die Vielzahl an Katastrophen in diesem Jahr zurück und verwies auf das Erdbeben in Haiti im Januar und die jüngsten Waldbrände in Russland.

Angesichts der Befürchtungen vieler, das Geld könnte die Betroffenen nicht direkt erreichen, sagte Seiters, es gebe in Pakistan seit den 80er Jahren eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond. Die gemeinsame Arbeit laufe gut und vertrauensvoll, und es habe noch nie Unterschlagungen gegeben. "Wir können für uns und den Roten Halbmond garantieren, dass das Geld bei den Opfern ankommt", sagte er der Zeitung.

Am Dienstag startet in Berlin ein Flugzeug des DRK mit 18 Tonnen Hilfsgütern nach Pakistan. Wie eine Sprecherin sagte, sollen unter anderem Zeltplanen, Decken sowie Werkzeug- und Küchensets in die Krisenregion gebracht werden.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief die Bundesbürger auf, noch mehr Hilfe zu leisten. "Pakistan ist von einer beispiellosen Katastrophe getroffen", sagte er der "Bild"-Zeitung. "Ich bitte alle Deutschen darum, für die Flutopfer zu spenden." Wer seine Spende einer seriösen Hilfsorganisation gebe, können sicher sein, dass sie die Opfer auch erreiche.

mad/DPA/Reuters / DPA / Reuters