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Flutkatastrohe in Pakistan: Radikal-islamische Taliban drohen ausländischen Helfern

Erneute Dammbrüche und Drohungen der Taliban erschweren die Lage ausländischer Helfer in Pakistan. UN-Nothilfekoordinator John Holmes will sich davon nicht einschüchtern lassen.

Im Süden Pakistans haben die Wassermassen des Flusses Indus erneut Dämme bersten lassen. Hunderttausende Menschen waren am Freitag auf der Flucht vor den Fluten. Auch die Großstadt Thatta war betroffen. Zu der katastrophalen Lage in den Hochwassergebieten kommen nun auch noch Drohungen der Taliban gegen die internationalen Hilfsorganisationen. Die "Horde von Ausländern" sei "in keiner Weise akzeptabel", sagte ein Sprecher der Islamisten.

Den USA und anderen Staaten, die Hilfe zugesagt hätten, gehe es nicht wirklich um die Flutopfer, sagte Taliban-Sprecher Azam Tariq der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag per Satellitentelefon. Dabei deutete er unmissverständlich an, dass die Extremisten zur Gewalt greifen könnten.

"Nicht davon abschrecken lassen"

Die Vereinten Nationen nehmen die Drohung ernst, wie UN-Nothilfekoordinator John Holmes sagte. "Wir treffen geeignete Vorsichtsmaßnahmen, aber wir werden uns nicht davon abschrecken lassen, das zu tun, was wir für notwendig erachten, nämlich dem pakistanischen Volk zu helfen", sagte Holmes vor Journalisten in New York.

In der südpakistanischen Provinz Sindh verschärfte sich die Lage am Freitag nochmals. Am Fluss Indus brachen die Dämme an mindestens zwei Stellen. Betroffen war auch ein Deich, der die Stadt Thatta schützte. Allein dort flüchteten 175.000 Bewohner vor den Wassermassen.

Seit Mittwoch seien in den Bezirken Thatta und Qambar-Shadadkot eine Million Menschen obdachlos geworden, sagte UN-Sprecher Maurizio Giuliano. "Wir teilen (Hilfe) immer schneller und schneller aus, aber die Flut scheint entschlossen, unseren Einsatz zu überholen", klagte Giuliano.

Seit Beginn der Flutkatastrophe sind vom gebirgigen Norden Pakistans bis zum landwirtschaftlichen Kernland im Süden fast 17,2 Millionen Menschen von den Wassermassen erheblich und direkt geschädigt worden, schätzen die UN. Etwa 1,2 Millionen Häuser sowie die Infrastruktur wurden zerstört.

ZDF sammelt acht Millionen Euro Spenden

Fast acht Millionen Euro haben ZDF-Zuschauer am Donnerstagabend für die Opfer der Flutkatastrophe gespendet. Wie das ZDF am Freitag mitteilte, gingen bis Mitternacht auf der eigens geschalteten Hotline Zusagen von insgesamt 7.984.388 Euro ein. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel rief in der Sendung zur Hilfe für Pakistan auf und trat Befürchtungen potenzieller Spender entgegen. Die Hilfsorganisationen sorgten dafür, dass die Mittel direkt zu den Bedürftigen kämen, versicherte sie.

Unterdessen begann die Bundeswehr mit der Lieferung von Hilfsgütern für Pakistan. Am Freitag startete vom Flugplatz Leipzig/Halle ein Großraumflugzeug mit rund 100 Tonnen Fracht nach Islamabad. Die Lieferung umfasst nach Angaben der Bundeswehr 50 fabrikneue Stromaggregate, drei faltbare Trinkwassertanks sowie 17 Tonnen Babynahrung.

Shakil Adil, APN / APN