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Flutkatastrophe Pakistan akzeptiert Hilfe von Erzfeind Indien


Angesichts der Flutkatastrophe hat die UN Pakistan in einer Resolution volle Solidarität bekundet. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, stocken ihre Hilfszahlungen deutlich auf. Die Not in dem Land ist so groß, dass es nach langem Zögern sogar Hilfe vom Erzfeind Indien annimmt.

Auf einer Sitzung der UN-Vollversammlung hat die internationale Staatengemeinschaft Pakistan weitere Finanzhilfen zur Bewältigung der Flutkatastrophe zugesagt. Für die USA versprach Außenministerin Hillary Clinton zusätzliche 60 Millionen Dollar. Damit steigt die US-Hilfe auf mehr als 150 Millionen Dollar. Die Washingtoner Regierung richtete zudem einen Hilfsfonds ein, in den Amerikaner Spenden einzahlen sollen. Großbritannien verdoppelt seinen Beitrag auf rund 100 Millionen Dollar. Die Europäische Union will weitere 30 Millionen und damit insgesamt 140 Millionen Euro bereitstellen. Deutschland hatte schon zuvor seine Unterstützung um zehn auf 25 Millionen Euro aufgestockt und die Bürger zu Spenden aufgefordert. Die Bundesregierung beteiligt sich auch an internationalen Hilfsmaßnahmen und stellt nach eigenen Angaben damit insgesamt 68 Millionen Euro zur Verfügung.

Die Geberkonferenz war kein Sondertreffen, sondern eine reguläre Sitzung der UN-Vollversammlung. Die 192 Mitgliedsstaaten verabschiedeten eine Resolution, in der sie Anteilnahme und "volle Solidarität mit dem pakistanischen Volk" bekundeten. Länder, globale Finanzeinrichtungen und Organisationen wurden aufgerufen, Pakistan "volle Unterstützung" zu geben. Hauptziel der Konferenz war es, zunächst die ursprünglich beantragten knapp 360 Millionen Euro zusammenzubekommen, von denen vor der Sitzung gut die Hälfte eingegangen war. Inzwischen zeichnet sich aber ab, dass die Summe bei Weitem nicht ausreichen wird, um die durch die Jahrhundertflut entstandene Not zu lindern.

Islamabad dankt Indien für Hilfe

Und die ist so groß, dass sich die Regierung in Islamabad nach langem Zögern dazu entschlossen hat, selbst die Hilfe des verfeindeten Nachbarlandes Indien anzunehmen. Außenminister Shah Mehmood Qureshi dankte der indischen Regierung, die Pakistan in der vergangenen Woche Hilfsgüter im Wert von fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) angeboten hatte. Die USA hatten Islamabad zur Annahme gedrängt und betont, bei der Reaktion auf eine Katastrophe sollte Politik keine Rolle spielen.

Dem indischen Nachrichtensender NDTV sagte Qureshi: "Die Regierung Pakistans ist übereingekommen, das indische Angebot anzunehmen." Und am Rande der UN-Sitzung betonte der Minister: "Wir spielen keine Politik."

Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft 1947 drei Kriege gegeneinander geführt. Anfang 2004 nahmen die beiden südasiatischen Atommächte Friedensgespräche auf, die aber seit der Terrorserie von Mumbai im November 2008 auf Eis liegen.

"Pakistan ist mit einem Zeitlupen-Tsunami konfrontiert"

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, der sich am vergangenen Wochenende vor Ort ein Bild von der Lage verschafft hatte, sagte vor den Konferenzteilnehmern in New York, 15 bis 20 Millionen Menschen seien in Not. "Pakistan ist mit einem Zeitlupen-Tsunami konfrontiert." Der Generalsekretär warnte mit Blick auf Vorhersagen, nach denen noch vier weitere Wochen Monsun zu erwarten seien: "Die zerstörerische Kraft wird im Laufe der Zeit noch zunehmen."

Pakistans Außenminister Shah Mahmood Qureshi schilderte, dass die Fluten Anbaupflanzen und damit Ernten im Umfang von Milliarden Dollar vernichtet hätten. Er äußerte außerdem die Befürchtung, dass das Land durch das Desaster verwundbarer für Terroranschläge geworden sei. Extremisten könnten versuchen, die katastrophale Lage auszunutzen.

Deutschland versprach in New York nicht nur kurzfristige Unterstützung zur Befriedigung der unmittelbaren Bedürfnisse, sondern auch ein längerfristiges Engagement beim Wiederaufbau der pakistanischen Infrastruktur. Berlin habe eine "starke Partnerschaft" mit Pakistan entwickelt, sagte Außenamtsstaatsminister Werner Hoyer. Ein stabiles, demokratisches und florierendes Pakistan sei äußerst wichtig für Frieden in Südasien und darüber hinaus. "Angesichts dieser Tragödie sind unsere Freundschaft und Unterstützung sogar noch wichtiger."

Auch US-Außenministerin Hillary Clinton kündigte zusätzliche Mittel über die bereits zur Verfügung gestellten rund 70 Millionen Euro an. Dazu soll ein Teil von nichtmilitärischen Langzeithilfen für Pakistan verwendet werden, die der Kongress bewilligt hat.

Regierung in Islamabad sucht Hilfe beim IWF

Pakistan will unterdessen wegen der Flutkatastrophe offenbar den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Unterstützung bitten. Finanzminister Abdul Hafeez Shaikh werde in der kommenden Woche nach Washington reisen, um dort um eine Aufweichung der Auflagen für ein zehn Milliarden Dollar schweres IWF-Kreditpaket zu ersuchen, berichtete die "Financial Times" unter Berufung auf Regierungsvertreter des Landes. Angesprochen werden könnten neben der Kreditrestrukturierung auch neue Finanzierungsmodelle, da Pakistan wegen der Überschwemmungen nicht in der Lage sei, die Auflagen des Pakets zu erfüllen.

Der IWF hatte dem Land die Kredite im Jahr 2008 gewährt. Seitdem gab es immer wieder starke Zweifel daran, ob die Regierung in Islamabad den mit den Hilfen verknüpften Bedingungen nachkommen kann. Die Flutkatastrophe wird dieses Problem nach Ansicht von Experten weiter verschärfen.

mad/joe/Reuters/DPA/AFP DPA Reuters

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