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Berühmtes Foto der "New York Times": Wie die Amirijs zu Berlinern wurden

Dieses Foto wurde zum Sinnbild der Flüchtlingskrise: Laith Majid Al-Amirij klammert sich nach der Ankunft auf der griechischen Insel Kos an seine Tochter und weint vor Erleichterung. Heute wohnt die Familie in Berlin - und berichtet von ihren Strapazen.

Ein Flüchtling hält seine Kinder fest umklammert und weint bitterlich als sie endlich die griechische Insel Kos erreichen. Das Foto der Familie Al-Amirij, erstmals in der "New York Times" veröffentlicht, ging um die Welt. Weil das emotionale Bild die ganzen Strapazen der Flucht zum Ausdruck bringt, hat es viele Betrachter nachdenklich gemacht. Inzwischen hat die berühmt gewordene Familie Al-Amirij eine neue Zuflucht gefunden - in Deutschland.

Der weinende Vater Laith Majid, 44, seine Ehefrau Neda, 43, die Söhne Mustafa, 18, Ahmed, 17, Taha, 9, und Tochter Nour, 7, leben heute in Berlin.  Mittlerweile haben sie sich in der ehemaligen Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau eingelebt.

Morddrohungen weil sie Sunniten sind

Schon Ende vergangenen Monats hat das Flüchtlingsheim die Asylbewerber aufgenommen. Zwei Wochen zuvor kämpfte die Familie im Mittelmeer ums nackte Überleben. Gegenüber "Spiegel Online" berichtet die Familie aus Bagdad von ihren Strapazen: Sie floh aus der irakischen Hauptstadt, weil sie wegen ihres sunnitischen Glaubens Morddrohungen erhielt. Nach dem Verkauf all ihres Hab und Guts reisten die Amirijs zunächst in die nordirakische Stadt Arbil und von dort mit dem Bus quer durch die Türkei. Dann geriet die Familie im türkischen Bodrum an einen Schlepper, der versprach, die Familie für 1250 Dollar pro Person nach Griechenland zu bringen.

Am 16. August bestiegen die Al-Amirijs nachts ein Schlauchboot und machten sich auf die gefährliche Reise. Insgesamt 13 Personen sollen mit an Bord gewesen sein - auf einem Schlauchboot, das eher für vier Personen ausgelegt war. Weiter schildert die Familie, dass das Boot nach zwei Stunden allmählich Luft verlor. Die Kinder weinten, es war dunkel. Kurz darauf gab auch der Motor den Geist auf. Mit viel Glück erreichten die Flüchtlinge im Morgengrauen die griechische Insel Kos. Mit Freudentränen in den Augen betraten sie die Insel - und wurden dabei vom deutschen Fotografen Daniel Etter fotografiert.

The photo of the weeping father clutching onto his children, as they survived the deadly crossing and arrived on the...

Posted by Europe says OXI on Montag, 7. September 2015


Schlepper bringt Familie von Athen nach Berlin

Nach sieben Tagen auf Kos ging die Flucht weiter. Einem Schlepper in Athen zahlten die Al-Amirijs 1500 Euro pro Person, um auf der Ladefläche eines Kleinlasters mitgenommen zu werden. “Spiegel Online“ sagte Neda Al-Amirij, “darin fuhren wir direkt nach Berlin, fast ohne Pause. Angehalten wurde nur selten, wenn die Kinder die Toilette benutzen mussten. Nachts durften wir kurz raus an die Luft."

Als die Familie nach der langen Reise in Berlin ankam, wussten sie zunächst gar nicht wo sie sich befanden. Als sich herausstellte, dass sie in Berlin gelandet waren, gingen sie sofort zur nächsten Polizeiwache, um sich zu melden. Die Al-Amirij sind glücklich in Deutschland - und froh der Gewalt im Irak entkommen zu sein. "Die Menschen hier in der Kaserne sind den Deutschen und Angela Merkel sehr dankbar".

lie/amt