Frankreich Viele Tote bei Gasexplosion


Ein Leck an einer Gasleitung hat eine Explosion in einem elsässischen Wohnhaus ausgelöst. Bei dem Unglück sind 19 Menschen ums Leben gekommen.

Das Unglück erschütterte ein ganzes Wohnviertel: Eine heftige Gasexplosion riss am zweiten Weihnachtsfeiertag das dicht bebaute Wohnquartier Wolf-Wagner im elsässischen Mülhausen aus der weihnachtlichen Ruhe. Ein vierstöckiges Gebäude stürzte teilweise ein und begrub zahlreiche Menschen unter sich. "Es ist eine große Tragödie", sagte eine Anwohnerin. Das wahre Ausmaß des Unglücks wurde erst am Folgetag sichtbar. Vermutlich bis zu 19 Menschen sind durch die Explosion ums Leben gekommen, 15 Menschen wurden verletzt.

"Es gab einen großen Knall. Die Erschütterung war im ganzen Quartier zu spüren. Danach war es gespenstisch still", sagte eine Frau, die zwei Straßen von dem Unglückhaus entfernt wohnt. Das in den 70er Jahren gebaute Gebäude, in dem sich Sozialwohnungen befanden, stürzte fast komplett ein. In der miteinander verbundenen Häuserreihe klafft dort, wo früher das Unglückhaus stand, nun ein Loch mit rauchendem Schutt.

Nachbargebäude wurden durch die Explosion in Mitleidenschaft gezogen. Durch umher fliegende Trümmer wurden Autos beschädigt, im ganzen Wohnviertel gingen Scheiben zu Bruch. "Es handelt sich bei diesem Unglück um die schwerste Explosion in Frankreich seit mehr als 30 Jahren", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Folgen seien schwerwiegend. Im Dezember 1971 hatte es in Argenteuil bei Paris 19 Tote und 100 Verletzte gegeben, als in einem 13-stöckigen Hochhaus die Gaszufuhr gerissen war.

Für die Rettungskräfte in Mülhausen war kurz nach der Explosion Großalarm ausgelöst worden. Zunächst waren die Behörden von einem Toten und mehreren Leichtverletzten ausgegangen. Doch diese Zahl musste im Laufe der Nacht und des Vormittags nahezu stündlich nach oben korrigiert werden. Zuletzt hatten 30 Menschen in den zehn Wohnungen zählenden Haus gewohnt.

"Dieses Unglück hat uns aus der Fassung gebracht. Wir sind total geschockt", sagte der Oberbürgermeister der rund 112.000 Einwohner Stadt, Jean-Marie Bockel. Einsatzkräfte und Angehörige seien in den Stunden nach dem Unglück mit einer "Spirale der Hoffnungslosigkeit und des Schreckens" konfrontiert worden. "Es ist deprimierend2, meinte Bockel, der sich vor Ort ein Bild von der Lage machte.

Mehr als 100 Feuerwehrleute aus Mülhausen und Umgebung waren im Einsatz. Spezialisten mit Spürhunden suchten zwar fieberhaft nach Überlebenden, jedoch ohne Erfolg. Aus den Trümmern konnten die Retter nur Tote bergen. Mehrere Leichen wurden im Laufe der Nacht zwar geortet, die Feuerwehrleute konnten sie zunächst jedoch nicht aus den Trümmern holen. "Es ist eine extrem schwierige und belastende Arbeit", sagte ein Feuerwehrmann. Angehörige, Anwohner und auch Feuerwehrleute mussten psychologisch betreut werden.

Unglücksursache war nach Angaben der Behörden vermutlich ein Leck in der Gasleitung im Erdgeschoss oder im ersten Stock des Gebäudes. Ob ein technischer Defekt oder menschliches Versagen dafür verantwortlich ist, muss den Angaben zufolge noch untersucht werden.

DPA DPA

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