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Greenpeace-Experte im stern "Auch ein kleiner Störfall kann ein Warnsignal sein"


Der Störfall im ukrainischen Saporoschje scheint keine ernsthaften Konsequenzen zu haben. Auch Greenpeace-Experte Heinz Smital glaubt nicht an eine Eskalation. Und dennoch: Es bleiben offene Fragen.
Von Niels Kruse

Wie ernst war der Zwischenfall in der ukrainischen Atomanlage Saporoschje? Glaubt man der Regierung in Kiew, dann hat es bereits am vergangenen Freitag einen Kurzschluss gegeben, der jedoch keine Auswirkungen auf den Reaktor gehabt hat. Anders gesagt: Alles unter Kontrolle, Probleme werden behoben. Wie glaubhaft ist diese Aussage? Ist dort, im Südosten des krisengeschüttelten Landes tatsächlich alles in Ordnung?

"Die Spannbreite zwischen 'harmlosen' Zwischenfall und 'echtem' Unfall ist leider klein", sagt Greenpeace-Atomkraftexperte Heinz Smital dem stern. Wie klein, zeigt etwa ein Unfall 2007 in Krümmel bei Hamburg. Dort legte ebenfalls ein Kurzschluss Teile der Stromversorgung des AKW lahm. Auch damals wiegelte der Betreiber zunächst ab und sprach davon, dass zu keiner Zeit irgendeine Gefahr bestanden hätte. Später stellte sich heraus, dass der Kühlwasserstand durch den Transformatorenbrand bedrohlich abgesunken und zudem der Reaktordruck abgefallen war, was durchaus zu einem Unfall hätte führen können. "In der Ukraine sieht es derzeit jedoch so aus, als wäre keine Eskalation mehr zu erwarten", so Smital. Allerdings müsse man erst die Analysen des Vorfalls abwarten."

Gegen einen möglichen GAU sprechen folgendes Indizien:

  • Der Deutsche Wetterdienst hat bislang keine erhöhte Radioaktivität gemessen
  • Die Internationale Atomenergiebehörde folgt der Darstellung der Kiewer Regierung, nach der es keine Hinweise für einen GAU gibt

Offen ist aber unter anderem die Frage, warum die Kiewer Regierung zunächst eilig eine Pressekonferenz ansetzte und bereits von einer "Havarie" die Rede war, um dann lediglich von einem Defekt zu sprechen, der auch schon rund vier Tage zurücklag und angeblich keinerlei ernsthafte Konsequenzen hatte. "Die Auswertung von vielen Störfällen zeigt, dass man sich nicht auf die Aussagen von Betreibern und Regierungen verlassen sollte", sagt Greenpeace-Mann Smital. Zudem seien auch Einzelereignisse oft ein Warnsignal. "Besonders bei diesem Modell, das nicht nur schon 30 Jahre alt ist, sondern in der Nähe eines Kriegsgebiets liegt, in dem auch Sabotagen und Angriffe nicht ausgeschlossen werden können."

Vertuschen jedenfalls lässt sich ein größerer Zwischenfall nicht. "Früher oder später würde sich die dann ausgetretene Radioaktivität messen lassen. Auch in der Ukraine selbst gibt es genug Menschen mit Geigerzählern, die regelmäßig Messungen durchführen", sagt Smital. Und die würden schon über Twitter die Welt wissen lassen, was ihre Dosimeter anzeigen."


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