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+++ Katastrophe in Japan +++: Radioaktive Pfützen an vier Blöcken

Die Lage am AKW Fukushima ist weiter außer Kontrolle. Radioaktive Pfützen wurden an vier Reaktoren entdeckt. "Pfützen" ist dabei ein verniedlichender Begriff. Die Ereignisse in der Rückschau.

+++ 19.56 Uhr: Strahlenopfer sollen auf Kliniken verteilt werden +++

Die japanische Regierung will Strahlenopfer dezentral versorgen. Ab einer Zahl von 100 stark verstrahlten Opfern sollen die Patienten auf mehrere Klinken verteilt werden. Das einzige spezialisierte Strahlenforschungsinstitut in der Region könne nicht mehr Patienten aufnehmen, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag unter Berufung auf Regierungskreise. Neben dem nationalen Strahlenforschungsinstitut in der Stadt Chiba im Osten Japans ist nur ein Strahlenzentrum in Hiroshima in Westjapan für extreme Notfälle eingerichtet. Neunzehn weitere Provinzhospitäler können aber ebenfalls Strahlenerkrankungen behandeln. Bei einer geringen Anzahl von Fällen können die Patienten vor Ort dekontaminiert und dann nach Chiba verlegt werden, berichtete Kyodo.

Zurzeit werden drei Arbeiter aus dem Krisenmeiler Fukushima im Strahleninstitut in Chiba behandelt. Am Donnerstag waren die Männer starker Strahlung ausgesetzt, als sie im Reaktorblock 3 arbeiteten. Arbeiter, Feuerwehrleute oder Soldaten, die am Reaktor arbeiten, müssen behandelt werden, wenn sie einer Strahlung von mehr als 250 Millisievert ausgesetzt sind. Die Regierung hatte den Grenzwert aufgrund der Krisensituation angehoben. Das obere Limit der Strahlendosis für Arbeiter lag zuvor in japanischen Atomkraftwerken bei 50 Millisievert im Jahr, in Notfällen konnte dies auf 100 Millisievert angehoben werden.

+++ 18.11 Uhr: Radioaktive Pfützen an vier Blöcken +++

Am Atomkraftwerk Fukushima sind an vier Reaktorblöcken Pfützen von radioaktiv belastetem Wasser entdeckt worden. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtete, könnte das Wasser vielleicht aus dem Reaktorkern oder den Abklingbecken für die abgebrannten Kernstäbe gesickert sein.

Die Pfützen an Reaktor 1 und 3 würden bis zu 40 Zentimeter beziehungsweise 1,5 Meter tief sein. In den Reaktorblöcken 2 und 4 stehe das Wasser in den Pützen bis zu einem Meter beziehungsweise bis zu 80 Zentimeter hoch.

Die Arbeiten zur Kühlung der Brennstäbe wurden derweil fortgesetzt. Laut der Betreiberfirma Tepco wurde begonnen, Süßwasser in die Reaktorblöcke 1 und 3 zu pumpen. Durch das bisher verwendete Meerwasser hat sich vermutlich bereits eine Salzkruste an den Brennstäben gebildet, was die Kühlung behindert. Am Samstag sollte auch Reaktor 2 mit Süßwasser gekühlt werden.

+++ 17.25 Uhr: Radioaktivität im Körper der AKW-Arbeiter +++

Radioaktive Partikel sind vermutlich in die Körper der beiden verletzten Arbeiter vom Kraftwerk Fukushima gelangt. Die Männer zeigten aber keine Frühsymptome von Strahlenkrankheit und benötigten deshalb keine weitere Behandlung, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag unter Berufung auf das nationale Institut für Strahlenforschung. Die Männer könnten ohne fremde Hilfe gehen und könnten wahrscheinlich am Montag entlassen werden.

Die beiden Arbeiter waren am Donnerstag bei Arbeiten am Krisen-AKW Fukushima in stark radioaktiv belastetes Wasser getreten und kamen mit Verbrennungen in eine Spezialklinik. Die Ganzkörperstrahlung, der die Männer ausgesetzt waren, soll bei 173 bis 180 Millisievert gelegen haben. Unterhalb der Knöchel soll die Strahlung aber bei 2 bis 6 Sievert gelegen haben, berichtete das behandelnde Strahlenforschungsinstitut. Diese extreme Dosis war nur lokal begrenzt und betraf nicht den ganzen Körper, berichtete Kyodo.

+++ 16.00 Uhr: 10.000-fach erhöhte Strahlenwerte im Reaktor 1 +++

Im Wasser eines zweiten Reaktorblocks in Fukushima ist 10.000-fach erhöhte Strahlung gemessen worden. Dieser Wert sei jetzt am Meiler Nummer 1 aufgetreten, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreiberfirma Tepco am Freitag. Am Donnerstag war bereits an Reaktor 3 im AKW Fukushima Eins im Wasser eine Radioaktivität festgestellt worden, die 10.000 Mal so hoch war wie üblich.

+++ 15.49 Uhr: Atomunfall hat höchste INES-Stufe 7 erreicht +++

Die Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima 1 muss nach Ansicht von Greenpeace auf die höchste Stufe der Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) eingeordnet werden. Aus der havarierten Atomanlage in Japan seien schon jetzt entsprechend große Mengen an Radioaktivität entwichen. Dies habe eine Studie des Physikers Helmut Hirsch für Greenpeace ergeben, teilte die Umweltorganisation mit.

Hirsch kommt demnach zu dem Ergebnis, dass die Gesamtmenge der radioaktiven Substanzen Jod-131 und Cäsium-137 die Einstufung in INES 7 erfordern. Die japanischen Behörden ordneten die Atomkatastrophe derzeit aber nur der Stufe 5 zu. "Die höchste Stufe der Unfallskala der internationalen Atomenergiebehörde IEAO ist jetzt erreicht", sagte Greenpeace-Atomexperte Heinz Smital. "Es sind derart große Mengen an Radioaktivität freigesetzt worden, dass die derzeitige Katastrophe im AKW Fukushima Eins jeden Vergleich sprengt."

+++ 14.27 Uhr: Wind treibt Strahlenbelastung aufs Meer +++

Der Wind treibt die radioaktiven Partikel aus den japanischen Unglücksreaktoren in den nächsten Tagen auf das offene Meer. Die Millionen-Metropole Tokio werde nicht betroffen sein, sagte Meteorologe Bernd Zeuschner vom deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach. Nur am Freitag (mitteleuropäischer Zeit) könne die Region nördlich von Fukushima einen Teil der Stoffe abbekommen.

Das Gebiet mit den Atomkraftwerken lag im Einflussbereich eines Sturmtiefs, das am Freitag über die Hauptinsel ostwärts zog. Dazu war es winterlich kalt mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, und es gab einige Schnee- oder Schneeregenschauer.

Auf der Rückseite des Tiefs werde der Wind am Wochenende auf westliche Richtungen drehen, sagte Zeuschner. Schadstoffe aus Fukushima werden bei dieser Wetterlage weit auf das offene Meer hinaus verfrachtet. Die Niederschläge lassen laut Vorhersage nach, aber es bleibt kalt.

+++ 14.17 Uhr: Radioaktive Spuren über der Schweiz +++

Im Luftraum über der Schweiz sind erstmals minimale Spuren radioaktiver Partikel aus dem japanischen Atomkraftwerk Fukushima festgestellt worden. Die Werte für die Radioaktivität stellen nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit für die Bevölkerung keine Gefahr dar. Die Messungen in der Schweiz auf 6000 Metern Höhe haben nach Angaben der Behörden ergeben, dass am Mittwoch ein Kubikmeter Luft 140 Mikrobecquerel Jod-131 enthalten habe. Dies sei 20.000 Mal weniger als der zulässige Grenzwert, hieß es.

Normalerweise gebe es in der Luft auf dieser Höhe gar kein Jod-131. Deshalb könne davon ausgegangen werden, dass es sich um Partikel aus dem havarierten Atomkraftwerk Fukushima Eins handele, sagte der Sprecher. Die Messungen in Bodennähe ergaben dagegen Werte im Normalbereich.

+++ 14.04 Uhr: Südkorea stoppt Nahrungsmittelimporte +++

Südkorea hat ein vorübergehendes Verbot für den Import mehrerer Nahrungsmittel aus vier japanischen Regionen beschlossen. Das Verbot bleibe solange bestehen, bis sich die Besorgnis wegen einer radioaktiven Verstrahlung wieder gelegt habe, teilte das Büro des Ministerpräsidenten in Seoul am Freitag mit. Das Verbot trete ab sofort in Kraft. Südkorea folgt mit dieser Entscheidung anderen Ländern, darunter Russland, Australien, China, Taiwan und den USA.

Betroffen ist die Lebensmitteleinfuhr aus den japanischen Präfekturen Fukushima, Ibaraki, Tochigi und Gunma. Die Verbotsliste enthält demnach unter anderem Spinat, Gemüsekohl und Milch sowie andere Lebensmittel, deren Ausfuhr bereits von Japan gestoppt worden war.

+++ 12.59 Uhr: Radioaktives Jod aus Japan erreicht Deutschland +++

Erstmals ist radioaktives Jod aus Japan in Deutschland gemessen worden. Die Dosis sei absolut unbedenklich, teilte eine Sprecherin des Bundesumweltministeriums am Freitag in Berlin mit. "Es konnten geringste Spuren, ein fünftausendstel Becquerel Jod pro Kubikmeter Luft, nachgewiesen werden", sagte die Sprecherin. "Die daraus resultierende Dosis ist mehr als eine Millionen Mal niedriger als die Dosis, die ein Mensch durch die natürliche Strahlung erhält."

Die Spuren seien am Donnerstagabend wie erwartet an den höchstempfindlichen Messstellen des Deutschen Wetterdienstes, des Bundesamtes für Strahlenschutz sowie der Physikalisch- Technischen Bundesanstalt in Potsdam, Offenbach, Braunschweig und Schauinsland gemessen worden.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, die Zollverwaltung prüfe sämtliche Warensendungen aus Japan mit Geigerzählern. Auf dem Hauptweg, dem Seeweg, seien aber noch keine Waren eingetroffen, die nach Unglück abgesandt wurden.

+++ 12.56 Uhr: Erneut starkes Beben +++

Erneut hat ein starkes Nachbeben den Nordosten Japans erschüttert. Der Erdstoß am Freitagabend (Ortszeit) vor der Küste der Katastrophenprovinzen Miyagi und Iwate hatte eine Stärke von 6,2, wie der Fernsehsender NHK meldete. Berichte über mögliche Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Eine Warnung vor einem Tsunami gab es nicht. Auch in der Hauptstadt Tokio gerieten Hochhäuser ins Schwanken.

+++ 11.47 Uhr: Kan: Japanische Regierung tut das Äußerste +++

Die japanische Regierung unternimmt in der Atom-Krise nach eigenen Angaben alles, was in ihrer Macht steht. "Die Regierung tut das Äußerste, um die Situation unter Kontrolle zu bringen", sagte Ministerpräsident Naoto Kan auf einer Pressekonferenz in Tokio. Zuvor hatte sich die Lage am Atomkraftwerk Fukushima Eins verschärft. Der Ministerpräsident wies Kritik an der Informationspolitik der Regierung zurück. "Wir werden weiterhin fair und genau sein im Bereitstellen von Informationen", sagte Kan.

+++ 11.12 Uhr: Zustand von Reaktor-3-Container unklar +++

Japans Atomaufsicht erklärt, Risse im Container von Reaktor 3 und den Druckbehältern seien unwahrscheinlich. Zuvor hatte die Betreiberfirma Tepco nicht ausgeschlossen, dass der Reaktordruckbehälter, der die Brennstäbe enthält, beschädigt sei. Die Brennstäbe im Reaktor 3 enthalten neben Uran auch Plutonium, ein hochradioaktives, extrem giftiges Schwermetall. Im Umkreis von 30 Kilometern des AKW wurden die Bewohner aufgefordert, das Gebiet freiwillig zu verlassen. "Weit entfernt" von Reaktor 3 seien stark erhöhte radioaktive Substanzen gemessen worden, sagte ein Sprecher der japanischen Behörde für nukleare Sicherheit.

+++ 10.04 Uhr: Radioaktives Wasser wohl aus Reaktorkern +++

Die radioaktive Verseuchung des in Block 3 entdeckten Wassers rührt möglicherweise vom Reaktorkern her, wie die Betreiberfirma mitteilt. Zuvor hatte Tepco gemutmaßt, dass die Strahlung aus dem Abklingbecken kommt

+++ 10.02 Uhr: Aigner will japanische Lebensmittel streng kontrollieren +++

Die Lebensmittelkontrollen in Deutschland werden angesichts des Atomunglücks in Japan verstärkt. "Künftig dürfen Lebensmittel aus den betroffenen japanischen Regionen nur noch in Deutschland eingeführt werden, wenn sie in Japan streng kontrolliert und zertifiziert wurden", teilte Aigner in Berlin mit. "Bereits vor der Verladung muss sichergestellt sein, dass die Waren keinerlei erhöhte Strahlenbelastung aufweisen." Die Europäische Union hatte zuvor Zwangskontrollen angeordnet.

+++ 9.32 Uhr: Kein Hinweis auf Bruch in Reaktor 3 +++

Für Block 3 gibt es nach Angaben der Atomsicherheitsbehörde keine Hinweise auf ein Auseinanderbrechen des Reaktors

+++ 9.24 Uhr: Mehr als 10 000 Tote in Japan gezählt +++

Zwei Wochen nach dem schweren Erdbeben und Tsunami hat die Polizei in Japan mehr als 10.000 Tote gezählt. Der Fernsehsender NHK berichtete von 10.035 Opfern. Er berief sich auf die nationale Polizeibehörde. Andere Medien nannten etwas höhere oder niedrigere Zahlen. Rund 17.500 Menschen gelten noch als vermisst.

Die meisten Toten wurden bisher in der Präfektur Miyagi geborgen. Dort sind es etwa 6000. Rund 3000 seien in Iwate gezählt worden. In Fukushima, wo das havarierte Atomkraftwerk steht, zählte die Polizei laut NHK nur 855 Opfer. Das liege auch daran, dass Suchaktionen in der Evakuierungszone 20 Kilometer um das AKW abgesagt wurden.

Die Zahlen werden wohl weiter steigen. Denn wie NHK weiter schreibt, sind in manchen Orten ganze Familien bei der Katastrophe gestorben. In manchen Fällen gebe es keinen, der Vermisstenmeldungen ausfüllen könne.

+++ 8.02 Uhr: Reaktordruckbehälter in Block 3 eventuell beschädigt +++

Der Reaktordruckbehälter im Block 3 der havarierten Atomanlage Fukushima 1 ist nach Angaben der Betreiberfirma Tepco möglicherweise beschädigt. Eine Beschädigung sei "möglich", sagte ein Tepco-Sprecher. In dem Behälter befinden sich die Brennstäbe, die speziell im Reaktor 3 neben Uran auch Plutonium enthalten, ein hochradioaktives, extrem giftiges Schwermetall.

+++ 7.46 Uhr: China meldet Verstrahlung bei zwei Japanern +++

Nach ihrer Ankunft in China sind zwei Japaner wegen Verstrahlung ins Krankenhaus eingeliefert und dort behandelt worden. Der gemessene Grad an Radioaktivität habe bei den beiden Japanern den erlaubten Wert "erheblich überschritten", teilten die chinesischen Behörden am Freitag mit. Die Reisenden kamen demnach bereits am Mittwoch mit dem Flugzeug aus Tokio in der Stadt Wuxi im Osten Chinas an. Sie lebten in einem Umkreis von 200 bis 350 Kilometern von der havarierten Atomanlage Fukushima. Kleidung und Gepäck der beiden seien zerstört worden, teilte die Behörde für Qualitätssicherung, Kontrolle und Quarantäne weiter mit. Experten zufolge stellten die Japaner aber keine Gefahr für andere Reisende dar. Vergangene Woche hatten die Behörden in Taiwan radioaktive Werte über dem erlaubten Grenzwert bei 26 Passagieren in Flugzeugen aus Japan entdeckt.

+++ 7.42 Uhr: Radioaktives Wasser stoppt Arbeit an Reaktoren 1 und 2 +++

Stark radioaktiv belastetes Wasser hat auch die Arbeiten an den Reaktoren 1 und 2 im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Eins gestoppt. Die Arbeiten mussten unterbrochen werden, nachdem im Untergeschoss der beiden Gebäude Wasser mit hoher Radioaktivität gefunden wurde, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo.

+++ 5.49 Uhr: EU verschärft Kontrollen wegen radioaktiver Belastung +++

Taiwan hat den Import von Lebensmitteln aus fünf japanischen Präfekturen um das Atomkraftwerk Fukushima 1 untersagt. Das Importverbot gelte von sofort an für die Präfektur Fukushima und vier weitere nahe gelegene Präfekturen, sagte ein Sprecher der taiwanesischen Gesundheitsbehörden am Freitag. "Wir beobachten die Situation weiter und könnten das Importverbot bei einer Verschlechterung der Lage ausweiten." In Taiwan waren in den vergangenen Tagen radioaktiv belastete Bohnen und Muscheln entdeckt worden.

Die Europäische Union kündigte eine Verschärfung der Importkontrollen an, die ab Samstag gelten sollte. Lebensmittelimporte aus den besonders betroffenen Regionen in Japan müssten ein Zertifikat der japanischen Behörden vorweisen, dass keine Belastung vorliege, teilte die EU-Kommission am Donnerstagabend mit. Zwei Tage vor Ankunft der Lebensmittellieferungen müssten zudem die Behörden der jeweiligen Mitgliedsstaaten informiert werden. Mindestens zehn Prozent der Lieferungen sollten in Labors überprüft werden.

Zuvor hatten unter anderem die USA, Russland, Australien und Singapur Importverbote und Beschränkungen verhängt. Japan selbst hat bereits die Ausfuhr bestimmter Lebensmittel aus mehreren Regionen gestoppt und für weitere Gegenden Kontrollen angekündigt.

+++ 5.30 Uhr: Regierung empfiehlt Verlassen der 30-Kilometer-Zone um Fukushima +++

Die japanische Regierung plant derzeit keine Ausweitung der Evakuierungszone um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima. Regierungssprecher Yukio Edano sagte aber am Freitag, den Bewohnern des Gebiets in einer Entfernung von 20 bis 30 Kilometern um das Kraftwerk Fukushima-Eins werde empfohlen, sich freiwillig in weiter entfernte Regionen zu begeben. Diese Empfehlung erfolge nicht aus Sicherheitsgründen, betonte Edano nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo. Um wachsende Probleme im Alltag zu vermeiden, hätten bereits zahlreiche Bewohner dieses Streifens von sich aus dieses Gebiet verlassen.

Die Evakuierungszone erstreckt sich über einen Radius von 20 Kilometern um das Atomkraftwerk. Darüber hinaus wurde die in einer Entfernung von 20 bis 30 Kilometern lebende Bevölkerung aufgerufen, ihr Haus nicht zu verlassen und sich möglichst nicht im Freien aufzuhalten.

+++ 4. 51 Uhr: Regierung besorgt über Meersalz in Reaktorblöcken +++

Die japanische Regierung ist besorgt, dass die fortgesetzte Kühlung des Atomkraftwerks Fukushima mit Meerwasser von außen zu einer Salzverkrustung der Kernbrennstäbe und damit zu neuen Risiken führen könnte. "Salz ist für uns eine große Sorge", sagte Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa am Freitag dem Fernsehsender NHK. Es sei notwendig, sehr schnell die Umstellung auf eine Kühlung mit Süßwasser zu erreichen. Dazu habe die US-Regierung ihre Hilfe angeboten, sagte Kitazawa.

In den USA warnte der ehemalige Reaktorsicherheitschef des Konzerns General Electric, Richard Lahey, dass Salz die Brennstäbe verkrusten und damit die Kühlung blockieren könnte. Nach einem Bericht der "New York Times" schätzte Lahey, dass sich im Reaktorblock 1 etwa 26 Tonnen Salz angesammelt haben könnten, in den Blöcken 2 und 3 sogar jeweils 45 Tonnen. General Electric hat das grundlegende Design der Siedewasserreaktoren in Fukushima entwickelt.

+++ 4.43 Uhr: AKW-Betreiber gibt verunglückten Arbeitern Mitschuld +++

Der japanische AKW-Betreiber Tepco gibt den drei verstrahlten Arbeitern am Unglückswerk Fukushima eine Mitschuld an ihren Verletzungen. Die Arbeiter hätten Strahlenzähler bei sich getragen, den ausgelösten Alarm aber ignoriert, teilte Tepco am Freitag mit. Die eingesetzten Ingenieure würden nun erneut über die Sicherheitsgefahren informiert. Die Arbeiter standen am Donnerstag bei Austausch eines Kabels in radioaktiv verseuchtem Wasser und waren dadurch einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt. Zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Rund 300 Ingenieure arbeiten beinahe rund um die Uhr, um die sechs Reaktoren in Fukushima unter Kontrolle zu bringen. Zwei gelten als sicher, bei den übrigen vier ist die Lage weiter unbeständig.

+++ 4.16 Uhr: Zahl der bestätigten Toten in Japan übersteigt 10.000 +++

Genau zwei Wochen nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan ist die Zahl der bestätigten Todesopfer auf mehr als 10.000 gestiegen. Das berichtete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo. Es wird eine noch deutlich höhere Zahl von Todesopfern befürchtet. Die nationale Polizeibehörde, die die Opferzahlen aus den betroffenen Präfekturen sammelt, konnte die Zahl zunächst nicht bestätigen. Sie hatte am Donnerstagabend die Zahl der bestätigten Todesfälle mit 9811 angegeben. 17.541 Menschen wurden demnach noch vermisst.

+++ 2.55 Uhr: Behörde ruft AKW-Betreiber zu verstärktem Strahlenschutz auf +++

Nach der Verstrahlung von drei Arbeitern im AKW Fukushima hat die Reaktorsicherheitsbehörde (NISA) den Betreiber Tepco zu einem wirksameren Strahlenschutz aufgefordert. Die Leitung der Behörde habe deswegen Kontakt zu dem Unternehmen aufgenommen, sagte NISA-Sprecher Hidehiko Nishiyama und erklärte: "Wir haben Probleme mit dem Strahlenschutz."

Der Sprecher bestätigte, dass die 10.000fach erhöhte Strahlung im Turbinengebäude auf einen Defekt von Brennstäben im benachbarten Gebäude mit dem Reaktorbehälter hindeuten könnte. Das durch die Turbinen geleitete Wasser sei normalerweise nur schwach radioaktiv. Zur Kühlung des Reaktorblocks 3 werde weiter Meerwasser eingesetzt, sagte Nishiyama.

+++ 00.32 Uhr: Drastische Korrektur bei Wachstumsprognose für Japan erwartet +++

Wenn der Internationale Währungsfonds (IWF) am 11. April neue Prognosen zum Wirtschaftswachstum veröffentlicht, wird für Japan mit einer drastischen Korrektur nach unten gerechnet. Der IWF-Missionschef für Japan, Mahmood Pradhan, sagte nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo, Japan verfüge über genügend Rücklagen, um den Wiederaufbau nach der Naturkatastrophe vom 11. März aus eigener Kraft zu finanzieren.

Allerdings gebe es aufgrund der ungeklärten Situation nach dem Unglück im Atomkraftwerk Fukushima noch erhebliche Unsicherheiten in der Beurteilung der wirtschaftlichen Tragweite der Katastrophen. Der IWF-Funktionär wies auf Schätzungen hin, wonach sich die bei dem Erdbeben und dem Tsunami entstandenen Schäden auf drei bis fünf Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts belaufen.

+++ 00.28 Uhr: Techniker standen in Wasser mit 10.000fach erhöhter Radioaktivität +++

Drei im AKW Fukushima verstrahlte Techniker standen bei ihrem Einsatz in Wasser, das nach Angaben der Betreibergesellschaft Tepco eine zehntausendfach erhöhte Radioaktivität aufwies. Die Messwerte deuten nach einer Meldung der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo auf die Möglichkeit hin, dass Kernbrennstäbe im Reaktor 3 des Atomkraftwerks beschädigt worden sind.

Die Männer hatten am Donnerstag im Tiefgeschoss eines Turbinengebäudes von Block 3 gearbeitet. Dabei hatten sie keine Schutzstiefel an, so dass ihnen das radioaktiv belastete Wasser in die Schuhe lief. Zwei der drei Arbeiter kamen mit Verbrennungen in eine Spezialklinik. An diesem Freitag sollen sie vom Krankenhaus in Fukushima in die Stadt Chiba südlich von Tokio verlegt werden, und zwar in das nationale Institut für Strahlenforschung, wie Kyodo berichtete. Hier sollen sie voraussichtlich vier Tage lang beobachtet werden.

Die Betreibergesellschaft Tepco teilte mit, bei einer Inspektion der Anlage am Mittwoch sei noch kein Wasser am Einsatzort der Techniker festgestellt worden. Auch sei die Strahlung bei diesen Messungen niedrig gewesen.

swd/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters