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Meerwasser bei Fukushima verseucht: 1250-fache Konzentration von Jod 131

Im Meerwasser nahe des japanischen AKW in Fukushima haben Experten 1250-fach erhöhte Strahlung von Jod 131 gemessen. Das stark radioaktiv belastete Wasser habe aber vergleichsweise geringe Auswirkungen auf die Umwelt. Jod 131 hat eine Halbwertszeit von acht Tagen.

Die Auswirkungen der Atomkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima 1 auf die Umwelt erweisen sich als immer gravierender. Im Meerwasser nahe des AKW wurde eine Konzentration von radioaktivem Jod 131 gemessen, die um das 1250-fache über dem zulässigen Höchstwert liegt, wie die japanische Atomsicherheitsbehörde am Samstag mitteilte. Zudem wurde an einer weiteren Stelle am Akw stark radioaktiv verseuchtes Wasser entdeckt.

Die Probe wurde laut der Atomsicherheitsbehörde vom AKW-Betreiber Tepco einige hundert Meter von der Anlage entfernt im Pazifik entnommen. Ein Sprecher der Behörde sagte, die Konzentration sei "relativ hoch". Würde ein Mensch einen halben Liter Wasser mit einer solchen Jodkonzentration trinken, dann hätte er auf einen Schlag die Menge an radioaktivem Jod zu sich genommen, die er in einem Jahr aufnehmen könne.

Die Auswirkungen auf die Umwelt seien aber vergleichsweise gering, sagte der Sprecher weiter. Das radioaktive Material werde sich im Meerwasser verteilen. Die Konzentration müsste deutlich höher sein, um von Algen oder Meerestieren aufgenommen zu werden. Zudem betrage die Halbwertszeit von Jod 131 lediglich acht Tage.

Am Dienstag hatte der Wert bei Messungen noch um das knapp 127-fache über der zulässigen Grenze gelegen. Daraufhin hatten die Behörden eine Verschärfung der Kontrollen von gefangenem Fisch und Meeresfrüchten an der Küste angeordnet. Am Donnerstag lag der Wert laut Tepco das 145-fache über dem Grenzwert.

Bei dem AKW an der Nordostküste Japans waren nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März die Kühlsysteme mehrerer Reaktoren ausgefallen. Bei mehreren Explosionen und Bränden wurden große Mengen Radioaktivität freigesetzt. Die Lage ist noch immer nicht unter Kontrolle, das Ausmaß der Katastrophe nicht absehbar. Betreiber und Behörden versuchen, die Reaktoren von außen mit Wasser zu kühlen und die Kühlsysteme wieder in Gang zu bringen. Austretende Radioaktivität behindert die Arbeiten aber immer wieder.

Wie ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde sagte, wurde inzwischen auch im Keller des Turbinengebäudes von Reaktor 1 stark radioaktiv verseuchtes Wasser entdeckt. Es sei noch unklar, woher genau das Wasser stamme. Möglicherweise sei aber Wasser aus dem Reaktorgehäuse über ein beschädigtes Rohr oder Ventil zwischen Reaktor und Turbinengebäude ausgetreten.

Am Donnerstag waren bei Arbeiten am Reaktor 3 Arbeiter hoher radioaktiver Strahlung ausgesetzt drei worden, nachdem sie durch sehr stark radioaktiv verseuchtes Wasser gelaufen waren. Auch in den Untergeschossen der Turbinengebäude der Reaktoren 2 und 4 steht bis zu einem Meter hohes Wasser. Unklar war aber zunächst, ob auch dieses Wasser radioaktiv verseucht ist.

Atom-Experten der Umweltschutzorganisation Greenpeace begannen am Samstag damit, in der Umgebung des Atomkraftwerks eigene Messungen vorzunehmen. "Wir sind nach Fukushima gekommen, um die Auswirkungen der Krise festzuhalten und unabhängige Erkenntnisse über die radioaktive Verseuchung zu ermöglichen", erklärte Greenpeace-Atomexperte Jan van de Putte. Mit den eigenen Messungen solle eine Alternative zu den häufig "widersprüchlichen" Angaben der Behörden geschaffen werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte, es müssten für die Sicherheit von Atomkraftwerken weltweit Lehren aus der aus der Atomkatastrophe in Japan gezogen werden.

mm/AFP / AFP