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Hitzewelle: Der Norden fällt trocken - in Stade kommt kein Wasser mehr aus dem Hahn

Den Landwirten verdorrt das Getreide, Wasserwerke kommen mit der Aufbereitung nicht mehr hinterher und im ganzen Nordosten herrscht höchste Waldbrandgefahr. Nach fast zwei Monaten ohne Regen geht Teilen Deutschlands das Wasser aus.

Ausgetrockneter Boden

Solche Bilder kennt man sonst nur aus Wüstengebieten: ausgetrockneter Boden in Petershagen, Brandenburg.

DPA

Erhöhte Waldbrandgefahr, Rasen sprengen untersagt, Auto waschen verboten, Ernteausfälle wegen Regenmangel. Solche Schlagwörter kennt man sonst nur aus Kalifornien oder Griechenland, doch im Frühsommer 2018 hat die Trockenheit auch Norddeutschland im Griff. Ziemlich fest sogar, in einigen Teilen gab es wochenlang schon keinen Regen mehr. Im Heidekreis und in der Nähe von zum Beispiel geht sogar schon das Trinkwasser aus - und Entspannung ist noch nicht in Sicht. Wegen eines Dauerhochs über Skandinavien kommt der erhoffte Regen nur langsam voran.

Nadelöhr sind die Wasserwerke

Die Stadtwerke im Böhmetal, südlich von Hamburg, bitten die Bürger dringend Wasser zu sparen, weil Brunnen und Aufbereitungsanlagen überlastet sind. "Grundwasser ist noch ausreichend vorhanden, das Nadelöhr sind die , die mit der schon seit mehreren Tagen extrem erhöhten Wasserabnahme nicht mehr nachkommen können", heißt es in einer Mitteilung verbunden mit der Aufforderung, auf die "Bewässerung der Grundstücke" zu verzichten. Auch Planschbecken für die Kleinen sollen möglichst leer bleiben. Immerhin ist die Situation in den letzten 36 Stunden wieder etwas besser geworden.

Während Mensch und Tier die Hitzewelle überwiegend genießen, sorgen sich die Bauern um ihre Erträge. Wegen des ausbleibenden Regens müssten Kartoffeln und Zuckerrüben bewässert werden, beim Getreide droht eine magere Ernte, nicht auszuschließen, dass die Preise etwa für Weizen steigen werden, heißt es bei der Landwirtschaftskammer in Oldenburg. Doch auch der erhoffte Niederschlag kann unter Umständen mehr schaden als nützen, so ein Sprecher der Bauernvertretung. "Starkregen sollte es eher nicht sein, worauf die Landwirte warten, ist ein klassischer Landregen", so der Sprecher im NDR. Ein für Laien überraschender Nebeneffekt des Wassermangels ist der Umstand, dass Kühe nicht mehr gemolken werden können, da die Anlagen ohne Wasser nicht anspringen.

Moorbrände bei Vechta

Durch die Trockenheit ist auch die im Nordosten durch den Deutschen Wetterdienst auf die höchste Stufe hochgesetzt worden. Die Forstämter berichten von mehreren kleineren Bränden, die täglich registriert werden. Im Landkreis Vechta musste die Feuerwehr zu Moor- und Böschungsbränden ausrücken.

Die Wetteraussichten für die kommenden Tage machen nur teilweise Hoffnung: Denn mit Temperaturen von mehr als 30 Grad sind vielerorts Hitzetage möglich, Tief "Wilma" sorgt weiter für feuchte subtropische Luft. "Dann bilden sich tagsüber immer wieder kräftige Hitzegewitter, die durch den kaum vorhandenen Höhenwind nur sehr langsam ziehen und somit lokal eng begrenzt sintflutartige Regenmengen bringen können", sagt Meteorologe Christian Herold. Lediglich im Nordosten Deutschlands bleibt es trocken. Hochsommerliche Temperaturen zwischen 27 und 31 Grad halten voraussichtlich auch noch am Wochenende an.


nik