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Hochwasser erreicht Brandenburg: Talsperre Spremberg soll Cottbus vor den Fluten schützen

Glück im Unglück: Wegen Bauarbeiten war die Talsperre Spremberg kaum gefüllt und kann nun große Mengen des Spree-Hochwassers zurückhalten.

Die Scheitelwelle des Neiße-Hochwassers rollt weiter Richtung Norden. Angespannt war die Lage am Dienstagmorgen vor allem im brandenburgischen Guben, wo das Wasser am Morgen auf 6,25 Meter stieg. Einzelne Straßen wurden überschwemmt, Keller liefen voll Wasser. Flussaufwärts in Forst und Klein Bademeusel sank der Pegel dagegen etwas. In Spremberg ging das Wasser der ebenfalls über die Ufer getretenen Spree leicht zurück.

Am Morgen öffneten Helfer den Abfluss der Talsperre Spremberg nördlich der Stadt, die wegen Bauarbeiten kaum gefüllt war und deshalb große Mengen des Spree-Hochwassers zurückhalten konnte. Das Landesumweltamt plant, die Wassermengen in den folgenden Tagen dosiert in Richtung Spreewald abzugeben, um den Pegel besser kontrollieren zu können. Auf diese Weise hoffen die Experten unter anderem, die Überflutung der 25 Kilometer nördlich gelegenen Stadt Cottbus verhindern zu können.

An der südlichen Brandenburger Neiße, wo am Montagabend etwa 100 Menschen aus drei Dörfern evakuiert worden waren, entspannte sich die Lage leicht. Nach Angaben des Brandenburger Ministerpräsidenten Matthias Platzeck wird erwogen, dort die Bewohner in ihre Häuser zurück zu lassen. Die höchste Alarmstufe IV wurde aufgehoben. Platzeck verwies aber darauf, dass der Druck auf die an Neiße und Spree sehr alten Deiche weiter hoch sei. Deshalb bleibe die Situation kritisch. Vermutlich werde die Flut aber nicht so große Schäden wie in Sachsen anrichten.

Große Hilfsbereitschaft für Flutopfer

Bundesinnenminister Thomas de Maizière stellte im ZDF-Morgenmagazin auch finanzielle Hilfe des Bundes zur Beseiigung der Hochwasserschäden in Aussicht. Er verwies darauf, dass die sächsische Landesregierung bereits ein Sofortprogramm auf den Weg gebracht habe. Mit Ministerpräsident Stanislaw Tillich sei vereinbart worden, dass es dann eine Bilanz gebe. Dabei sei zu prüfen, wer von den Flutopfern versichert gewesen sei und wer nicht. Nach der Hochwasserkatastrophe von 2002 seien alle angehalten worden, eine Versicherung abzuschließen. Etwas anderes sei es indessen, wenn dies die Versicherung abgelehnt habe. "Aber wir werden über Geld sprechen", fügte de Maizière hinzu.

Der Minister sprach von bewegenden Bildern, die er am Vortag in Sachsen gesehen habe, etwa von dem großen Unternehmen, das die Spree mit ihren Wassermassen weggespült habe oder die Schäden am Welterbe in Bad Muskau. Bewegend sei aber auch das Ausmaß der Hilfsbereitschaft. De Maizière äußerte daher einen "ganz großen Dank" vor allem an die freiwillige und Berufsfeuerwehr.

Sven Kästner, APN / APN