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Hurrikan: "Ivan" wütet auf Jamaica

Mit extremen Windgeschwindigkeiten und heftigen Regenfällen hat der Hurrikan "Ivan" die Karibikinsel Jamaika heimgesucht. Plünderer zogen durch die Hauptstadt Kingston.

Mit Windgeschwindigkeiten von 250 Kilometer pro Stunde, meterhohen Wellen und heftigen Regenfällen hat der Hurrikan "Ivan" die Karibikinsel Jamaika heimgesucht. Viele Küstenbereiche standen am Freitagabend (Ortszeit) unter Wasser, während Bäume und Strommasten unter der Wucht des Sturms umknickten. Viele Überlandstraßen wurden durch Regenfluten unpassierbar. Angaben über Tote oder Verletzte gab es zunächst nicht.

Bevor "Ivan" die Insel erreichte, nahm er fast auf die höchste Hurrikan-Stufe Fünf an Stärke zu. Das Auge des Sturms lag am späten Abend nach Angaben des US-Hurrikan-Zentrums in Miami (Florida) 55 Kilometer südlich von Kingston. Winde in Hurrikan-Stärke wurden in einem Radius von 95 Kilometern registriert. Frühestens Sonntagnacht dürfte der Hurrikan den Vorhersagen zufolge auf Kuba treffen und ab Montag über die Küste Floridas ziehen. Auch Haiti, einer der ärmsten Staaten der Welt, bereitet sich ebenso wie die benachbarte Dominikanische Republik und die Cayman Inseln auf eine Begegnung mit "Ivan" vor.

Notstand ausgerufen

Jamaikas Premierminister Percival J. Patterson hatte am Freitag den Notstand ausgerufen, der der Regierung Zwangsmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ordnung erleichtert. Trotzdem wurden am Abend in Kingston schon Plünderer gesichtet, wie ein Reporter des US-Nachrichtensenders CNN meldete. Angeblich habe es vereinzelt Schießereien gegeben. Die Polizei konnte das jedoch nicht bestätigen. Zahllose Jamaikaner hatten sich aus Angst vor Plünderern geweigert, Evakuierungsbefehlen Folge zu leisten. Sie zogen es vor, in ihren Häusern auszuharren.

Einige von ihnen gaben einem Bericht der Zeitung "Jamaica Gleaner" zufolge an, während des Hurrikans "Gilbert" 1988 hätten Plünderer sie um ihr ganzes Hab und Gut gebracht. Diejenigen, die den Evakuierungsbefehlen folgten, brachten sich vor allem in Kirchen und Schulen in Sicherheit.

Nach Angaben der Zeitung waren am Donnerstag mehrere tausende ausländische Touristen aus Jamaika ausgeflogen worden. Sie wurden in die Dominikanische Republik oder in die USA gebracht.

Schon 30 Tote

"Ivan" hat auf seinem Weg durch die Karibik bereits mehr als 30 Menschen in den Tod gerissen. Am schwersten betroffen war bisher die Insel Grenada, wo vermutlich mehr als 24 Menschen umkamen und 90 Prozent der Häuser in der Hauptstadt St. George’s zerstört oder beschädigt wurden. In Kuba, wo erst im August der Hurrikan "Charley" tausende Wohnungen zerstört und Sachschäden in Höhe von einer Milliarde US-Dollar angerichtet hatte, liefen am Freitag die Vorbereitungen auf "Ivan" auf Hochtouren. Im US-Bundesstaat Florida mussten die Bewohner der Keys, einer Inselkette vor der Südküste, auf dem Festland Schutz suchen. Gouverneur Jeb Bush gab im Fernsehen Tipps, wo man sich am besten vor dem Hurrikan in Sicherheit bringen könnte.