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Katastrophe nach Vulkanausbruch: Indonesien: Tsunami tötet mindestens 222 Menschen - noch keine Hinweise auf deutsche Opfer

Nach einem Vulkanausbruch hat ein Tsunami eine Küstenregion in Indonesien überflutet. Die Behörden gehen bislang von mindestens 168 Toten aus. Laut Auswärtigem Amt gibt es bislang keine Hinweise auf deutsche Opfer.

Nach einem Vulkanausbruch vor der Küste Indonesiens sind bei einer Tsunami-Katastrophe mindestens 222 Menschen getötet worden. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass unter den Toten Deutsche seien, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Sonntag auf Twitter mit. Die Flutwellen hatten am Samstagabend (Ortszeit) Küstenstriche zu beiden Seiten der als Sundastraße bekannten Meerenge zwischen den Inseln Sumatra und Java getroffen. Mindestens 843 Menschen seien verletzt worden, als die Flutwellen ohne Vorwarnung über Küstenregionen und Touristenstrände an der Straße von Sunda zwischen den Inseln Sumatra und Java hereinbrachen, teilte die Katastrophenschutzbehörde am Sonntag in Jakarta mit. Knapp 30 Menschen würden noch vermisst. Rettungskräfte durchkämmten Schuttberge nach Überlebenden.

 

Hunderte Gebäude wurden den Angaben zufolge zerstört. Die Flutwellen trafen im Süden Sumatras und im Westen Javas am späten Samstagabend (Ortszeit) an Land, ohne dass die Menschen dort vorab gewarnt worden wären, wie ein Behördensprecher sagte. Die Katastrophenschutzbehörde postete Videoaufnahmen im Internet; sie zeigen Menschen, die in Panik auf höher gelegenes Gelände fliehen.

Eine Gruppe Männer steht vor etwa zwölf knallgelben Leichensäcken, in denen Todesopfer des Tsunamis liegen

Am Carita Beach auf Java liegen einige der bereits gefundenen Opfer des Tsunamis in Leichensäcken

AFP

Kanzlerin Merkel kondoliert

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Betroffenen der Tsunami-Katastrophe in Indonesien ihr Beileid ausgesprochen. "Die Nachrichten und Bilder aus Indonesien sind bestürzend. Wir trauern mit den Familien der Opfer - und hoffen, dass nun viele Menschen gerettet werden können", schrieb die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Sonntag im Namen der Kanzlerin auf Twitter. Merkel drücke Präsident Joko Widodo "das tief empfundene Beileid der Deutschen" aus.

Fernsehsender zeigten Bilder einer Welle, die eine ineinander verkeilte Masse von Metalldächern, Holz, Schutt und sonstigem Treibgut vom beliebten Carita Strand ins Hinterland drückte. Andernorts entwurzelte der Tsunami Bäume und hinterließ eine Spur aus Trümmern. Ein dramatisches, in den sozialen Medien veröffentlichtes Video zeigte eine Wasserwand, die in ein Konzert der Popband Seventeen hereinkracht, die Band von der Bühne schleudert und sich ins Publikum ergießt.

Ausgelöst wurden die Wellen möglicherweise durch einen unterseeischen Erdrutsch nach einer Vulkaneruption auf der kleinen Insel Anak Krakatoa zwischen Java und Sumatra. Der Fluteffekt könnte durch den Neumond noch verstärkt worden sein, vermuteten die Behörden.

"Diese Kombination könnte einen plötzlichen Tsunami ausgelöst haben", sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Purwo Nugroho. Die genauen Ursachen müssten aber noch bestätigt werden. Die Zahl der Todesopfer werde vermutlich noch steigen, fügte er hinzu.

Letzter Tsunami im September

Der Inselstaat Indonesien wird immer wieder von katastrophalen Tsunami-Flutwellen heimgesucht. Diese entstehen in der Regel durch Erdbeben unter dem Meeresboden. Dass sie durch Vulkanausbrüche und Erdrutsche ausgelöst werden, ist eher selten.

Bei einem schweren Beben und einem anschließenden Tsunami kamen erst Ende September auf der indonesischen Insel Sulawesi mehr als 2000 Menschen um.

Besonders verheerend war der Tsunami vom Dezember 2004: Damals starben in den Anrainerstaaten um den Indischen Ozean rund 220.000 Menschen, allein 168.000 davon in Indonesien. Ausgelöst worden war diese Katastrophe durch ein Seebeben der Stärke 9,1 vor der Küste von Sumatra.

Der aktuelle Tsunami ging von der Vulkaninsel Anak Krakatoa aus, die erst im Jahr 1883 durch eine verheerende Vulkaneruption entstanden war. Bei dem Ausbruch starben damals 36.000 Menschen, eine 20 Kilometer hohe Aschewolke verdunkelte die gesamte Region.

La Gran Ola
tkr / AFP