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Nach 2030 Forscher sagen für Kalifornien Ende der Waldbrände voraus – weil es nicht mehr genug Bäume geben wird

Verheerende Zerstörungen durch Waldbrände im Norden Kaliforniens
Gehören sie bald der Vergangenheit an? Verheerende Zerstörungen durch Feuer in den trockenen Bergwäldern im Norden Kaliforniens.
© Josh Edelson / AFP
Ein Ende der verheerenden Waldbrände in Kalifornien ist Wissenschaftlern zufolge absehbar. Nach 2030 werde es schlicht nicht mehr genügend Bäume als Brennstoff geben, heißt es in einer Studie. Noch aber kann man etwas dagegen tun.

Die alljährliche Feuersaison in Kalifornien wurde zuletzt immer schlimmer, die Schäden immer größer. Laut einer Studie, die vergangene Woche in der Zeitschrift "Ecosphere" veröffentlicht wurde, ist aber ein Ende dieser zerstörerischen Waldbrände in nicht allzu ferner Zukunft abzusehen. Nach 2030 dürften sie weitgehend der Vergangenheit angehören, glauben Wissenschaftler:innen der Universitäten von Washington und Kalifornien.

Das ist allerdings nur vordergründig eine gute Nachricht. Denn laut den Prognosen wird der Grund für das Abflauen der Großfeuer sein, dass es dann schlicht und einfach nicht mehr genug "Futter" für die Flammen geben wird. Die durch steigende Temperaturen und anhaltende Dürren intensivierten Brände werden demnach bis zum Beginn des kommenden Jahrzehnts die Landschaft in der Sierra Nevada Kaliforniens so dramatisch verändert haben, dass die typischen Bergwälder weitgehend verschwunden sein werden. Bis dahin werden die Feuer noch an Intensität zulegen, sagen die Forscher:innen. Das letzte Wort sei allerdings noch nicht gesprochen.

Großbrände in Kalifornien nach 2030 ohne "Treibstoff"

Untersucht wurden die Bedingungen entlang der Big-Creek-Wasserscheide in der Sierra Nevada in der Nähe der Stadt Fresno. Dort war im vergangenen Jahr einer der großen Brände der katastrophalen Feuersaison 2020 ausgebrochen, der rund 78.000 Hektar Fläche inklusive von Teilen einer Stadt vernichtet hatte. Die Forscher:innen aus Tacoma (Washington) und Santa Barbara (Kalifornien) wollten nun wissen, ob künftig andauernd mit solch massiven Feuern zu rechnen sei und ob man etwas dagegen unternehmen könne. Ausgehend von den Entwicklungen in der jüngeren Vergangenheit erstellten sie eine Simulation, die zeigt, wie sich die Waldbrände in den kommenden Jahren entwickeln werden.

Den Erkenntnissen zufolge würde die Big-Creek-Region, sollte nichts unternommen werden, im kommenden Jahrzehnt bei immer wiederkehrenden, intensiven Bränden in Flammen aufgehen bis zu einem Punkt, an dem die Landschaft nicht mehr genügend Brennstoff für die Großbrände liefere. Hinzu komme, dass der Klimawandel, so Maureen Kennedy, Hauptautorin der Studie von der Universität in Tacoma, die Wälder durch größere Hitze und Trockenheit weniger produktiv mache, so dass auch auf diesem Weg die Vegetation abnehme und mit der Zeit weniger "Treibstoff" für die Feuer zur Verfügung stehe. Statt durch Wälder werde die Region dann durch Büsche und Sträucher geprägt oder sie versteppe.

Rückbesinnung auf traditionelle Brandbekämpfung

Dass es so kommt, sei aber noch nicht in Stein gemeißelt, so die Forschergruppe. Die alljährlichen Großbrände gehören bekanntermaßen zum Ökosystem der ausgedehnten Wälder Kaliforniens. Manche Baumarten haben sich sogar so angepasst, dass sie die Feuer und ihre Auswirkungen für die eigene Fortpflanzung benötigen. Dies gelte es bei der Brandbekämpfung zu nutzen – gerade, wenn man sich den Auswirkungen der Erderwärmung anpassen wolle. In trockenen Wäldern, so Kennedy, "ist der beste Weg mit unserem Feuerproblem umzugehen, Feuer selbst." Die indigene Bevölkerung Kaliforniens mache dies Jahr für Jahr vor. "Es gibt die Theorie, dass wenn man die Brände stets löscht, eine homogene Landschaft mit weniger Variabilität zurückbleibt; große Flächen voller toter Bäume entstehen." Der reinste Zunder für Feuerstürme, so Kennedy, gegen die historische, verschiedenartige Landschaften mit Misch-Wäldern besser gewappnet gewesen seien. 

Für die Wissenschaftlerin ergibt sich daraus, dass auch die aktuellen Methoden der Brandbekämpfung – gepaart mit den Folgen des Klimawandels – Teil des Problems sein können und hinterfragt werden müssten. Kennedy hat einen klaren Rat für die Brandbekämpfer: Kleinere Bäume und Sträucher müssten gefällt werden, gefolgt von einem kontrollierten, reinigenden Feuer, dass die Baumreste entferne. Auf diese Weise könne ein weniger dicht bewaldete Landschaft entstehen, die es trotz des Klimawandels möglich mache, die Wälder insgesamt in ihrem Bestand zu retten, ist die Forscherin überzeugt.

Quellen: "Ecosphere"-Journal; University of Washington, EurekAlert!

dho

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