VG-Wort Pixel

Love-Scamming "Schatz, ich brauche Geld": Polizei in Mallorca schnappt Bande von Online-Liebesschwindlern

Beim "Love-Scamming" bittet die angebliche große Liebe ihr Opfer um Geld
Beim "Love-Scamming" gehen Betrüger sehr geschickt vor. Sie umgarnen ihr Opfer, bis es sich verliebt hat und bitten dann um Geld. Oft geht es um hohe Summen.
© Panthermedia / Imago Images
Love-Scamming ist eine weit verbreitete Betrugsmasche. Die Opfer verlieben sich und schicken dem vermeintlichen Traumpartner Geld. Auf Mallorca wurde jetzt eine kriminelle Bande geschnappt.

Wer online auf Partnersuche geht, kann auch auf Betrüger stoßen. Nachrichtenseiten sind voll von Berichten über Menschen, die glaubten, die große Liebe gefunden zu haben – die jedoch in Wirklichkeit einfach nur um viel Geld betrogen wurden. Oft kann die Polizei vor Ort nichts tun, die Täter oder Täterinnen sitzen meist im Ausland.

Im Falle einer Bande auf Mallorca waren die Ermittler jedoch erfolgreich. Die betrügerischen Herzensbrecher hatten über das Internet von der spanischen Ferieninsel aus Frauen in ganz Europa hereingelegt und um mehr als eine Million Euro erleichtert. Dabei zogen die Liebesschwindler alle Register, sogar ein Schauspieler wurde für gefälschte Videochats eingespannt, wie die spanische Polizei auf der Baleareninsel jetzt mitteilte.

Love-Scamming läuft oftmals über eine sehr lange Zeit

Der Darsteller gaukelte den gutgläubigen und vielleicht auch etwas vereinsamten Opfern über Jahre vor, sie hätten es mit einem US-Soldaten im Einsatz in fernen Ländern zu tun, der sich unsterblich in sie verliebt habe. Irgendwann kam dann immer der erste Hilferuf, nur eine schnelle Banküberweisung konnte den angeblichen "Geliebten" vor behauptetem Unbill bewahren.

Am schlimmsten traf es wohl eine Spanierin aus Alicante, die ihrem Internet-Schatz über die Jahre insgesamt 830.000 Euro überwies. Zum Schluss nahm sie sogar Kredite auf. Die Betrüger erfanden jede Menge Vorwände, um der Frau Geld abzuluchsen. Mal musste der "Soldat" überraschend irgendwelche Gebühren bezahlen, eilige Zertifikate finanzieren, Flugtickets kaufen, eine Lebensversicherung abschließen, Bestechungsgeld zahlen – der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt.

Auch Frauen aus Deutschland sowie Italien, Spanien, Finnland, Luxemburg, Polen, Litauen, Rumänien, Kroatien und der Slowakei gingen den Liebesbetrügern auf den Leim, insgesamt mindestens 20 Opfer. Woher die Betroffenen in Deutschland kommen, konnte die Polizei zunächst nicht mitteilen. Auch nicht, ob sie ähnlich viel Geld verloren, wie die Spanierin.

Eine Frau verlor ihre gesamten Ersparnisse an die Betrüger

Die Frau aus Alicante habe ihre gesamten Ersparnisse verloren, sogar noch Kredite aufgenommen, um weiter Geld schicken zu können, berichtete die Polizei, die durch diesen Fall auf die Bande aufmerksam wurde. Insgesamt 75 Überweisungen habe die verzweifelte Frau getätigt, meist auf Konten in Malaysia, Indonesien und Spanien. Einmal habe sie in ihrer Not sogar ein Bündel Bargeld mit einem Kurierdienst verschickt. Die Polizei habe Monate gebraucht, um herauszubekommen, was mit dem Geld der Frau passierte.

Die Bande hat den Angaben zufolge ein kriminelles Netzwerk aufgebaut, das aus sogenannten Maultieren – aus Helfern – bestand, die Bankkonten eröffneten, auf die dann Geld aus dem Internetbetrug geschleust wurde, bis sich ihre Spur verlor. Das ergaunerte Geld sei teils auch in Bitcoins angelegt worden.

Nach Angaben der Polizei wurden nun in Spanien insgesamt 16 Personen im Alter zwischen 19 und 31 Jahren unter anderem aus Spanien, Rumänien, Mexiko und Kuba sowie anderen Ländern Lateinamerikas festgenommen, davon 15 allein auf Mallorca.

Unter den Festgenommenen sei auch der mutmaßliche Bandenchef, ein 27 Jahre alter Mann aus Nigeria. Ihnen werde Betrug, Urkundenfälschung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt, hieß es. Die Polizei sprach von "einer der größten Operationen im Kampf gegen die Internetkriminalität in der Europäischen Union".

Tipps der Polizei: So erkennt man Love-Scammer

Online-Liebesbetrüger suchen sich auch in Deutschland immer wieder ihre Opfer. Die Polizei Hamburg gibt auf dieser Seite Tipps, wie man Love-Scammer erkennt und mahnt eindringlich, keine persönlichen Daten oder Bankverbindungen an Menschen zu senden, die man nicht kennt. Auf Geldforderungen sollte man keinesfalls eingehen.

Quellen: dpa, Polizei Hamburg

Smishing-Betrug: Gefährliche SMS

Sehen Sie in diesem Video: Als Gunnar Prielmeier auf einen Link klickt, die ein Unbekannter ihm via SMS schickt, denkt er zunächst an nichts Böses. Dann erhält er eine Rechnung über 500 Euro – und die Ausgaben reißen nicht ab. Er ist Opfer von "Smishing" geworden.

anb DPA

Mehr zum Thema

Newsticker