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Sterbehilfe: Tragische Verwechslung im Krankenhaus: Frau lässt beim falschen Mann Geräte abschalten

Eine Frau lässt im festen Glauben, dass ihr Bruder hirntot im Krankenbett liegt, die Geräte abschalten. Doch es lag eine Verwechslung vor. Tatsächlich war ihr Bruder im Gefängnis. Im Hospital starb ein Fremder.

Krankenschwester vor medizinischem Gerät

Intensivstation im Krankenhaus (Symbolbild)

Getty Images

Neun Tage lang harrte Shirell Powell am Krankenhaus-Bett ihres Bruders aus. Dann traf sie schweren Herzens eine Entscheidung: Sie wies die Ärzte an, die Geräte, die den Mann am Leben erhielten, abzuschalten. Es bestand keinerlei Hoffnung mehr, dass er sich je von seinem schweren Hirnschäden erholen würde. Der Drogenmissbrauch hatte seinen Tribut gefordert. 

Doch wenige Wochen später, als sie mit ihrer Schwester die Beerdigung plante, kam ein Anruf aus der Autopsie der Stadt New York. Es lege eine Verwechslung vor. Der Mann, der da im Krankenbett verstorben war, hieße Freddy Clarence Williams. Shirell Powell Bruder jedoch, Frederick Williams, sitze in Untersuchungshaft im New Yorker Gefängnis Rikers Island. "Ich wurde fast ohnmächtig, weil ich jemanden getötet habe, den ich noch nicht einmal kannte. Ich gab meine Zustimmung", erzählte sie der US-Zeitung "New York Post".

Schwellungen hat Gesicht entstellt

Das Drama spielte sich bereits Mitte Juli des vergangenen Jahres ab. Am 15. des Monats wurde der nun verstorbene Freddy Clarence Williams mit einer Drogen-Überdosis ins St. Barnabas Hospital eingeliefert. Obwohl sein richtiger Name unter seiner Sozialversicherungsnummer vermerkt war, hatte das Personal nicht dessen Verwandten angerufen, sondern Shirell Powell. Deren Bruder war wie der Patient ein Afro-Amerikaner, um die 40 Jahre alt. Auch er hatte das Hospital vor einiger Zeit besucht, und die Telefon-Nummer seiner Schwester hinterlegt.

Shirell Powell also eilte ins Krankenhaus zu ihrem angeblichen Bruder. "Er hatte Schläuche im Mund und eine Nackenstütze", sagte sie der "New York Post". Sein Gesicht sei angeschwollen gewesen, doch sie habe ihren kleinen Bruder erkannt. Zu diesem Zeitpunkt konnte Williams nicht mehr sprechen. Nur zwei Tage später erklärten ihn die Ärzte für hirntot.

Powells herbeigeeilte Schwester hatte zunächst Zweifel, ob da tatsächlich ihr Bruder lag. Doch auch sie ließ sich davon überzeugen, die Schwellungen im Gesicht hätten seine Erscheinung verändert. Selbst die Töchter von Frederick Williams wollten in dem Patienten ihren Vater erkennen. Am 29. Juli beschloss die Familie dann die Geräte abschalten zu lassen.

Auf das Krankenhaus kommt eine Klage zu

Nachdem sich die Autopsie bei Powell gemeldet hatte, erfuhr sie Wochen später, dass ihr Bruder seit dem 1. Juli auf Rikers Island einsitzt. Sie kam zu seiner Anhörung, um ganz sicherzugehen, dass Frederick Williams wirklich lebe, sagte sie dem Nachrichtenportal "The Daily Wire". Auch ein Telefongespräch habe sie mit ihm führen können. Er sei zunächst nicht darüber erfreut gewesen, dass seine Schwester im Zweifelsfall bei ihm die Geräte abschalten lassen würde.  

Powell hat das St. Barnabas Hospital mittlerweile verklagt. Gegenüber dem Sender CNN sagte ihr Anwalt, das Krankenhaus habe sich bisher für die Verwechslung und Schludrigkeiten nicht entschuldigen wollen. Eine Untersuchung der Vorgänge habe die Leitung abgelehnt. Seine Klientin sei in psychologischer Behandlung. Der "New York Post" sagte sie, dass sie kaum noch schlafen könne. Noch immer ist völlig unklar, wer der Tote ist. Laut CNN haben sich weder Verwandte noch nahe Freunde gemeldet. Das Hospital selbst will keine Angaben zu dem Mann machen.

Was passiert mit uns, wenn wir sterben?
sos