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Paris Vierstündige Rettungsaktion: Einsatzkräfte ziehen verirrten Belugawal aus der Seine

Paris: Belugawal aus der Seine gerettet
Retter haben den verirrten Belugawal bei Notre Dame de la-Garenne aus der Seine
© Jean-Francois Monier / AFP / DPA
Dutzenden Rettungskräften ist es gelungen, den verirrten Belugawal aus der Seine zu heben. Unklar ist, ob das Tier noch gesund ist. Sein Appetitmangel spricht schon mal dagegen.

Nach vier Stunden war es schließlich geschafft: In einer dramatischen Rettungsaktion haben französische Einsatzkräfte den in der Seine verirrten Belugawal aus dem Wasser gezogen. Der vier Meter lange und etwa 800 Kilogramm schwere Meeressäuger wurde in der Nacht auf Mittwoch in einem Netz mit Hilfe eines Krans aus der Schleuse der nordfranzösischen Gemeinde Saint-Pierre-la-Garenne gehoben, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichteten. 24 Taucher von Polizei und Feuerwehr waren an der Aktion beteiligt.

Der Plan war aber alles andere als einfach. Ein großes Problem sei, dass das Ufer der Seine an der Schleuse nicht für Fahrzeuge zugänglich sei, sagte die Expertin Isabelle Brasseur vom Zoo Marineland im südfranzösischen Antibes, die am Montagabend in Saint-Pierre-la-Garenne eingetroffen war, um die Rettungsaktion vorzubereiten. Daher müsse alles "von Hand" gemacht werden.

Nachdem der Belugawal aus dem Wasser gezogen worden war, kümmerte sich eine Reihe von Tierärzten um das Tier. Das Tier soll in einem nächsten Schritt mit einem Lastwagen zu einem Meerwasserbecken gebracht werden. Die aufwendige Rettungsaktion mit dutzenden Einsatzkräften hatte am Dienstagabend kurz vor 22.00 Uhr begonnen.

Große Spendenbereitschaft in Frankreich

Der Belugawal war am Dienstag vergangener Woche erstmals in der Seine gesichtet worden und saß seit Freitag in einer Schleuse in Saint-Pierre-La-Garenne rund 70 Kilometer vor Paris fest – 130 Kilometer von der Seine-Mündung am Ärmelkanal entfernt. In dem warmen Süßwasser kann das Tier nach Angaben von Experten nicht lange überleben. Normalerweise leben Belugawale in arktischen Gewässern vor den Küsten Russlands, Alaskas und Kanadas.

Tierschützer entwickelten daher die Idee, den Meeressäuger aus dem Fluss zu ziehen und in ein Meerwasserbecken zu transportieren, um ihn aufzupäppeln und dann im Meer freizulassen. Das Interesse und die Spendenbereitschaft in Frankreich sind riesig. Unter anderem die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd hat Spenden für die Rettungsaktion gesammelt.

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Belugawal möglicherweise krank

In den vergangenen Tagen waren mehrere Versuche, das abgemagerte und geschwächte Tier zu füttern, erfolglos geblieben. Sein Appetitmangel könnte nach Einschätzung von Experten ein Anzeichen für eine Krankheit sein. Die Rettungsaktion sei kein "Selbstläufer", sie könne bei dem Wal Stress auslösen, der zum Tode führen könne, warnte die Generalsekretärin der Präfektur des Departements Eure, Isabelle Dorliat-Pouzet, im Vorfeld.

Es ist Experten zufolge erst das zweite Mal, dass sich ein Belugawal nach Frankreich verirrt hat. Beim ersten Mal hatte ein Fischer im Jahr 1948 in der Loire-Mündung einen Wal in seinen Netzen entdeckt.

cl AFP

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