VG-Wort Pixel

Prozess Jury lehnt Todesstrafe für Parkland-Amokläufer ab – Ärger bei Hinterbliebenen und Überlebenden

Parkland-Amokläufer Nikolas Cruz
Parkland-Amokläufer Nikolas Cruz mit seiner Verteidigerin
© Amy Beth Bennett / AFP
Im Prozess gegen Nikolas Cruz, den Amokläufer von Parkland, konnte sich die Jury nicht auf die Todesstrafe einigen. Viele Hinterbliebene und Überlebende drückten in ihren Statements am Ende des Prozesses ihren Ärger darüber aus – und wandten sich direkt an den Täter.

Am frühen Nachmittag des 14. Februar 2018 betrat Nikolas Cruz das Gebäude seiner ehemaligen Schule, der Marjory Stoneman Douglas Highschool in Parkland im US-Bundesstaat Florida. Der 19-Jährige war mit einem halbautomatischen AR-15-Gewehr bewaffnet und eröffnete das Feuer auf Schüler:innen und Lehrer:innen. Er tötete 14 Kinder und drei Erwachsene. Zudem wurden 15 weitere Menschen schwer verletzt.

Kurz darauf wurde Cruz festgenommen und gestand die Tat. Im Prozess gegen ihn kam die Jury schlussendlich zu der Empfehlung, nicht die Todesstrafe gegen ihn zu verhängen. Stattdessen sprachen sich die Geschworenen für eine lebenslange Gefängnisstrafe aus. Die Verkündung des endgültigen Strafmaßes durch das Gericht steht noch aus. Nach dem Statement der Jury bekamen Angehörige der Opfer und Überlebende des Amoklaufs Gelegenheit, selbst einige Worte an den Schützen zu richten.

Parkland-Amoklauf: "Dies hätte zu 100 Prozent die Todesstrafe sein sollen"

Dabei kam es zu emotionalen Szenen im Gerichtssaal. Einige Angehörige reagierten wütend und enttäuscht auf den Beschluss der Geschworenen. David Robinovitz, Großvater einer 14-jährigen erschossenen Schülerin, sprach den Täter nur als "Parkland-Mörder" an und sagte laut CNN, Cruz habe "für jetzt gewonnen", aber werde eines Tages sterben: "Dann, Parkland-Mörder, ist es meine Hoffnung, dass du irgendwohin gehst, wo du deinem Schöpfer gegenüber stehst. Und ich hoffe, er schickt dich direkt in die Hölle, wo du für alle Ewigkeit brennen wirst." Die Mutter eines Opfers sagte: "Dies hätte zu 100 Prozent die Todesstrafe sein sollen." Ihr Mann erklärte: "Unser Justizsystem widert mich an. Die Geschworenen widern mich an."

Die Überlebende Samantha Mayor erklärte in einem schriftlichen Statement, das von ihren Eltern vorgelesen wurde, ihrer Meinung sei "der Gerechtigkeit nicht Genüge getan" worden: "Entgegen aller Wahrscheinlichkeit habe ich doch die Angst, dass er eines Tages freikommen könnte." Auch der Bruder eines Todesopfers forderte mit klaren Worten die Todesstrafe für den Amokläufer: "Er sollte nicht leben, während meine Schwester in ihrem Grab liegt." 

Drei Geschworenene lehnten Todesstrafe ab

Die Eltern eines überlebenden Schülers berichteten, dass ihr Sohn nach drei Schusswunden lange kämpfen musste, um zurück ins Leben zu finden. "Er ist immer noch begrenzt in dem, was er tun kann und was nicht. Du wirst nie den Schmerz verstehen, den er erlebt hat", wandte sich die Mutter des Jungen direkt an den heute 24-jährigen Nikolas Cruz. "Sein Leben und das unserer gesamten Familie hat sich für immer verändert."

Cruz hatte sich des Mordes und des versuchten Mordes in jeweils 17 Fällen für schuldig bekannt. Bei seiner Anhörung sagte er, es tue ihm leid, was er getan habe. Die Staatsanwaltschaft hatte die Todesstrafe für ihn gefordert, während seine Verteidigung aufgrund der psychischen Probleme des Täters dagegen argumentierte. Cruz sei mit Hirnschäden auf die Welt gekommen, weil seine alkoholkranke Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken und Drogen konsumiert habe. Die Jury kam letztlich nicht zu einem einstimmigen Urteil, das für die Todesstrafe nötig gewesen wäre. Drei der zwölf Geschworenen stimmten nicht zu – zum Ärger vieler Überlebender und Hinterbliebenen.

Quellen: CNN / CBS News

epp

Newsticker