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Schulmassaker in Florida: Polizist griff bei Amoklauf nicht ein - Politiker fordern Kopf des Sheriffs

Der örtliche Polizeichef gerät nach dem Amoklauf in Florida zunehmend unter Druck. Politiker werfen ihm Inkompetenz vor und fordern seinen Rücktritt oder seine Entlassung. Sheriff Scott Israel wehrt sich gegen die Kritik.

Nach dem Amoklauf an einer Schule in Florida am Valentinstag gerät der örtliche Sheriff, Scott Israel, zunehmend unter Druck. Vergangene Woche war bereits bekannt geworden, dass einer seiner Mitarbeiter, ein bewaffneter Hilfspolizist, während der Attacke auf dem Schulgelände war und nicht eingegriffen hatte. Wie CNN berichtet, sollen auch drei weitere Polizisten aus Broward County, in dem die Schule liegt, frühzeitig vor Ort gewesen sein - aber nicht ins Gebäude gegangen seien. Der Sender beruft sich auf anonyme Beamte aus dem Nachbarrevier, die später ebenfalls an die Schule gerufen worden. 

Diese Anschuldigung wies Sheriff Israel gegenüber US-Medien vehement zurück. Er beharrte darauf, dass lediglich der eine bewaffnete Beamte frühzeitig vor Ort war. Der Hilfspolizist war zunächst suspendiert worden und ist inzwischen zurückgetreten. Sheriff Israel hatte sich erschüttert über dessen Verhalten gezeigt. Der Beamte hätte "reingehen und den Todesschützen konfrontieren, den Todesschützen töten" sollen.

Florida: Viele Vorwürfe gegen die Polizei

Der örtlichen Polizei werden noch weitere Vorwürfe gemacht. So sollen vor der Tat mehrere Hinweise auf den Täter eingegangen sein. Darunter ein Notruf, dass der Amokläufer Nikolas Cruz auf jemanden mit einer Waffe gezielt habe und mindestens vier Hinweise, er könnte ein Schulmassaker planen. Das berichtet der "Chicago Tribune". Insgesamt 23 Anrufe wegen Cruz habe es in den vergangenen zehn Jahren bei der Polizei gegeben. Das FBI hatte bereits zugegeben einen Hinweis aus dem Januar nicht untersucht zu haben, wonach Cruz einen Amoklauf an einer Schule planen könnte. 

Mehrere Regionalpolitiker aus Florida forderten am Wochenende, der Gouverneur solle den Sheriff Israel seines Amtes entheben. Dieser habe sich "inkompetent" verhalten und "seine Pflichten vernachlässigt", hieß es in einem Brief vom Sprecher des Parlaments in Florida. "Sheriff Israel hat es nicht geschafft, eine Atmosphäre der Obacht, Wachsam- und Gründlichkeit bei seinen Mitarbeitern aufrecht zu halten". Wegen seiner Fehler seien "Schüler und Lehrer gestorben". Das Büro des Gouverneurs will die Polizeiarbeit rund um den Amoklauf einer Prüfung unterziehen.

Sheriff Scott Israel: "Amazing leadership"

Sheriff Israel wehrt sich derweil gegen die Kritik. Er sagte CNN, er werde "natürlich nicht zurücktreten". Den Brief nannte der Sheriff "eine Schande" und "politisch motiviert". Seine Polizeistation werde mit den Behörden kooperieren, aber er sei sich keiner Schuld bewusst. Man solle ihn nicht am Versagen eines Hilfspolizisten messen, der nichts gegen einen Amoklauf macht. Sheriff Israel betonte, er habe stets "hervorragende Führung" (engl. amazing leadership) gezeigt. Israel war erst 2016 wiedergewählt worden. In den USA ist es nicht unüblich, dass örtliche Polizeichefs direkt gewählt werden. Seine aktuelle Amtszeit dauert noch bis zum Jahr 2020.

fin / fin