VG-Wort Pixel

Rassismus in den USA Polizei erschießt in 48 Stunden zwei Schwarze - beide Taten wurden gefilmt

Demonstration gegen Polizeigewalt in Baton Rouge, Louisiana
Demonstration gegen Polizeigewalt in Baton Rouge, Louisiana: Nachdem in kurzer Zeit zwei Schwarze in den USA erschossen wurden, ist es zu landesweiten Protesten gekommen.
© Mark Wallheiser/Getty Images
In den USA kommt es immer wieder zu tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze. Nun machen zwei auf Video festgehaltene Fälle Schlagzeilen. Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton beklagt: "Das Vertrauen in die Polizei ist angeschlagen".

Nur einen Tag nach den tödlichen Polizeischüssen auf einen Afroamerikaner im US-Bundesstaat Louisiana hat erneut ein Beamter einen Schwarzen erschossen. Ein auf Facebook veröffentlichtes Handyvideo von der Freundin des Opfers, das die letzten Augenblicke im Leben des 32-Jährigen zeigt, sorgt im Internet für Entsetzen. Nach Angaben der Polizei starb der junge Mann am späten Mittwochabend in seinem Fahrzeug, nachdem er in dem Ort Falcon Heights im Bundesstaat Minnesota am Straßenrand angehalten hatte. Am Ort des Geschehens sei eine Pistole gefunden worden. Der Vorfall werde untersucht.

In dem Live-Video ist zu sehen, wie der Mann - von Familie und Aktivisten als Philando Castile identifiziert - am Steuer seines Wagens sitzt, während sich große Blutflecken auf seinem weißen Hemd ausbreiten. "Oh mein Gott, bitte sagt nicht, dass er tot ist, bitte sagt nicht, dass mein Freund gerade einfach so gegangen ist. (...) Sie haben gerade vier Kugeln auf ihn abgefeuert, Sir", ist Castiles Freundin Lavish Reynolds zu hören, wie sie den mutmaßlichen Polizeischützen anspricht.

"Ich habe ihm gesagt, er soll die Hände hochnehmen"

Reynolds, die auf dem Beifahrersitz saß, lud das Video selbst auf ihrer Facebookseite hoch, es wurde bereits von mehr als 1,7 Millionen Menschen angeschaut. Hinten im Wagen saß zudem Reynolds kleine Tochter. Das Fahrzeug wurde laut Reynolds angehalten, weil es ein kaputtes Rücklicht hatte. Später sagte die Frau aus, in dem Auto habe sich auch Marihuana befunden. Ihr Freund habe eine Waffenlizenz gehabt. Castile habe dem Polizisten gesagt, dass er legal eine Waffe dabei habe, berichtete Reynolds. Als Castile seine Lizenz und die Fahrzeugpapiere herausholen wollte, habe der Polizist auf ihn geschossen und ihn am Arm getroffen.

Während der Verletzte stöhnte und nach Luft schnappte, richtete der Polizist seine Waffe durch das Autofenster. "Ich habe ihm gesagt, er soll es nicht herausnehmen! Ich habe ihm gesagt, er soll die Hände hochnehmen", schreit der Polizist. Gegen Ende der Handyaufnahme ist Reynolds vierjährige Tochter zu hören, wie sie versucht, ihre vollkommen verstörte Mutter zu trösten. "Alles ist gut, Mama", sagt das kleine Mädchen. "Alles ist gut, ich bin bei Dir." Unterstützer richteten später eine Facebookseite ein namens "Gerechtigkeit für Philando Castile". Dort heißt es: "Philando Castile wurde am 7. Juli 2016 von der Polizei ermordet. Wir fordern Gerechtigkeit!"

"Black Lives Matter" schreibt knapp: "Es reicht"

Erst am Dienstag war ein Afroamerikaner im Bundesstaat Louisiana von der Polizei getötet worden. Dem 37-jährigen Alton Sterling, der vor einem Laden in Baton Rouge CDs verkauft hatte, wurde bei dem Polizei-Einsatz mehrfach aus kurzer Distanz in die Brust geschossen. Ein ebenfalls im Internet verbreitetes Video hat den Vorfall festgehalten. In dem Ort kam es zu Protesten Hunderter Menschen. Zahlreiche Twitter-Nutzer reagierten empört. Aktivisten von "Black Lives Matter" schrieben knapp: "Es reicht. #AltonSterling", dieser Hashtag war am Mittwoch laut Twitter der meistverbreitete in den USA. Die Polizisten wurden routinemäßig vom Dienst freigestellt. Die Behörden wollen nun das Video auswerten.

Auch die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton reagierte in einem Statement auf den Vorfall: "Der Tod von Alton Sterling ist eine Tragödie und meine Gebete gehen an seine Familie und seine fünf Kinder". Weiter sagte Clinton in dem Statement, dass etwas grundlegend falsch laufe, wenn so viele Amerikaner befürchten müssen, dass ihre Leben aufgrund ihrer Hautfarbe weniger wert seien. "Solche Vorfälle untergraben das Vertrauen der Menschen in die Polizei. Wir müssen dieses Vertrauen wieder aufbauen." Sie forderte ein Ende des "Racial Profilings" - der Fahndung aufgrund der Rassenzugehörigkeit.

Fälle solcher Polizeigewalt hatten in den vergangenen Jahren in den USA wiederholt für Empörung und Aufruhr in der afroamerikanischen Bevölkerung gesorgt. Im Sommer 2014 löste die Tötung des 18-jährigen Michael Brown in Ferguson im Bundesstaat Missouri schwere Unruhen aus. Im vergangenen Jahr entfachte der Tod von Freddie Gray in der Ostküstenstadt Baltimore wütende und teilweise gewalttätige Proteste. Der Afroamerikaner war in Polizeigewahrsam ums Leben gekommen.

amt DPA AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker