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Anti-Rassismus-Proteste: Heckenschützen töten fünf Polizisten in Dallas

Schüsse bei friedlichem Protestmarsch gegen Polizeigewalt in den USA: Heckenschützen haben fünf Beamte getötet und mehrere weitere verletzt. Ein Verdächtiger hat sich verschanzt und droht mit Bomben.

Polizisten sichern den Tatort in Dallas

Polizisten sichern den Tatort in Dallas

Während Protesten gegen den Tod zweier Afroamerikaner bei Polizeieinsätzen in Louisiana und Minnesota sind in der texanischen Metropole Dallas fünf Polizisten erschossen worden. Mehrere weitere Beamte wurden verletzt. Die Schützen hätten von erhöhten Positionen aus insgesamt elf Polizisten beschossen, teilte der örtliche Polizeichef David Brown mit. Zunächst hatte Brown von drei Todesopfern gesprochen: "Drei Beamte sind gestorben, zwei werden operiert und drei befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand", sagte er am Donnerstagabend (Ortszeit). Später meldete die Polizei via Twitter den Tod eines vierten

 und schließlich eines fünften Polizisten.

 "Es ist eine verheerende Nacht gewesen. Wir sind traurig, melden zu müssen, dass ein fünfter Beamter gestorben ist", heißt es in der Mitteilung.

Verdächtiger verschanzt sich und droht mit Bomben

Ein Verdächtiger hat sich nach Angaben von Brown noch in einem Parkhaus verschanzt. Der Mann habe auf die Polizei geschossen, Verhandlungen seien zunächst erfolglos geblieben, teilte der Polizeichef am frühen Morgen mit. Der Verdächtige habe zudem gedroht, dass Bomben in der Stadt versteckt sein. "Er hat gesagt, er wird mehr von uns töten", Bombenexperten hatten bereits ein verdächtiges Paket untersucht, twitterte die Polizei.

Die Einsatzkräfte nahmen drei weitere Verdächtige fest. Dabei handelt es sich nach den Worten von Brown um eine Frau, die in der Nähe des Parkhauses festgenommen wurde, und zwei Männer, die zuvor in einem Wagen geflüchtet waren. "Wir sind aber noch nicht vollständig sicher, dass wir alle Verdächtigen in Gewahrsam haben", sagte Brown. Bürgermeister Mike Rawlings forderte die Bevölkerung auf, den Tatort zu meiden.  

Die Polizei hatte die Öffentlichkeit zuvor um Hilfe bei der Suche nach Verdächtigen gebeten und ein Foto veröffentlicht. Das Bild zeigt einen Mann, der eine Waffe bei sich hat und ein T-Shirt in Camouflage-Farben trägt. Er habe sich mittlerweile gestellt, twitterte die Polizei. Ob er auch einer der Festgenommenen ist, ist unklar.

"Hier ist wirklich jemand bis an die Zähne bewaffnet"

Augenzeugen berichteten von Chaos, als die ersten Schüsse kurz vor 21.00 Uhr (Ortszeit) am Donnerstag fielen. Passanten suchten Schutz in Hauseingängen oder Bushaltestellen. Als die ersten Schüsse zu hören waren, habe sie zunächst gedacht, es handele sich um Feuerwerkskörper, sagte eine Zeugin dem Sender KTVT, die von "mindestens 30 Schüssen" sprach. In einem von CNN veröffentlichten Video waren eine Reihe von Schüsse zu hören. "Hier ist wirklich jemand bis an die Zähne bewaffnet", sagt ein Zeuge. Ein anderes Video zeigte einen Schusswechsel zwischen einem Verdächtigen und der Polizei. 

"Die Schützen wollten so viele Gesetzeshüter wie möglich verletzen oder töten", sagte Brown. Das Motiv ist nach Angaben der Polizei noch unklar. Bei einem der Todesopfer handelt es sich offenbar um einen Transportpolizisten des Nahverkehrsunternehmens Dart. Drei weitere wurden verletzt, wie Dart auf Twitter mitteilte. Die Polizei forderte die Bürger auf, das Stadtzentrum von Dallas zu meiden, der öffentliche Verkehr wurde unterbrochen, berichtet die "Dallas Morning News."

"Wir erleben so etwas viel zu oft"

Zuvor hatte es friedliche Proteste gegen Polizeigewalt gegen Afroamerikaner gegeben. Auslöser waren zwei erschossene Afroamerikaner innerhalb von zwei Tagen. In Falcon Heights (Minnesota) starb Philando Castile (32) im Krankenhaus, nachdem ein Polizist bei einer Fahrzeugkontrolle auf ihn geschossen hatte. Kurz zuvor hatten in Baton Rouge (Louisiana) zwei Polizisten Alton Sterling (37) auf einem Parkplatz zu Boden gezwungen und ihn aus nächster Nähe erschossen.

Diese Tode seien ein Ereignis, das alle Amerikaner gleichermaßen angehen muss, sagte Präsident Barack Obama. "Wir erleben so etwas viel zu oft", sagte Obama unmittelbar nach der Landung in Warschau, wo er in der Nacht zum Freitag zum Nato-Gipfel eintraf. Der sichtbar berührte Präsident beschwor die Amerikaner, nach dem Geschehenen nicht in routinierte Reaktionsmuster zu verfallen, sondern innezuhalten.

mad / DPA / AFP