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Schon 259 Tote: Ausbruch der Cholera in ganz Haiti befürchtet

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nach dem Ausbruch der Cholera in Haiti vor einem Ausbreiten der gefährlichen Krankheit gewarnt. Es bestehe ein sehr hohes Risiko, dass die Cholera auf verschiedene Teile des Landes, aber auch auf die benachbarte Dominikanische Republik übergreifen könne.

Die UN-Mission zur Stabilisierung von Haiti hat am Montag vor einer landesweiten Cholera-Epidemie gewarnt. Eine landesweite Ausbreitung der Seuche mit zehntausenden Toten sei eine reale Möglichkeit, erklärte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Haiti, Nigel Fisher. Die Gesundheitsbehörden zählten mehr als 200 neue Infektionen, die Zahl der Toten seit dem Ausbruch der Seuche vergangene Woche stieg auf 259.

Die Lage in Haiti sei extrem ernst, sagte Fisher. Auf der Grundlage der Erfahrung mit Seuchen in anderen Erdteilen wäre es unverantwortlich, sich nicht auf eine sehr viel größere Epidemie vorzubereiten.

Zuvor hatte der Generaldirektor des haitianischen Gesundheitsministeriums, Gabriel Thimoté, erklärt, die Lage entspanne sich etwas. In den vergangenen 24 Stunden seien nur noch sechs Menschen an der Cholera gestorben. 3342 Infizierte befänden sich weiterhin im Krankenhaus. Außenministerin Marie Michèle Rey äußerte während eines Aufenthalts in der Schweiz die Hoffnung, dass es gelungen sei, die gefährliche Infektionskrankheit einzudämmen. Die Krankheit bleibe auf klar eingegrenzte Bereiche beschränkt, sagte Rey.

Fisher äußerte hingegen die Sorge, dass die Epidemie auf die Zeltlager für Erdbeben-Opfer rund um die Hauptstadt Port-au-Prince übergreifen könnte. In den Lagern leben rund 1,3 Millionen Opfer des verheerenden Erdbebens vom 12. Januar diesen Jahres. In den beengten, unhygienischen Lebensverhältnissen dieser Siedlungen könnte sich die Krankheit rasend schnell verbreiten, befürchten Experten. Bisher zählten die Gesundheitsbehörden sechs Cholera-Fälle in der Hauptstadt.

Auch das Regionalbüro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte davor, die Epidemie bereits für beendet zu erklären. Es sei zu früh zu sagen, ob die Seuche bereits unter Kontrolle sei, sagte Daniel Epstein, ein Sprecher der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation in Washington. Das Muster der Verbreitung der Epidemie sei sehr schwierig, wenn nicht unmöglich vorherzusagen. Derzeit seien seine Organisation und andere Helfer bemüht, eine Ausbreitung der Krankheit auf die Zeltlager rund um Hauptstadt Port-au-Prince zu vermeiden, sagte Epstein.

Cholera war in Haiti seit 100 Jahren ausgerottet, als es vergangene Woche im Zentrum und Norden des Landes entlang des Artibonite Fluss wieder auftrat. Die Krankheit ist hochansteckend. Sie verbreitet sich vor allem über Wasser und Nahrung und verursacht heftigen Durchfall und Erbrechen. Werden die Betroffenen nicht rasch rehydriert, kann die Krankheit innerhalb kurzer Zeit zum Tode führen.

AFP/DPA / DPA