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Bei Protesten in Seattle Twitter-Video zeigt: Fahrrad-Polizist fährt Demonstrant über den Kopf

Auf einem Stück Rasen steht ein gemaltes Porträt einer Afroamerikanerin. Darunter mit Kerzen der Name "Breonna"
Der Tod von Breonna Taylor hat in Seattle zu Protesten geführt
© Karen Ducey/ZUMA Wire / DPA
Dass drei US-Polizisten nicht wegen des Todes der Afroamerikanerin Breonna Taylor angeklagt werden, hat vielerorts in den USA zu Protesten geführt. In Seattle untersucht die Polizei nun einen Zwischenfall mit einem Fahrrad-Polizisten.

Ein Polizist ist am Donnerstag in Seattle mit seinem Fahrrad über den Kopf eines auf der Straße liegenden Demonstranten gefahren. Das zeigt ein Video, das Twitter-User "Joey Wieser" auf Twitter veröffentlicht hat. Er gibt an, die Szene vergangenen Mittwoch um 23.50 Uhr im Stadtteil Capitol Hill gefilmt zu haben.

Im Video ist zu sehen, wie ein Polizist sein Fahrrad in Richtung einer hell gekleideten Person schiebt, die offenbar bewusstlos mit dem Kopf auf der Fahrbahn liegt. Statt um den Liegenden herumzufahren, rollt der Polizist mit dem Vorderrad über dessen Kopf. Ob auch das Hinterrad den Kopf überrollt, ist wegen eines anderen Beobachters, der einen Schritt zur Seite macht, nicht zu erkennen.

Das Seattle Police Department (SPD) hat ebenfalls via Twitter bekanntgegeben, dass eine Sondereinheit den Vorfall untersuche: "Unmittelbar, nachdem sie von diesem Vorfall erfahren hatte, aktivierte das SPD das Force Investigation Team (FIT), um die Anwendung von Gewalt zu dokumentieren und zu untersuchen – wie es die Vorschriften verlangen – und alarmierte das Office of Police Accountability (OPA), das ebenfalls auf den Vorfall reagierte. Das Office of Police Accountability (OPA) hat eine Untersuchung des Vorfalls eingeleitet." Der Fahrrad-Polizist sei beurlaubt worden.

Hintergrund der Proteste in Seattle ist der Tod der Afroamerikanerin Breonna Taylor, die im März bei einem Polizeieinsatz in ihrer eigenen Wohnung in Louisville, US-Bundesstaat Kentucky, erschossen worden war: Drei Polizisten sollten tief in der Nacht einen Durchsuchungsbefehl ausführen. Nach Erkenntnissen einer Untersuchung klopften sie an der Tür und gaben sich als Polizei zu erkennen. Dafür fanden Ermittler in dem Mehrfamilienhaus einen Zeugen. Breonna Taylors Freund hörte das allerdings nach eigenen Worten nicht. Als die Polizisten die Tür aufbrachen, schoss er einen von ihnen am Bein an – weil er sie für Einbrecher gehalten habe. Daraufhin eröffneten die Polizisten das Feuer und töteten die unbewaffnete Taylor, während sie ihren Freund verfehlten.

Proteste, weil Polizisten nicht angeklagt werden

Am Mittwoch wurde nun nur einer der drei Polizisten angeklagt - aber nicht wegen der Schüsse auf Taylor. Ihm wird "mutwilliger Gefährdung" vorgeworfen, weil einige seiner Kugeln auch Nachbarwohnungen getroffen hatten. Der Einsatz in Taylors Apartment wurde dagegen als rechtens eingestuft, weil die Polizisten sich verteidigt hätten.

Quellen:Joey Wieser auf Twitter, Seattle Police Department auf Twitter, "SPDBlotter".

tkr mit DPA

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