Terror-Alarm in London Passagiere sitzen auf dem Trockenen

Großbritannien hat nach den vereitelten Terroranschlägen die Sicherheitsmaßnahmen auf den Flughäfen drastisch erhöht. Handgepäck ist fast verboten und vor allem Flüssigkeiten dürfen nicht mehr an Bord gebracht werden.

Nach den vereitelten Terroranschlägen in Großbritannien haben die Flughafenbetreiber und Fluggesellschaften die Sicherheitsmaßnahmen drastisch erhöht. Sie stehen nur noch eine Stufe unter einer denkbaren Schließung der Airports. So werden alle Passagiere doppelt durchsucht, Schuhe und Gürtel gesondert geröntgt. Außerdem dürfen Reisende, die von englischen Airports starten, bis auf weiteres kein Handgepäck mehr mit an Bord nehmen - außer dem Allernotwendigsten wie Reiseunterlagen, Geld und Brieftaschen. Diese allerdings müssen in einer durchsichtigen Tüte untergebracht sein, Handtaschen sind verboten.

Vor allem Flüssigkeiten sind tabu: Getränke, Kontaktlinsenreiniger, Cremes, Haargel, Flaschen jeglicher Art. Selbst notwendige Medikamente in flüssiger Form sind tabu, solange ihre Echtheit nicht bestätigt ist. Grund für die Maßnahmen ist, dass die Terroristen für ihre geplanten Anschläge möglicherweise Flüssigsprengstoff einsetzen wollen. Der britische Sender BBC berichtet unter Berufung auf Sicherheitsexperten, dass sich die Bestandteile für den Explosivstoff in unverdächtigen Verpackungen wie etwa für Haarwaschmittel an Bord gebracht und dann während des Fluges hätten zusammengefügt werden sollen.

Eltern müssen Babynahrung probieren

Als einzige Ausnahme sei es den Reisenden gestattet, bei Reisen mit Kleinstkindern Babymilch in Flaschen mit zu führen. Mütter oder Väter müssten aber vor den Augen von Sicherheitsbeamten von der Milch kosten, um nachzuweisen, dass diese tatsächlich ungefährlich sei.

Ebenfalls verboten sind bei British Airways Brillen und Sonnenbrillen ohne Etuis, Schlüssel ohne Schlüsselanhänger sowie sämtliche elektrischen oder mit Batterie betriebenen Gegenstände wie Laptops, Mobiltelefone und MP3-Player. Diese und alle anderen Gegenstände müssen in Koffern oder Taschen untergebracht und aufgegeben werden. British Airways wies darauf hin, dass, also keine oder Fernbedienungen.

Ähnliche scharfe Sicherheitsbestimmungen wurden auch in den USA verhängt. Am Frankfurter Flughafen dagegen, habe es laut Fraport-Sprecher bis zum Vormittag keine "geänderte Anordnungslage" gegeben, wie Wolfgang Schwalm zu stern.de sagte. In Frankfurt wurden fünf Lufthansa und British-Airways-Flüge gestrichen, chaotische Zustände aber blieben zunächst aus. Das Bundesinnenministerium verschärfte am Morgen seine Luftsicherheitsmaßnahmen in Deutschland. Einzelheiten gab das Ministerium zunächst nicht bekannt.

In Norddeutschland wurde der Flugverkehr behindert. Aus Hamburg startete nach 7 Uhr keine Maschine nach London-Heathrow, sagte eine Flughafensprecherin. Auch alle Verbindungen aus London in die Hansestadt wurden gestrichen. Insgesamt waren neun Flüge von Lufthansa und British Airways betroffen. Aus Lübeck war die letzte Maschine nach London am Mittwochabend um 22.40 Uhr gestartet. Ein Flugzeug der Ryanair, das am Donnerstag um halb acht morgens abheben sollte, erhielt keine Landegenehmigung für London und sei nicht abgeflogen, sagte eine Flughafensprecherin. Die Maschine, die gegen 9 Uhr aus London-Stansted in Lübeck eintreffen sollte, blieb zunächst in England. Wie es weitergehe, wisse man noch nicht, sagte die Sprecherin.

Die Sicherheitsmaßnahmen in Heathrow haben bis Mittag zu großen Verspätungen und sehr langen Warteschlangen geführt, Tausende Passagiere sitzen fest. Auch auf anderen britischen Flughäfen, wie etwa in London-Gatwick. "Die meisten Passagiere aber blieben ruhig und zeigten Verständnis für die chaotischen Verhältnisse", sagte der Flughafen-Mitarbeiter Warren Tarling der BBC. Fluggast Courteney Dane, die auf dem Rückweg nach Australien war, sagte dem Sender: "Ich sorge mich eigentlich nur darüber, dass ich einen 24-Stunden-Flug vor mir und nichts zu lesen habe."

nk mit DPA/Reuters/AP AP Reuters

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