HOME

Terror in London: Polizei identifiziert die Attentäter

Die Bombenattentäter von London sind höchstwahrscheinlich bei ihrer Tat ums Leben gekommen. Nur fünf Tage nach den tödlichen Bombenanschlägen ist es Scotland Yard offenbar gelungen, alle vier zu identifizieren.

Die britische Polizei hat offenbar die Attentäter der Terroranschläge von London identifiziert. Wie der Leiter der Londoner Anti-Terror-Einheit, Peter Clarke, am Dienstagabend mitteilte, ist auf den Aufzeichnungen einer Überwachungskamera zu erkennen, wie die vier Attentäter am Donnerstag um 08.30 Uhr mit dem Zug im Bahnhof King’s Cross in London ankommen. Rund 20 Minuten später explodierten drei Sprengsätze in U-Bahnen, etwas später einer in einem Doppeldeckerbus. Mindestens 52 Menschen starben bei den Anschlägen.

Es könnte sich um Selbstmordanschläge gehandelt haben. Einem Bericht des Fernsehsenders Sky zufolge, der sich auf Angaben aus Polizeikreisen berief, wurden alle vier Attentäter bei den Anschlägen getötet. Clarke konnte zunächst nur bestätigen, dass vermutlich mindestens einer der Attentäter ums Leben kam. Der Gerichtsmediziner müsse dies aber noch bestätigen. Der Mann war von seiner Familie um 22.00 Uhr am Tag der Anschläge als vermisst gemeldet worden. Teile seiner Sachen wurden in dem zerstörten Doppeldeckerbus gefunden, in dem 13 Menschen starben.

Razzia führt zu Täter-Spuren

Nach Clarkes Angaben kamen mindestens drei der vier Attentäter aus West Yorkshire im Norden Englands. Dort gab es am Dienstag eine Serie von Razzien in Leeds und Umgebung, bei denen auch die Wohnungen der mutmaßlichen Attentäter durchsucht wurden, wie Clarke sagte. Ein Verdächtiger sei festgenommen worden und werde zur Vernehmung nach London gebracht, erklärte die Polizei. Sechs Haftbefehle seien ausgestellt worden.

Laut einem Bericht des Fernsehsenders Sky führten die Spuren die Ermittler zu einer Gruppe pakistanischer Einwanderer in der Gegend von Leeds. Dort sprengten sich die Sicherheitskräfte den Weg zu einer Wohnung frei, nachdem sie vorher mehrere Straßen abgesperrt und 500 Anwohner in Sicherheit gebracht hatten. Die Beamten seien Hinweisen auf Sprengstoff nachgegangen, teilte die Polizei mit. Die Razzia war die erste seit den Terroranschlägen.

Nach Hinweisen auf ein verdächtiges Auto sperrte die Polizei am Nachmittag den Bahnhof von Luton in der Grafschaft Bedfordshire, 50 Kilometer nördlich von London. Wie es hieß, stand das Fahrzeug möglicherweise in Verbindung zu den Anschlägen vom vergangenen Donnerstag. Es wurde später kontrolliert zur Explosion gebracht.

Videomaterial von Überwachungskameras wird gesichtet

Die Ermittlungen beziehen auch die Sichtung von mehr als 2.500 Bändern mit Aufnahmen von Überwachungskameras mit ein. Die Behörden haben diese Bänder nicht nur von der U-Bahn-Gesellschaft, sondern auch von der Stadtverwaltung und privaten Unternehmen erhalten. Insgesamt sind in London mehrere tausend Überwachungskameras eingerichtet. Die Polizei hat auch die Öffentlichkeit dazu aufgerufen, alle digitalen Fotos und Videos einzuschicken, die vom Ort der Anschläge gemacht wurden.

Verschärfung von Antiterrorgesetzen im Gespräch

Die Regierung von Premierminister Tony Blair beriet unterdessen über eine mögliche Verschärfung von Antiterrorgesetzen. Dabei soll auch die Planung eines Terrorakts als neuer Straftatbestand eingeführt werden. Als Beauftragter der Regierung für die Antiterrorgesetzgebung sagte Lord Carlile am Dienstag dem Rundfunksender BBC, es gebe keine unmittelbare Notwendigkeit für eine Verschärfung der Gesetze. Polizei und andere Behörden sollten aber in die Lage versetzt werden, schon in einem frühen Stadium der Vorbereitung eines Terrorakts eingreifen zu können.

AP / AP