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Tote bei Flugschau in Bayern Doppeldecker rast in Zuschauermenge


Beim Start geriet die Maschine außer Kontrolle: Ein Doppeldecker ist bei einer Flugschau nahe Schnaittach-Lillinghof in Bayern in die Zuschauermenge gerast. Eine Frau kam ums Leben. 38 Menschen sind zum Teil schwer verletzt, ein Opfer schwebt noch in Lebensgefahr.

Es sollte ein Fest für alle Luftfahrtbegeisterten in der Region werden - aber nach 45 Minuten beendete am Sonntagnachmittag ein schreckliches Unglück den Flugtag im bayerischen in Lillinghof: Ein zum Formationsflug startender Doppeldecker geriet beim Start außer Kontrolle und raste in die Menschenmenge. Eine 46 Jahre alte Frau aus dem Ort Lauf geriet anscheinend in die rotierenden Propeller und starb noch am Unglücksort. 38 Menschen verletzten sich bei dem Unglück in der Nähe von Schnaittach-Lillinghof, fünf davon schwer, ein Opfer schwebte am Montagmorgen noch in Lebensgefahr. Der Pilot der Unglücksmaschine bliebt unversehrt.

Für die 3000 bis 3500 Zuschauer, die sich einem abgesperrten Bereich aufhielten, kam das Unglück völlig überraschend. "Wir waren gerade beim Kaffeetrinken, als auf einmal Tische und Bänke durch die Luft flogen - und auf einmal hatten wir den Propeller der Maschine vor uns", berichtet ein Augenzeuge. Die Maschine kam 20 Meter vor dem Kontrollturm zum Stehen und kippte dort auf die Nase.

Großeinsatz von Feuerwehr, THW, Notärzten und Sanitätern

Der Tower setzte Sekunden nach dem Unglück einen Notruf ab und sorgte damit für einen Großeinsatz von mehr als 100 Feuerwehrleuten, Notärzten, Sanitätern und dem Technischen Hilfswerk. Während mehrere Rettungshubschrauber die Schwerletzten in die nächste Klinik flogen, kümmerten sich Helfer um Zuschauer mit leichteren Verletzungen. Selbst zwei bis drei Stunden danach liefen noch Menschen mit blutverschmierten Jacken über das windige Flugfeld auf einem Hochplateau zu Füßen der Frankenalb.

Während sich Kripo-Beamte den dunkelgrünen, auf die Nase gekippten Doppeldecker vom Typ Tiger Moth untersuchten, spekulierten Mitglieder des Segelflug-Clubs Lauf über die mögliche Unglücksursache. Als gesichert galt nach Angaben der Polizei bis Sonntagabend lediglich, dass der rund 70 Jahre alte Doppeldecker bei einem Start zu einem Formationsflug mit zwei anderen Maschinen plötzlich nach rechts ausbrach und in Höhe des Kontrollturms auf die Zuschauer zuraste.

Polizei hofft auf Hobby-Videofilmer

Der frühere langjährige Vorsitzende des Segelflug-Clubs Lauf, Thomas Horz, schloss in einem Gespräch nicht aus, dass die Maschine von einer starken Windböe nach rechts gedrückt wurde. "Ich habe nur kurz gesehen, wie der rechte Flügel kurz den Boden berührt." Ein solcher Vorfall könne bei Tempo 60 eine solche Maschine leicht destabilisieren und ausbrechen lassen. Die Polizei hofft auf Hobby-Videofilmer in den Reihen der Zuschauer und hat bereits einen entsprechenden Aufruf veröffentlicht.

Veranstalter erschüttert

Der Pilot stammt ebenso wie die Flugzeugführer der anderen beiden an der Flugvorführung beteiligten Piloten aus dem hessischen Gelnhausen. Sie treten mit den Maschinen regelmäßig bei Flugschauen auf. Der Pilot, der noch am Sonntagabend von der Kripo vernommen wurde, gelte als erfahren, berichtete die Polizei. Er fliege seit 15 Jahren den Flugzeug-Oldtimer, seit zwölf Jahren nehme er an Flugschauen teil.

Die Veranstalter der Flugschau zeigten sich von dem Unglück erschüttert; zu der Schau werde seit 1969 eingeladen. Bisher habe es noch nie einen Unglücksfall gegeben - "außer mal einen Unterschenkelhalsbruch bei einem Fallschirmspringer".

Klaus Tscharnke und Lars-Marten Nagel/DPA DPA

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