Unwetter "Land unter" in Mittelhessen und NRW


Mit dem Schneepflug mussten im mittelhessischen Dillenburg die Wassermassen vom Schulhof geschippt werden; in Meschede im Sauerland überfluteten Schlamm und Geröll die Straßen. Schuld an dem Wetterchaos war eine Schauerlinie vom Südwesten Deutschlands bis zum Sauerland.

Schwere Gewitter und heftige Regenfälle haben Teile von Nordrhein-Westfalen und Hessen ins Chaos gestürzt und Millionenschäden verursacht. Im hessischen Dillenburg fielen am Sonntagabend bis Mitternacht nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter, im nordrhein-westfälischen Meschede waren es 60 Liter. Der Wasserstand der Dill stieg innerhalb weniger Stunden von 15 Zentimeter auf 2,74 Meter. Berichte über Verletzte lagen nicht vor.

In Dillenburg wurden die Patienten des Krankenhauses verlegt, Straßen standen bis zu einem halben Meter unter Wasser, Autos schwammen davon. Nach Angaben des Führungsstabes im Lahn-Dill-Kreis wurde die Klinik nur über Notstromaggregate mit Energie versorgt. Der Schaden in der Klinik beträgt nach Angaben des Kreisbrandinspektors mehr als eine Million Euro. Im ersten Stock des Gebäudes stand das Wasser fast zwei Meter hoch. "Es wird wohl mehrere Wochen dauern, bis unsere Klinik wieder ihren kompletten Betrieb aufnehmen kann", sagte der Geschäftsführer.

Chaos auch im Sauerland

In zwei Stadtteilen Dillenburgs kam es zu Erdrutschen in Wohngebieten. Die Bewohner wurden aufgefordert, Wasser abzukochen, weil Brunnen verunreinigt worden seien. In einem Speditionsbetrieb traten 1000 Altöl aus.

Mehr als 2000 Helfer kämpften noch am Montag gegen Wasser- und Schlammmassen. Im Industriegebiet der 25 000-Einwohner-Stadt stand das Wasser in einigen Betrieben bis zu 50 Zentimeter hoch. In Schulen fiel der Unterricht aus. Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) sagte den betroffenen Gebieten Hilfe des Landes zu.

Chaotische Zustände herrschten am Sonntagabend auch in der Innenstadt von Meschede im Sauerland. Keller liefen voll, Schlamm und Geröll überfluteten Straßen. Nach Angaben der Feuerwehr gab es 135 Einsätze und über 300 Notrufe. Der Deutsche Wetterdienst in Essen verzeichnete auch in benachbarten Orten ähnliche Regenmengen.

Schauerlinie vom Südwesten Deutschlands bis zum Sauerland

In einigen Ortsteilen der 35 000-Einwohner-Stadt waren die Straßen unpassierbar. Auf dem Weg zum Einsatz seien ihm im Wasser schwimmende Mülltonnen entgegen gekommen, berichtete ein Feuerwehrmann. Mehr als 100 Keller hätten die Helfer leer gepumpt. Er selbst habe ein Unwetter mit solchen Überflutungen noch nie erlebt. Der Hochsauerlandkreis befürchtet Millionenschäden. "Wie hoch die Schäden genau sein werden, wird sich wohl nicht beziffern lassen", sagte ein Sprecher des Kreises.

Ursache für das Unwetter ist nach Auskunft von Meteorologen des DWD in Offenbach und des Wetterdienstes Metomedia eine seltene Wetterlage: Ein Gewittertief hatte von Frankreich für eine Schauerlinie gesorgt, die vom Südwesten Deutschlands bis zum Sauerland reichte. Das sich nur langsam bewegende Unwetter sei durch Luftbewegungen in großer Höhe geprägt gewesen. Bei der vorherrschenden östlichen Luftströmung verstärkten Staueffekte vor dem Bergland die Intensität der Niederschläge insbesondere im Sauerland.

DPA DPA

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