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Wirbelsturm "Ike": Hurrikan bedroht die Karibik

Die Hurrikan-Saison ist in vollem Gange: Nach "Gustav" und "Hanna" sorgt nun Wirbelsturm "Ike" für Sorge in der Karibik, auf Kuba und in den USA. Millionen Menschen flüchten vor dem Sturm, der gerade in die zweithöchste Hurrikan-Kategorie hochgestuft wurde.

Nach dem verheerenden Wirbelsturm "Hanna" versetzt Hurrikan "Ike" die Karibik erneut in Angst und Schrecken. "Ike" wütete in der Nacht zum Sonntag über den Turks- und Caicos-Inseln und erreichte mit Windgeschwindigkeiten von 215 Stundenkilometern die zweithöchste Hurrikan-Kategorie 4. Im Süden der Bahamas, im Osten Kubas und auf den Inseln der Florida Keys begannen die Behörden, Anwohner in Sicherheit zu bringen. "Hanna" hatte in Haiti über 167 Menschenleben gekostet und Zehntausende obdachlos gemacht. Zusammen mit den vier Wirbelstürmen der vergangenen Wochen, darunter der tödliche "Gustav", sind dort Behördenagaben zufolge inzwischen 262 Menschen ums Leben gekommen, Zehntausende sind obdachlos und anhaltende Regenfälle behindern die Rettungskräfte.

Der Regierungschef der zu Großbritannien gehörenden Turks- und Caicos-Inseln, Michael Misick, erklärte, dass rund 80 Prozent der Häuser beschädigt worden seien. Hunderte Dächer seien abgedeckt worden, als das Auge des Hurrikans über die Inseln hinweggezogen sei. Auf dem Archipel nördlich von Haiti leben etwa 33.000 Menschen. "Ike" befand sich am Sonntagnachmittag über den östlichen Bahamas, nur noch 200 Kilometer westlich von Kuba, wo der Sturm am Abend (Ortszeit) erwartet wurde. Aus dem Osten kommend sollte "Ike" über Kuba hinwegziehen, bevor er am späten Montagabend die Florida Keys erreichen könnte. "Es ist ein sehr gefährlicher Sturm", sagte der Meteorologe Colin McAdie vom Hurrikan-Zentrum in Miami. Es sei davon auszugehen, dass "Ike" auch in den kommenden Tagen ein starker Hurrikan bleiben werde. Er könnte sich dann im Verlauf der Woche auf den Golf von Mexiko zubewegen und damit auf die Südküste der USA.

Sturm könnte Havanna treffen

In Kuba brachten die Behörden Medienberichten zufolge Zehntausende in Sicherheit. Meteorologen befürchteten, dass das Zentrum des Hurrikans auch über die Hauptstadt Havanna mit ihren zwei Millionen Einwohnern hinwegziehen könnte. Auf den tiefliegenden Florida Keys sollten bis zum Sonntagabend (Ortszeit) alle Bewohner in Sicherheit gebracht werden. Urlauber waren bereits am Freitag aufgefordert worden, die Inseln zu verlassen. US-Präsident George W. Bush hat den Bundesstaat Florida vorsorglich zum Notstandsgebiet erklärt. Die Maßnahme ermöglicht es den US-Bundesbehörden, die regionalen Vorsorgemaßnahmen zu unterstützen und Truppen der Nationalgarde zu aktivieren. Das Heimatschutzministerium sei angewiesen, alle Maßnahmen zu ergreifen, um für einen Katastrophenfall gerüstet zu sein und die verschiedenen Einsatzkräfte und Hilfsmaßnahmen koordinieren zu können, heiß es in einer Erklärung aus dem Weißen Haus.

Im Norden der Dominikanischen Republik wurden 4.000 Menschen aus Küstenorten evakuiert. In Florida deckten sich die Bewohner der Küstenregionen mit Trinkwasser, Batterien und Gasflaschen ein. Gouverneur Charlie Christ sagte: "Es gibt keine Vorschriften. Was wir tun müssen, ist vorbereitet, schlau und vorsichtig zu sein." In Louisiana setzte Gouverneur Bobby Jindal eine Arbeitsgruppe für Maßnahmen bezüglich des Sturms ein. Ray Nagin, der Bürgermeister von New Orleans sagte, dass die Behörden auf "Ike" eingestellt seien, auch wenn es sicher schwierig werde, die Bürger kurz nach "Gustav" wieder zur Evakuierung zu bewegen.´

Der Tropensturm "Hanna" traf am Samstag mit heftigem Wind von gut 110 Stundenkilometern an der Grenze von North und South Carolina auf die Ostküste der USA. Der Sturm schwächte sich jedoch über Land rasch ab. Es entstand vereinzelt Sachschaden, und einige zehntausend Haushalte waren zeitweise ohne Strom. Ausläufer "Ikes" brachten unterdessen weiteren Regen nach Haiti und erschwerten Bergung und Versorgung der Flutopfer. Die letzte Brücke, über die Helfer die am schwersten betroffene Stadt Gonaives erreichen konnten, wurde am Sonntag nach den anhaltenden Regenfällen überflutet. "Dieser Sturm stellt uns auf die Probe", sagte eine Sprecherin des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen, Myrta Kaulard. Die UN-Friedenstruppe in Haiti begann mit der Verteilung von Lebensmitteln und Trinkwasser. Frachter und Hubschrauber brachten erste Hilfslieferungen in die Region. Die UN-Gesandte Hedi Annabi sagte, dass noch viel mehr Hilfe nötig sein werde. Die Hälfte der Häuser stünden unter Wasser, sagte Landwirtschaftsminister Joannas Gay.

Ben Fox/AP / AP