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Alpen versinken im Schnee: Extreme Lawinengefahr: Experten rechnen mit großen Abgängen, tausende Urlauber eingeschneit

Nach tagelangen Schneefällen herrscht in großen Teilen der Alpen die höchste Lawinenwarnstufe. Wärmere Luft und Regen machten die Lage noch gefährlicher, heißt es. In der Schweiz und Österreich sind tausende Touristen von der Außenwelt abgeschnitten.

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Lawinengefahr in den Alpen: Ein Mann geht in der Schweiz an schneebedeckten Hütten vorbei

In großen Teilen der Alpen herrscht jetzt die höchste Lawinenwarnstufe. Bei heftigen Niederschlägen wächst die Gefahr gefährlicher Abgänge immer weiter. Durch wärmere Luft sei Niederschlag bis zu 2000 Metern Höhe als Regen gefallen, was die Schneedecke zusätzlich labil werden lasse, warnten Fachleute in der Schweiz und Österreich am Montag. 

"Man muss verbreitet in der Schweiz mit großen Lawinen rechnen", sagte Christine Pielmeier vom Davoser Schnee- und Lawinenforschungsinstitut (SLF) im Schweizer Rundfunk. "Heute ist die heikelste Phase, Entspannung erwarten wir eigentlich erst im Laufe des Dienstags." 

Zermatt wegen Lawinengefahr von Außenwelt abgeschnitten

Auch in Österreich war die Lage problematisch. In Tirol galt für manche Gebiete die höchste Lawinenwarnstufe. In beiden Ländern waren Straßen- und Bahnverbindungen in zahlreiche Orte abgeschnitten, darunter die Wintersportorte Zermatt und Andermatt in der Schweiz und St. Anton und Galtür in Österreich.

In der Region Zermatt wurde beispielsweise die Zufahrtsstraße gesperrt und der Bahnverkehr eingestellt. Ein Helikopter-Shuttle konnte wegen des schlechten Wetters nur einige Gäste, die abreisen wollten, ausfliegen. Viele Bergbahnen stellten ihren Betrieb ein, so dass nur wenige Pisten offen waren. Das Tourismusbüro tröstete die Gäste mit Verweis auf die möglichen anderen Aktivitäten. Es gebe eine Indoor-Kletterhalle, ein Kino, das Matterhornmuseum und die Möglichkeit, Billard zu spielen, sagte eine Sprecherin. Im Ort sind momentan etwa 9000 Touristen. Zermatt war bereits in der ersten Januarwoche für einige Tage von der Außenwelt isoliert. Es ist unklar, wann sich die Situation wieder normalisiert. Die Lawinenkommissionen beraten, was zu tun ist.

Auch in Österreich ist die Lage schwierig. In St. Anton und im Paznauntal mit dem Wintersportort Ischgl sind ebenfalls Tausende Touristen eingeschneit. St. Anton kann derzeit weder über Straßen noch per Bahn erreicht werden. In der Region herrschte am Sonntagabend Lawinenwarnstufe vier, die zweithöchste Stufe. Sämtliche Loipen waren gesperrt. Auch das Paznauntal war nicht mehr über Straßen erreichbar.

Bis zu drei Meter Schnee in einer Woche

In der Schweiz seien in südlichen Regionen teilweise innerhalb einer Woche drei Meter Neuschnee gefallen, sagte Pielmeier. So extreme Schneehöhen wie dort habe es seit 1999 nicht mehr gegeben. Die höchste Lawinengefahr galt in einem breiten Streifen durch die ganze Schweiz von West nach Ost, vom Wallis bis nach Graubünden.

"Die Lawinen können sehr weit vorstoßen, warnte das SLF. "Exponierte Siedlungen sowie Verkehrswege sind mehrheitlich gefährdet." Von Schneesport abseits gesicherter Pisten werde "dringend abgeraten".

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mod / DPA