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Sommerfrust: Ich will endlich wieder ein Hoch kriegen

Michaela, Yasmine, Xenia - manche hatten komische Namen, aber sie alle waren so heiß, dass ich mir an einsamen Stränden, im Park oder sogar auf dem Balkon die Kleider vom Leibe riss und mich ihnen hingab. Und heute?

Eine Glosse von Marc Drewello

Ein Pärchen genießt auf einer Wiese in Kiel die wärmende Sonne

Ein Pärchen genießt auf einer Wiese in Kiel die Sonne.

Ich hatte einige Dutzend: Katrin, Andrea, Yasmine, Xenia. Sogar ein paar Männer waren darunter. Bertram zum Beispiel. Und Aymen. Manche waren so heiß, dass ich nachts nicht zum Schlafen kam. Stattdessen heftiges Wälzen im Bett. Bilder tauchen auf: 2003, in der Hängematte auf dem Balkon meiner neuen Junggesellenbude - meine Freundin hatte mich gerade aus der Wohnung geworfen - ließ ich mich von Michaela trösten. Oder 1994, zu viert stöhnten wir am wiedervereinigten Ostseestrand in der Hitze - und machten bei Lagerfeuer und Rotwein die Nacht durch. Hach, so ein Sommerhoch kann einem wunderbare Erinnerungen bescheren.

Und dieses Jahr? Ich hätte schon jede Menge Ideen für neue Erinnerungen. Aber was nützen die ohne Hoch? Es muss ja nicht gleich Ewald sein, der Deutschland vor 21 Jahren in ein 357.000 Quadratkilometer großes Troparium verwandelte. Aber ein wenig mehr Druck könnten die Azoren schon machen. Seit Wochen ist der einzige, der sich übers Wetter freut, der Heuschnupfen-Kollege links neben mir. "Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot verdienen!", habe ich ihm neulich zugeraunzt, als er für Tief Nils aus seinen nutzlos gewordenen Taschentuchpäckchen einen Altar auf seinem Schreibtisch errichtete - und den Reißverschluss meiner Strickjacke hochgezogen.

Der wird wohl die nächste Zeit auch oben bleiben. Schauer und Gewitter fast überall möglich, sagen die Meteorologen für den Siebenschläfertag am kommenden Samstag voraus. Geht das jetzt sieben Wochen so weiter? Droht uns ein Sommer ohne Hoch-Genuss? Nicht wenn wir uns alle zusammentun und den bundesdeutschen Wetter-Coup von 1975 wiederholen. Der Juni war damals ziemlich kühl. Dann schallte Rudi Carrells Schlechtwetterhymne "Wann wird's 'mal wieder richtig Sommer?" aus allen Radios der Republik. "Es war ein gesungener Stoßseufzer von vielen Millionen", sagte Pop-Experte Jan Feddersen zum 40. Geburtstag des Gassenhauers der Deutschen Presse-Agentur. Und er zeigte Wirkung: Im August 1975 überrollte eine Hitzewelle Europa. Also stimmen Sie ein! 

"Wann wird's 'mal wieder richtig Sommer

ein Sommer, wie er früher einmal war?

Ja, mit Sonnenschein von Juni bis September

und nicht so nass und so sibirisch wie im letzten Jahr."

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?