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Wikileaks-Gründer im WDR Assange antwortet Engelke auf nicht gestellte Fragen


Was passiert, wenn eine ungewohnt überforderte Moderatorin Anke Engelke auf den wortgewandten Internet-Aktivisten Julian Assange trifft? Ein ungewöhnliches Interview mit interessanten Antworten.

Um Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, war es länger ruhig - zumindest in Deutschland. Seit gut zwei Jahren lebt der 43-Jährige schon in der ecuadorianischen Botschaft in London, auf 30 Quadratmeter eingepfercht. Frei auf die Straße kann er seitdem nicht. Der Grund: In Schweden besteht ein Haftbefehl wegen sexueller Nötigung gegen ihn - würde Assange das Gebäude verlassen, würde man ihn verhaften und an Schweden ausliefern.

Entsprechend war der berühmte Internet-Aktivist am Dienstagabend in der WDR-Talkshow "Anke hat Zeit" auch nur per Videoschalte zugegen. Dass sich sein Auftritt auch ohne physische Präsenz lohnte, lag vor allem an Assanges mehrminütigen und gewohnt eloquenten Monologen, die sich nicht immer an Engelkes Fragen orientierten.

Kurze Antworten sind nicht Assanges Ding

Besonders deutlich wurde dies, als Engelke in dem knapp zehnminütigen Gespräch wissen wollte, ob Supernerds die wahre Avantgarde der Zukunft seien. Anstatt auf die Frage einzugehen, nutzte der 53-Jährige die Gelegenheit, um vor der großen Gefahr zu warnen, die seiner Meinung nach von Google, Facebook und dem US-Geheimdienst NSA ausgehen. "Diese drei Titanen werden von Ingenieuren gesteuert und übernehmen sukzessive die Welt. Tagtäglich gehen weitere 1,5 Millionen Geräte ans Netz mit Google-Betriebssystem, vor allem Android-Handys. Diese Geräte schaffen eine Massenüberwachung von eineinhalb Milliarden Menschen über das Internet", führte Assange seine Sicht der Dinge mehrere Minuten lang aus.

Engelke lässt Assange frei reden

Engelke merkte wohl, dass kurze Antworten auch im weiteren Gesprächsverlauf nicht zu erwarten sind und machte in dem Fall das einzig Richtige: Sie ließ Assange frei und ohne Unterbrechungen ihrerseits reden – und ermöglichte den Zuschauern so interessante Einblicke in die Gedankenwelt des wohl berühmtesten Computer-Hackers der Welt. Am Ende des Interviews klappte es dann sogar mit einer knappen Antwort des Australiers. Darauf angesprochen, was sich Engelke für ihn wünschen solle, gab Assange zu: "Ich wäre gern wieder in der Lage, meine Familie und meine Kinder zu sehen. Das ist mein sehnlichster Wunsch."

mod

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