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stern-Kolumne "Winnemuth": Wie lieb, danke

Zu Einladungen werden den Gastgebern gern vermeintliche Gourmetwaren mitgebracht: hawaiianisches Salz, aromatisierte Öle, Motivpasta. Zeugs, das kein Mensch braucht.

Wer kennt es nicht? Die obligatorische Übergabe des Gastgeschenks - meist in Form einer Weinflasche.

Wer kennt es nicht? Die obligatorische Übergabe des Gastgeschenks - meist in Form einer Weinflasche.

Vor einiger Zeit hatten Freunde von mir mal eine verdammt gute Party-Idee namens "Drink your own bottle". Sie packten sämtliche Weinflaschen auf den Tisch, die ihnen in den vergangenen Jahren von Gästen zu Essenseinladungen mitgebracht worden waren. Jeder von uns musste sein eigenes Mitbringsel identifizieren und leeren, was je nach Großzügigkeit des Gastes mal mehr, mal weniger erfreulich war. Doch bei dieser Übung ging es nicht darum, Schenker von Tankstellen-Plörre zu beschämen, sondern allein um den Versuch, die stetig wachsende Sammlung von einsamen Flaschen zu dezimieren, die man immer schwer begeistert an der Wohnungstür entgegennimmt, dann in der Hektik auf die Anrichte oder den Küchentisch stellt und am Ende doch nie trinkt.

Im Zweifel wickelt man sie irgendwann in frisches Papier und nimmt sie zum nächsten Dinner mit – idealerweise nicht bei den Schenkenden. Wobei es in Hamburger Journalistenkreisen eine Zeit lang üblich war, zu Einladungen eine Flasche Schneider Black Print mitzubringen, von der am Ende keiner mehr sagen konnte, ob es nicht doch immer nur ein und dieselbe Flasche war, die da kursierte. (Nehme ich sofort zurück – haltlose These angesichts meiner trinkfreudigen Branche.)

Was machen mit den Salzbergen?

Wein ist natürlich, wie meist im Leben, das geringste Problem unter den zu entsorgenden Lebensmitteln. Viel anstrengender ist es bei anderen beliebten Mitbringseln für die Küche. Bei meinem letzten Umzug habe ich acht dekorative Töpfchen mit diversen Salzen gefunden, die unbenutzt in meinem Küchenschrank wohnten, unter anderem ibizenkisches Fleur de Sel, schwarzes hawaiianisches Salz, britische Maldon-Flocken und indisches Kala Namak, das stechend schwefelig riecht. Ich habe gerade gegoogelt, was man damit anfängt: Es soll veganen Gerichten den Geschmack von Eiern verpassen, und "in Jammu" wird es erfolgreich "gegen Struma" eingesetzt. Gut zu wissen, falls ich mal in Jammu bin und Struma habe.

Was macht man nun mit diesen Salzbergen? Eine "Eat your own salt"-Party scheidet aus, bleibt eigentlich nur, das Nudelwasser damit zu salzen, in dem man all die Beutel mit Fantasiepasta kocht, die einem ebenfalls ins Haus geschwappt sind: in den italienischen Farben quer gestreifte Farfalle oder sogenannte Motivnudeln in Form von Dinosauriern, Penissen oder der Wuppertaler Schwebebahn oder "Sombrerini Multicolori", die vermutlich genauso schmecken, wie sie heißen, wie mehrfarbige Strohhüte nämlich. Wir werden es nie wissen, denn wir werden sie nie kochen.

Was Sie mitbringen dürfen

Denn all dieses Essen wird ausschließlich zum Zweck des Mitbringselns fabriziert. Was früher die Präsentkörbe waren (Standardzubehör: halbes Pfund Kaffee, Dose mit eingelegten Pfirsichen, Großpackung Merci), ist heute hübsche, aber sinnlose angebliche Gourmetware: Öle in dekorativen Bügelflaschen mit schwimmendem Zeugs drin oder kompliziert aromatisierter Aceto Balsamico oder Risotto mit Gewürzmischungen in kleinen Leinenbeutelchen, liebevoll mit Stroh zusammengebunden, oder alkoholreiche Marmeladen in nostalgischen Gläschen mit karierten Tüchlein über dem Deckel.

Darf ich mir was wünschen? Bei der nächsten Essenseinladung bitte einfach ein halbes Pfund Butter mitbringen oder einen Sack Kartoffeln oder ein Pfund Roastbeef mit Remoulade. Dinge, die man wirklich braucht und tatsächlich isst. Gern auch, warum nicht?, eine Flasche Single Malt (Bunnahabhain, Aberlour, Cardhu – ich will Sie da keineswegs einengen). Grundnahrungsmittel halt, wir verstehen uns.

Die Kolumne...

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Von Meike Winnemuth
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