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KONFLIKT: Pakistan schließt den Einsatz von Atomwaffen nicht aus

Der pakistanische UN-Botschafter in New York erklärte im Schatten neuer Gefechte, sein Land habe nie den Ersteinsatz von Atomwaffen ausgeschlossen.

Heftige Artilleriegefechte und ein Überfall extremistischer Muslime mit insgesamt 30 Toten haben die Spannungen im indisch-pakistanischen Grenzgebiet weiter verschärft und die Kriegsgefahr erhöht. Pakistan verlegte Truppen von der afghanischen Grenze an die Grenze zu Indien, wo beide Staaten schon eine Million Soldaten zusammengezogen haben. Der pakistanische UN-Botschafter in New York erklärte unterdessen, sein Land habe nie den Ersteinsatz von Atomwaffen ausgeschlossen.

Schwere Gefechte

Bei dem Artillerie- und Mörsergefecht in der Nacht zum Donnerstag wurden nach offiziellen Angaben auf beiden Seiten jeweils 14 Menschen getötet und rund 20 verletzt. Bei dem Angriff auf eine Polizeikaserne in Jammu-Kaschmir wurden zwei indische Soldaten erschossen. Das Gefecht habe bis in die Morgenstunden angedauert, sagte ein Polizeisprecher. Angegriffen wurde ein Kaserne in Doda, eine Gebirgsregion 180 Kilometer nordöstlich von Jammu, die als Hochburg muslimischer Separatisten gilt.

Den Worten Taten folgen lassen

Der indische Außenminister Jaswant Singh rief Pakistan am Mittwoch noch einmal zu einem härteren Vorgehen gegen islamische Separatisten auf. Nach indischer Darstellung werden die Islamisten in Kaschmir von Pakistan unterstützt, was die Regierung in Islamabad aber bestreitet. Sein Land habe dem pakistanischen Machthaber Pervez Musharraf genug Zeit gegeben, seine Versprechungen zu erfüllen, sagte Singh nach einem Treffen mit dem britischen Außenminister Jack Straw. Auch Straw forderte Musharraf dazu auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

Musharraf hatte am Montag erklärt, die Infiltration von militanten Muslimen in den indischen Teil Kaschmirs sei gestoppt worden. Sein Land exportiere keinen Terrorismus. Ein Kommandant der extremistischen Muslimgruppe Jaish-e-Mohammed, Mohammed Musa, warf Musharraf vor, den Separatisten »den Dolch in den Rücken gestoßen« zu haben. Genauso sei Musharraf schon mit den Taliban im Nachbarland Afghanistan verfahren.

»Wir wollen Frieden«

Musharraf warnte Indien vor einem Angriff auf sein Land. »Wir wollen Frieden, aber wenn der Feind versucht, uns Krieg aufzudrängen, dann werden wir gebührend antworten«, sagte er bei einem Truppenbesuch.

»Sehr aufgeheizt«

Das Klima zwischen beiden Staaten ist auch aus Sicht der USA derzeit als »sehr aufgeheizt«. Die Situation könne leicht außer Kontrolle geraten, erklärte Außenministeriumssprecher Richard Boucher. Einem möglichen Atomkrieg zwischen Indien und Pakistan würden laut einer Analyse der US-Regierung vermutlich zwischen acht und zwölf Millionen Menschen zum Opfer fallen. Die Studie geht von einem Einsatz der gesamten Atomwaffenarsenale beider Seiten und der Ausrichtung auf dicht besiedelte Gegenden aus. Schätzungen zufolge besitzen Indien und Pakistan jeweils mehrere Dutzend Atomwaffen.

Großbritannien hat zur Entschärfung der explosiven Lage vorgeschlagen, die Waffenstillstandslinie von einer UN-Hubschraubertruppe überwachen zu lassen. Die Waffenstillstandslinie trennt seit 1972 den pakistanischen und indischen Teil Kaschmirs.