HOME

Winterchaos in ganz Europa: Advent, Advent, der Flughafen pennt

Lahmgelegte Flughäfen, verspätete Züge und keine Lady Gaga: Starke Schneefälle haben am Wochenende Passagieren in ganz Europa einen unbequemen Advent beschert. Ein Ende des Chaos ist nicht in Sicht.

Von Mareike Rehberg

Weiße Weihnacht' - nichts erhoffen wir uns sehnlicher, wenn die Adventszeit beginnt. Steht das frohe Fest vor der Tür und liegt der Schnee dann endlich zentimeterdick, kann die Freude über die weiße Pracht bei manchem schnell umschlagen, so wie dieser Tage zu erleben. Denn: Auf Straßen, Gehwegen, Schienen und Landebahnen in weiten Teilen Europas geht nichts mehr - oder wenig.

Der Schnee fällt und fällt und es ist kein Ende in Sicht. In Frankfurt, London, Brüssel und Paris bangen die Menschen an den Flughäfen um ihren Weihnachtsurlaub. Und wer bei uns gedacht hat, er sei besonders clever, weil er mit dem Zug durch Deutschland fährt, hat sich auch geschnitten: Die Bahn rät von Fahrten am Sonntagnachmittag eher ab. Für Autofahrer sieht es nicht besser aus, überall in Deutschland haben die winterlichen Verhältnisse zahlreiche Unfälle zur Folge.

Chaos an den Airports von London, Paris und Frankfurt

Besonders hart trifft der Winter momentan Europas größten Passagier-Flughafen London-Heathrow. Nicht nur die Zahnbürsten sind hier ausverkauft, nein, bis Montag sollen hier weder Maschinen starten noch landen. In der Zwischenzeit machen es sich die gestrandeten Reisenden unter kuschligen Isolierfolien auf dem Fußboden gemütlich. Ein besinnlicher vierter Advent sieht anders aus. Die Schließung des Drehkreuzes in London hatte außerdem Auswirkungen auf viele Fluggäste aus aller Welt, die von Heathrow nicht mehr weiterkamen oder gar nicht erst starten konnten. So bereiteten sich in Brüssel 1500 Passagiere auf eine zweite Nacht im Terminal vor, weil ihre Anschlussflüge nicht starteten.

Ähnlich die Situation am Pariser Airport Charles de Gaulle: Ein Viertel aller Flüge wurde gestrichen, auch hier liegt der Schnee zentimeterdick und die Passagiere harren ihres Schicksals. Rund 5000 Passagiere waren am Vortag von London nach Paris umgeleitet worden, nun bleibt Hunderten nichts als Warten. In Frankreich sind aber nicht nur Fluggäste von der Unbarmherzigkeit des Winters betroffen. Fans der Pop-Ikone Lady Gaga dürften an diesem Tag die Tränen in den Augen stehen, denn ihr für den Abend geplanter Auftritt in Paris-Bercy musste abgesagt werden. Etliche Lastwagen ihrer Tournee waren wegen der starken Schneefälle liegen geblieben.

Auch an den deutschen Flughäfen in München, Hamburg und Hannover-Langenhagen mussten Reisende viel Geduld mitbringen. Am schlimmsten traf es Frankfurt am Main. Bis Sonntagnachmittag wurde knapp die Hälfte der rund 1300 Flüge abgesagt. Besonders Inlandsflüge und Strecken innerhalb Europas sind betroffen. Zwar seien die Bahnen geräumt, allerdings bekomme man die Schließungen anderer europäischer Flughäfen zu spüren, zum Beispiel in Italien, Kroatien und London, sagte der Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport. Am Samstag lagen die Nerven einiger Reisender zeitweise blank: An der Gepäckabfertigung kam es zu Tumulten zwischen Passagieren, die teilweise seit Tagen warteten. Die Polizei musste einschreiten. Die Lufthansa hat auch für die kommenden Tage viele Flüge gestrichen und empfiehlt andere Verkehrsmittel.

Fragwürdige Alternativen: Bahn und Auto

"Welche denn?", möchte man fragen, denn auch mit Bahn und Auto macht das Reisen unter diesen Witterungsbedingungen keine Freude. Viele Züge in ganz Deutschland sind nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Bahn verspätet, einige fielen aus. Einige Züge seien wegen der Flugausfälle und der schwierigen Straßenverhältnisse so überfüllt, dass die Fahrgäste gebeten worden seien, wieder auszusteigen und den nächsten Zug zu nehmen. Selbst wenn es ihm gelingt, einen Platz im Zug zu ergattern, muss sich der Reisende auf längere Fahrzeiten gefasst machen: Wegen des Winterwetters hat die Bahn die Höchstgeschwindigkeiten ihrer Züge auf einigen Strecken auf 160 Stundenkilometer gedrosselt.

Auf den Autobahnen führten Schnee und Glätte zu zahlreichen Unfällen: In Niedersachsen musste die A 1 zwischen Cloppenburg und Vechta am Samstagmorgen für rund vier Stunden gesperrt werden, nachdem ein Lastwagen in die Mittelleitplanke geprallt war. In Rheinland-Pfalz wurde die A 3 im Westerwald nach einem Lkw-Unfall zwischen Diez und Montabaur in Richtung Köln gesperrt.

Eine Entspannung der Situation ist vorerst nicht in Sicht, in den nächsten Tagen soll es weiter schneien. Von Süden rückt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes aber wärmere Luft heran, ab Donnerstag könnte der Schnee dann in Regen übergehen, der auf den Straßen gefriert. Autofahrer sollten also besonders vorsichtig sein.

mit Agenturmaterial