Entnazifizierung Mein Lehrer war Nazi. Trotzdem durfte er zurück in den Schuldienst. Wie die meisten Pädagogen

Grundschullehrerin grüßt ihre Schüler in Berlin 1935 mit dem Hitlergruß
Mit dem Hitlergruß begrüßt 1935 eine Grundschullehrerin ihre Klasse in Berlin
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Herr W. war in der NSDAP und SA. Für den NS-Lehrerbund hatte er Stammbäume eingesammelt. Seine Entnazifizierungsakte erzählt die Geschichte eines Opportunisten, der nach dem Krieg von einer opportunistischen Politik profitierte. 
Herr W. war schon über 60, als er in der Grundschule unser Klassenlehrer wurde. Eigentlich hatte er in Rente gehen wollen. Doch dann verunglückte der Mann unserer Klassenlehrerin tödlich bei einem Verkehrsunfall. Sie gab uns an Herrn W. ab. Die Klassenlehrerin hatte ich sehr gemocht und immer Hausaufgaben gemacht. Herrn W. konnte ich nicht leiden. Er war mir zu autoritär. Hausaufgaben erledigte ich fortan nicht mehr. 1976 war das. Damals mussten Kinder Erwachsene zuerst grüßen und aufstehen, wenn der Lehrer den Unterrichtsraum betrat. Wir zogen bald weg aus dem kleinen Dorf in Niedersachsen. Jahrzehnte dachte ich nicht mehr an Herrn W. 

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