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Tropische Wirbelstürme: Warum "Irma" "Irma" heißt und weibliche Hurrikans größere Schäden verursachen

Kaum ist Hurrikan "Harvey" überstanden, zieht "Irma" ihre zerstörerische Bahn durch die Karibik. Wie kommen die Wirbelstürme eigentlich an ihre Namen? Und wieso sollten weibliche Stürme gefährlicher sein?

In Houston hat das Aufräumen nach Hurrikan "Harvey" gerade erst begonnen, da zieht mit "Irma" schon der nächste zerstörerische Wirbelsturm über Haiti und Kuba Richtung Florida. Damit nicht genug: "Irma" hat "José" im Schlepptau und vor der Karibik-Küste Mexikos tobt zudem gerade "Katia". Von H wie "Harvey" bis K wie "Katia": Die Welt-Meteorologen-Organisation WMO gibt tropischen Wirbelstürmen die Namen dem Alphabet folgend - abwechselnd männlich und weiblich, wobei eine wissenschaftliche Studie behauptet, weibliche Stürme seien gefährlicher als männliche. Doch dazu später mehr. Die Sturm-Namen werden in größeren Abständen immer wieder verwendet, es sei denn ein Sturm macht sozusagen "Karriere".

In diesen Fällen wird der jeweilige Name fest vergeben. So wird es beispielsweise einen Hurrikan names "Katrina" nie wieder geben. Zu sehr ist dieser Name mit der verheerenden Katastrophe verbunden, durch die 2005 vor allem große Teile der Region New Orleans verwüstet wurden und rund 1800 Menschen ums Leben kamen. "Niemand wird 'Katrina' oder 'Sandy' vergessen, weil man diesen Namen mit einem bestimmten Sturm verbindet", erläutert Susan Buchanan vom nationalen Wetterdienst der USA (NWS) dem TV-Sender ABC. "Irma", die gerade schwer in der Karibik wütet, dürfte also Chancen haben, in die Liste der fest vergebenen Sturm-Namen, die bis 1954 zurück reicht, aufgenommen zu werden. "Harvey" sicherlich ebenso.

"Irma" und "Harvey" - zwei Stürme für die Ewigkeit?

Ob es wirklich so kommt, liegt allerdings im Ermessen des internationalen Experten-Komitees der WMO. Auf ihrer Jahrestagung diskutieren die Meteorologen die Stürme der vergangenen Saison und entscheiden unter anderem, ob ein Hurrikan als historisch eingestuft und somit der Name fest vergeben wird. Entscheidende Kriterien, so Susan Buchanan, seien die jeweilige Stärke des Sturms und die Zerstörungen, die er angerichtet hat. "Irma" ist ein Hurrikan der Kategorie 5 und nie zuvor wurde ein Sturm beobachtet, der so lange die höchste Stufe gehalten hat. Zudem hat er bereits die Karibikinsel Saint Martin nahezu komplett verwüstet - ein klarer Anwärter auf die Liste der historischen Stürme.

Schon jetzt steht fest, dass der nächste Atlantik-Hurrikan nach "Katia" "Lee" heißen wird, darauf folgt "Maria". Die Abfolge der Sturm-Namen ist bereits bis ins Jahr 2022 festgelegt. Insgesamt gibt es zehn Namenslisten für die unterschiedlichen Sturmgebiete von der Karibik bis zum Indischen Ozean, wo man von Zyklonen statt von Hurrikanen spricht. Die Listen werden modifiziert, sobald ein Name fest an einen Sturm vergeben wird. Auch das ist Sache der Jahrestagung der WMO-Sturmexperten.

Flugzeug fliegt mitten durch den Hurrikan "Irma"


Sturm-Namen - mehr als nur ein Brauch

Stürmen Namen zu geben, ist übrigens nicht nur ein netter Brauch. Die aktuelle Lage im Atlantik zeigt eindrücklich, warum Meteorologen das tun: "Um Verwirrungen zu vermeiden", erläutert Susan Buchanan vom NWS. Wenn mehrere Hurrikans unterwegs sind, ist es wichtig, sich darüber einig zu sein, über welchen Sturm man spricht, gelten die Informationen aus den Wetterzentralen doch als Grundlage für Vorbeugungs- und Rettungsmaßnahmen. Mit der Namensgebung begonnen haben soll ein australischer Wettervorhersager namens Clement Wragge im 19. Jahrhundert. Er benutzte damals noch das griechische Alphabet für seine Sturm-Bezeichnungen. Das ist auch heute noch üblich, sobald in einer Hurrikan-Saison mehr als 21 tropische Wirbelstürme entstehen.

Hierzulande werden nicht nur Orkane und Stürme benannt, sondern alle für das Wetter in Deutschland relevanten Hoch- und Tiefdruckgebiete. Entwickelt sich daraus ein Unwetter, so trägt dieses den Namen des jeweiligen Tiefs. Seit 1954 werden die Namen vom Meteorologischen Institut der Freien Universität Berlin vergeben. Seit 2002 kann man gegen Bezahlung eine Namenspatenschaft übernehmen. In geraden Jahren tragen Tiefs weibliche und Hochs männliche Namen, in ungeraden Jahren ist es umgekehrt. Dies gilt seit 1998 und ist eine Entsprechung der amerikanischen Regel, Frauen- und Männernamen von Stürmen abzuwechseln. Beide Regelungen wurden eingeführt, um zu vermeiden, dass Tiefs - und damit zumeist schlechtes Wetter - grundsätzlich weiblich benannt werden, was als Diskriminierung empfunden wurde.

Drei Hurricane auf einmal: Katia, Irma, Jose - Namen dienen der einfachen Unterscheidung

Gleich drei Hurricanes wüten derzeit in der Karibik: "Katia" (links, vor der mexikanischen Küste), "Irma" (Mitte) und "José". Die Benennung der Sturmtiefs erleichtert Wetter- und Rettungsdiensten die Arbeit.


Studie: Weibliche Hurrikans sind gefährlicher

Glaubt man einer US-Studie von 2014, so ist die Benennung von Hurrikans mit weiblichen oder männlichen Namen aber keineswegs egal. Im Gegenteil: Die Auswertung von Daten aus 60 Jahren zeige, dass die Zahl der Todesopfer bei weiblich benannten Hurrikans nachweislich deutlich höher sei als bei Wirbelstürmen mit Männernamen, heißt es. Was sich verrückt anhört, hat einen nachvollziehbaren, wenn auch überraschenden Grund. Laut der Studie entsteht die höhere Gefährlichkeit natürlich nicht durch den weiblichen Namen an sich, sondern aus den anerzogenen "geschlechtsspezifischen Erwartungen".

Im Klartext: Trägt ein Hurrikan einen Frauennamen, halten ihn viele Menschen deswegen - wohl unbewusst - für weniger gefährlich. Dementsprechend würden sie sich auch nachlässiger auf den Sturm vorbereiten und geringere Schutzmaßnahmen ergreifen als bei einem männlich benannten Hurrikan. Nach Auffassung der Autoren der Studie müssten Politik, Behörden und auch die Medien dies unbedingt berücksichtigen, um die Opferzahlen bei schweren Stürmen zu senken. Spätestens seit "Katrina" sollte aber eigentlich niemand mehr einen "weiblichen" Hurrikan unterschätzen.