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"Rosetta"-Mission: Auf zur Kometenjagd

Die maßgeblich von deutschen Wissenschaftlern und Technikern gebaute Kometensonde Rosetta hat ihre zehnjährige Reise durch das Sonnensystem begonnen.

Die maßgeblich von deutschen Wissenschaftlern und Technikern gebaute Kometensonde Rosetta hat ihre zehnjährige Reise durch das Sonnensystem begonnen. Nach zwei fehlgeschlagenen Startversuchen hob Rosetta am Dienstagmorgen an Bord einer Ariane-5-Rakete vom Weltraumzentrum Kourou in Französisch-Guayana ab. Die Raumsonde soll nach einem fünf Milliarden Kilometer langen Raumflug im Jahr 2014 den Kometen Tschurjumow-Gerasimenko erreichen. Mit Hilfe des Landeroboters Philae will die ESA erstmals in der Geschichte der Raumfahrt eine Landung auf einem Kometen versuchen.

"Europa ist auf dem Weg in die Tiefen des Weltraums", sagte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain in Paris. Mit dem Start von Rosetta habe die europäische Raumfahrt erneut bewiesen, dass sie ein wichtiger Partner bei der Erforschung des Alls sei. Der technische Direktor der ESA, Gaele Winters, berichtete im Kontrollzentrum in Darmstadt, alle Systeme an Bord der Raumsonde arbeiteten normal: "Rosetta ist unter Kontrolle und verfügt über Energie." Das Bundesforschungsministerium erklärte in Berlin, der erfolgreiche Start sei ein Beweis für europäische Spitzenleistung. Die Kosten der Rosetta-Mission liegen bei rund einer Milliarde Euro.

Sonnensegel gewährleisten Stromversorgung

Nachdem der Countdown in der vergangenen Woche zwei Mal gestoppt werden musste, wurde der Start der Ariane-5 um 08.17 Uhr (MEZ) bei der ESA, aber auch beim Raumfahrtkonzern EADS und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Erleichterung aufgenommen. Rosetta war unter Federführung von EADS Astrium in Friedrichshafen am Bodensee gebaut worden. Den Landeroboter Philae hatte die DLR in Köln konstruiert. Die Rosetta-Mission belege die internationale Spitzenstellung Europas in der Kometenforschung, sagte Astrium-Chef Josef Kind.

Knapp zweieinhalb Minuten nach dem Start wurden die beiden seitlichen Feststoffraketen der Ariane-5 abgetrennt. Pünktlich um 10.32 Uhr (MEZ) erfolgte schließlich die Trennung zwischen Rosetta und der Oberstufe der Ariane-5. Wenige Sekunden später wurde in Darmstadt das erste Signal von der Raumsonde empfangen. Eine Viertelstunde später entfalteten sich beide Sonnensegel und gewährleisteten die Stromversorgung von Rosetta. Starke Höhenwinde hatten am vergangenen Donnerstag den ersten Startversuch der Kometensonde verhindert. Ein zweiter Anlauf musste am Freitag wegen eines Schadens an der Wärmeisolierung der Ariane-5 abgebrochen werden.

Hoffentlich neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems

Ziel der Rosetta-Mission ist es, die letzten Rätsel über Kometen zu lösen. Die Schweifsterne werden von den Wissenschaftlern als Überbleibsel aus der Frühphase des Sonnensystems angesehen, die sich seither kaum verändert haben. Von der Untersuchung erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren. Vermutet wird auch, dass Kometen Träger komplexer organischer Moleküle sind. Diese Moleküle könnten durch einen Kometeneinschlag erstmals auf die Erde gelangt sein und so die Entstehung von Leben auf unserem Planeten erst möglich gemacht haben.

AP

AP / AP