40 Jahre Mondlandung "Dr. Rendezvous" verlor die Erdung


Das ABC der Mondlandung ist schnell buchstabiert: Armstrong, "Buzz" und Collins. Der Mond machte die drei Astronauten der "Apollo 11"-Mission weltberühmt. Auf die Erde kamen alle körperlich unversehrt zurück. Doch die Reise ins All warf manchen aus der Bahn.

Als erster Mensch auf dem Mond hat sich Neil Alden Armstrong einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert. Am 21. Juli 1969 deutscher Zeit betrat er den staubigen Boden des Erdtrabanten - mit dem linken Fuß zuerst und zögerlich, als erwarte ihn eiskaltes Wasser. Mit der Monderoberung erfüllte Armstrong der Menschheit einen ihrer größten Träume. Sein Satz "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit" ist vielleicht der berühmteste des 20. Jahrhunderts. 500 Millionen Zuschauer weltweit verfolgten die Mondlandung gebannt vor dem Fernseher.

Das Mondabenteuer brachte Armstrong, dessen Urgroßvater aus Westfalen stammt, den Beinamen "Kolumbus der Raumfahrt" ein. Armstrong, der Luftfahrttechnik studiert hatte und im Korea-Krieg als Kampfpilot eingesetzt war, wurde 1962 von der Nasa als Raumfahrer präsentiert. 38-Jahre war er alt, als er die "Apollo 11"-Mission leitete - und als erster Mensch den Mond betrat. 19 Minuten nach ihm folgte Edwin Eugene Aldrin. Bei der Erfüllung dieses Menschheitstraumes als die ewige Nummer zwei zu gelten, hat Aldrin nie verwunden. Auch zurück auf der Erde stand er stets in zweiter Reihe. Zufall oder nicht: Noch heute lässt er in seinem Internetauftritt die Reihenfolge des Ausstiegs bei der Mondlandung unerwähnt und nennt Armstrongs Namen erst nach seinem eigenen.

Der erste, der sich auf dem Mond in die Hose machte

Die Enttäuschung wollte Aldwin sich nie anmerken lassen. Lapidar sagte er einmal: "Neil sollte der erste Mann sein, der auf dem Mond herumläuft, ich bin der erste Mann, der auf dem Mond in seine Hose pinkelte". Die weltweit gefeierte Heldentat der "Apollo 11"-Crew machte Aldrin nach und nach krank. Er bekam schwere Depressionen, wurde alkoholkrank, zwei Ehen scheiterten. Ihm hätten nach dem Flug zum Mond schlicht die Ziele gefehlt, schrieb er rückblickend in seinem 1973 erschienenen Buch "Rückkehr zur Erde."

Dabei wirkt Aldrin wie der Prototyp eines Astronauten. Wie "Apollo"-Kollege Collins schaffte er die Aufnahme in die militärische Kader-Schmiede "West-Point" und war Drittbester seines Jahrgang 1951. Im Korea-Krieg flog er 66 Kampfeinsätze und schoss zwei feindliche MiG-Kampfjets ab. Sein Fliegername war "Buzz", der zu seinem Rufnamen wurde. Mitte der 1950er war er drei Jahre im rheinland-pfälzischen Bitburg stationiert. 1963 folgte die Aufnahme ins Nasa-Mond-Programm.

Armstrong wollte seinen Friseur verklagen

Aldrin war der erste Astronaut mit Doktorwürde. Die hatte er sich mit seinen theoretischen Studien über das Andocken von Raumschiffen erarbeitet. Daher auch sein Spitzname "Dr. Rendezvous". 1966 beendete er mit dem Flug in "Gemini 12" das "Gemini"-Programm, das den "Apollo"-Missionen vorangegangen war. "Ohne seine Fähigkeiten hätte "Apollo" nicht erfolgreich beendet werden können", sagt die Nasa.

Einen guten Grund, depressiv zu werden, hätte auch der dritte Astronaut im Bunde gehabt. Michael Collins, ebenfalls ein ausgebildeter Kampfflieger und Testpilot, spielte bei der historischen Landung die am wenigsten beachtete Rolle. Als Armstrong und Aldrin in der Landefähre "Eagle" die Mondoberfläche ansteuerten, harrte Collins in der Kommandokapsel "Columbia" aus. Während seine Kollegen als erste Menschen den Mond betraten und eine halbe Milliarde Menschen vor dem Fernseher jubelte, drehte Collins Warteschleifen in der Umlaufbahn des Erdtrabanten. Im Funkloch auf der Mondrückseite muss er damals der wohl einsamste Mensch der Welt gewesen sein. Zu allem Überfluss vergaß US-Präsident Richard Nixon bei seiner Live-Schaltung vom Weißen Haus zum Mond auch noch, Collins Namen zu erwähnen - er sprach nur zu den anderen beiden.

Collins machte sich in den vergangenen Jahren vor allem einen Namen als Buchautor. Unter anderem schrieb er Bücher über seine Reisen ins All. Auch Aldrin versuchte sich im Schreiben von Science-Fiction-Romanen. Armstrong ist zwar bis heute der berühmteste Astronaut der Nasa geblieben, aber er ist auch der Schweigsamste. Anders als viele seiner früheren Kollegen hat Armstrong zahllose lukrative Angebote ausgeschlagen, seine Erlebnisse und Gedanken in Büchern niederzuschreiben. Dem Interesse an seiner Person schadete das nicht. Im Mai 2005 drohte Armstrong, seinen Friseur zu verklagen: Er hatte unerlaubterweise Haare der Raumfahrtlegende für mehrere tausend Dollar verkauft.


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