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Sonnensystem Mini-Asteroid kommt der Erde sehr nahe: Was es mit Sternschnuppen, Meteoriden und Near-Earth-Objects auf sich hat

Blick auf die umlaufbahnen der innerhalb mit Planeten mit Astroid 2011 ES4
Blick auf das innere Sonnensystem am 1. September 2020: Erde (hellblau) und Asteroid "2011 ES4" (weiß) kommen sich aus dieser Perspektive wirklich sehr nahe.
© Screenshot Jet Propulsion Laboratory / Nasa
Viele halten gerade Ausschau nach Sternschnuppen. Winzige Gesteins- und Staubteilchen verglühen da in der Atmosphäre. Würde Asteroid "2011 ES4" in unsere Lufthülle eintauchen, gäbe es ein weit größeres Feuerwerk. Er kommt der Erde bald sehr nahe, zum Glück aber nicht so nahe.

Das Universum ist zwar unendlich, und es gibt auch wirklich jede Menge Platz, das bedeutet aber nicht, dass um uns herum nichts unterwegs ist. Im Gegenteil: Neben den inzwischen rund 8000 Tonnen Weltraumschrott, für die wir selbst gesorgt haben, sind auch reichlich natürliche Brocken unterwegs. Die rasen gar nicht mal selten an unserem Planeten vorbei - meist glücklicherweise in großem Abstand. Recht nah kommt uns in den nächsten Tagen aber der Asteroid "2011 ES4".

"Am 1. September bitte nicht zu weit aus dem Fenster lehnen", machte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kürzlich in einem launigen Tweet auf den Asteroiden aufmerksam. Dann sause "ein Mini-Asteroid ziemlich knapp an der Erde vorbei". Nach jüngeren Angaben bis auf etwa 123.000 Kilometer - das entspricht etwa einem Drittel der Distanz zwischen Erde und Mond (rund 385.000 Kilometer) - wird "2011 ES4" der Erde demnach nahe kommen. 

Asteroid bis zu 49 Meter groß

Sein Durchmesser werde auf 22 bis 49 Meter geschätzt, sagt Manfred Gaida von der DLR-Abteilung Erforschung des Weltraums. Da für den Asteroiden bisher erst wenige Messungen vorlägen, könne die genaue Größe noch nicht genannt werden. Mal ein Vergleich zur Einordnung: Die Gesteins- und Staubteilchen, die derzeit für den Sternschnuppen-Regen der sogenannten "Perseiden" sorgen, sind nur etwa 0,1 Millimeter groß oder etwas größer. Eine besonders große Sternschnuppe - Feuerkugel oder Bolide genannt - ist ein massiverer Himmelskörper der Größenordnung ab ein Zentimeter und mehr - und der erzeugt schon eine auffällige Feuerspur am Himmel, wenn er in der Atmosphäre verglüht.

Von einem 22 bis 49 Meter großen Brocken wie es "2011 ES4" ist, dürften es im (nicht gegebenen) Ernstfall einige Teile bis auf die Erdoberfläche schaffen, und es würde einiger Schaden angerichtet. Der Tscheljabinsk-Meteor, der im Februar 2013 in etwa 30 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche auseinanderbrach und durch dessen Auswirkungen 1500 Menschen verletzt und 3700 Gebäude beschädigt wurden, war kleiner. Er hatte einen Durchmesser von 19 Metern. Für die Schwere der Schäden sind allerdings noch einige weitere Aspekte wichtig - darunter Zusammensetzung und Dichte des Himmelskörpers sowie der Winkel der Absturzbahn. Die in Kinofilmen viel beschworene globale Katastrophe durch einen Impact würde wohl erst durch einen Broken von mindestens 500 Metern Durchmesser ausgelöst.

"2011 ES4" - ein freundlicher Besucher

Von all' dem kann jetzt keine Rede sein, "2011 ES4" zieht zwar recht nahe, aber dennoch weit genug an uns vorbei, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Solche "Nahbegegnungen" sind sogar gar nicht mal so selten. Mit Asteroiden, die innerhalb der Mondbahn an der Erde vorbeirauschen, sei durchschnittlich 2,4 Mal pro Jahr zu rechnen, erläutert DLR-Forscher Gaida. Unser Besucher vom 1. September werde den sogenannten Apollo-Asteroiden zugerechnet, von denen man inzwischen etwa 4000 Bahnen kenne. In diese Klasse gehörte auch der Tscheljabinsk-Meteor, den allerdings niemand hatte kommen sehen. Der Brocken näherte sich seinerzeit der Erde aus Richtung Sonne, so dass die Überwachungssysteme quasi geblendet waren.

Dieser Vorfall, aber auch die letztlich freundliche "Nahbegegnung" mit dem aktuellen Asteroiden zeigen, wie nötig die zahlreichen Programme der Raumfahrtnationen zur Beobachtung der sogenannten "Near Earth Objects" sind. Verstanden werden darunter Asteroiden, Kometen und große Meteoriden, die bei ihrem Umlauf um die Sonne die Erdbahn kreuzen, so dass es irgendwann zu einer Kollision kommen kann ("2011 ES4" gehört übrigens dazu). In der Vergangenheit hat es folgenschwere Einschläge gegeben, und es wird irgendwann wieder ein Einschlag bevorstehen. Ziel der Projekte ist es, gewappnet zu sein, möglichst viel über erdnahe Objekte und ihre Bahnen zu erfahren und so die Gefahr einer möglichen katastrophalen Kollision frühzeitig zu erkennen. So rechtzeitig, dass ein gefährlich werdendes Himmelsobjekt noch an der Erde vorbeigelenkt werden kann.

Quellen: Astronomie.info; Twitter DRLEsa; Esa Space DebrisNasa; Nachrichtenagentur DPA


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