ESA-Mission "Rosetta"-Start verzögert sich erneut


Ein zehn Zentimeter großes Loch in der Raketenisolierung hat den Start der europäischen Kometenmission "Rosetta" erneut verhindert. Ein neuer Versuch soll Anfang kommender Woche angesetzt werden.

Ein Schaden an der Wärme-Isolierung der Trägerrakete Ariane-5 hat am Freitag den Start der europäischen Kometenmission "Rosetta" erneut verzögert. Wie Arianespace am Freitag in Darmstadt berichtete, wurde bei einer Inspektion der Rakete am Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guayana ein etwa zehn Zentimeter langes Kunststoffteil gefunden, dass sich von der Isolierung gelöst hatte. Nach Einschätzung der europäischen Weltraumagentur ESA wäre ein Start mit der schadhaften Isolierung zu gefährlich gewesen.

Wie Arianespace-Manager Hans Zeller erklärte, wurde ein Spezialteam aus Europa nach Kourou entsandt, das die Isolierung der Rakete bis Anfang nächster Woche reparieren soll. Nach Zellers Worten kühlt sich die Rakete beim Betanken mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff, den beiden Hauptantriebsmitteln, bis auf etwa minus 250 Grad Celsius ab. In der feuchten Luft in Guayana bilde sich daher an einer nicht isolierten Stelle sofort Eis, das beim Start abfallen könne: "So wollen wir nicht fliegen." Arianespace bemühe sich, der ESA die größtmögliche Sicherheit beim Start zu bieten.

"Wir sind enttäuscht"

Ein Schaden an der Isolierung der Rakete hatte vor gut einem Jahr den Absturz der US-Raumfähre Columbia ausgelöst. "Wir sind enttäuscht, dass wir heute keinen Start durchführen konnten", sagte der Technische Direktor der ESA, Gaele Winters, in Darmstadt. Die Mission sei aber nicht gefährdet. "Rosetta" verfüge bis zum 17. März noch über fünf mögliche Starttermine. Die Ariane-5 mit der drei Tonnen schweren Kometensonde an Bord soll nach der Reparatur nun Anfang kommender Woche starten.

Die "Rosetta"-Mission sollte ursprünglich bereits am Donnerstag ins All aufbrechen. Beim ersten Anlauf war der Countdown aber wegen ungünstiger Windverhältnisse rund neun Minuten vor dem Abheben der Rakete gestoppt worden. Nach Zellers Worten wurden daraufhin die Raketentanks mit den flüssigen Treibstoffen entleert. Im Rahmen der anschließenden Routineinspektion sei auch die Startrampe nochmals untersucht worden. Dabei hätten Mannschaften das abgefallene Stück Isolierung gefunden.

Die fast eine Milliarde Euro teure "Rosetta"-Mission soll erstmals in der Geschichte der Raumfahrt die Landung auf einem Kometen versuchen, um dessen Beschaffenheit genauer zu untersuchen und Fotos von der Kometenoberfläche zur Erde zu senden. Ziel der rund fünf Milliarden Kilometer langen Reise ist der Komet Tschurjumow-Gerasimenko, den die Sonde im Jahr 2014 erreichen soll. Für den November 2014 ist dann die Landung auf dem Kometen geplant. Dazu soll "Rosetta" den im wesentlichen von deutschen Wissenschaftlern und Technikern entwickelten Landeroboter "Philae" absetzen.

20 Versuchseinrichtungen auf der "Rosetta"

An der Kometen-Mission sind vor allem europäische, aber auch amerikanische Wissenschaftler beteiligt. Insgesamt befinden sich auf "Rosetta" und "Philae", darunter mehrere Kameras. Der Start war ursprünglich schon für Anfang 2003 geplant; damals war der Komet Wirtanen das Ziel. Er musste aber wegen Problemen mit der Trägerrakete Ariane verschoben werden: Eine Ariane-5 war am 11. Dezember 2002 wegen eines Fehlers am Haupttriebwerk kurz nach dem Start explodiert. Wegen der daraus resultierenden Verzögerung mussten die Wissenschaftler einen neuen Zielkometen suchen.

Kometen werden von den Wissenschaftlern als Überbleibsel aus der Frühphase des Sonnensystems angesehen, die sich seither kaum verändert haben. Von der Untersuchung erhoffen sich die Forscher neue Erkenntnisse über die Entstehung des Sonnensystems vor rund 4,5 Milliarden Jahren.

DPA

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