Neuer Direktor Radikalkur für die Nasa

Schneller, höher, weiter - aber dennoch auch viel sparsamer. So will der neue Nasa-Chef Michael Griffin die US-Weltraumbehörde fit machen für die großen Visionen des 21. Jahrhunderts - mitunter zu Lasten der alten.

Weiter in den Weltraum, schneller bei Entwicklungen und sparsamer in den Strukturen: Mit ihrem neuen Direktor Michael Griffin droht der US-Weltraumbehörde Nasa eine Radikalkur. Außerdem leitet der 55-Jährige eine neue Epoche in der Raumfahrt ein: Die Nasa will erstmals Menschen und Roboter auf Expeditionen über Mond und Mars hinaus ins Weltall schicken.

Sonden-Oldtimer werden abgeschaltet

Diesen teuren Programmen folgen Kürzungen an anderer Stelle. Über die Jahre lieb gewordenen Raumkörpern wie dem alternden Weltraumteleskop "Hubble" oder den beiden in den Weiten des Sonnensystems kreuzenden "Voyager"-Sonden droht das Aus. Fast jeder siebte der rund 18 000 Mitarbeiter fürchtet um seine Arbeit.

Griffin werde endlich "frischen Wind" in die Nasa bringen, frohlockte das Senatskomitee bei der Anhörung. Schließlich ist der Physiker und Raketenspezialist, der schon einmal von 1991 bis 1994 als Chefingenieur bei der Nasa anheuerte, technisch versierter als jeder seiner zehn Vorgänger in der 47-jährigen Nasa-Geschichte.

Workaholic macht Druck

Den Senatoren erzählte Griffin auch, was er von der Nasa der vergangenen 20 Jahre hält - nämlich nicht viel: "Es ist Zeit zu erkennen, dass wir einen einst unerreichbaren Vorsprung in der Kunst und Wissenschaft des Raumflugs leichtfertig verspielt haben".

Jetzt macht Griffin, den Mitarbeiter als "Workaholic" beschreiben, Druck. Ab sofort hat er nach eigenen Worten alles dem für den 15. Mai geplanten Start der Raumfähre "Discovery" untergeordnet. Nach dem Absturz der "Columbia" vor zwei Jahren blieb die restliche "Shuttle"-Flotte zur Generalüberholung auf dem Boden. Acht von 15 Sicherheitsauflagen haben die Nasa-Techniker bislang erst erfüllt.

Bis zum Mars und weiter

Wenn die "Space-Shuttle" wieder starten, geht auch der 1998 begonnene Ausbau der Internationalen Raumstation ISS weiter. Insbesondere die Europäer hoffen, dass die Nasa im Jahr 2006 - mit zweijähriger Verspätung - das fertig gestellte und inzwischen eingemottete Raumlabor "Columbus" zur ISS bringt.

Auf große Liebe stößt die in 400 Kilometer über der Erde kreisende Raumstation bei Griffin nicht. "Wir haben in den Jahrzehnten seit Apollo schändlich wenig Fortschritt bei der Erforschung des Weltraums über den erdnahen Orbit hinaus gemacht", sagte er im Vorjahr auf einer Fachtagung. Als Direktor will Griffin jetzt die Weltraumvision von US-Präsident George W. Bush umsetzen. Danach wird bis zum Jahr 2020 eine Basisstation auf dem Mond aufgebaut. Von dort sollen dann bemannte Raumflugkörper bis zum Mars und weiter fliegen.

Wie hoch wird das Budget sein?

Die neuen Raumfahrzeuge lösen die "Space Shuttle" ab, die nach Ausbau der ISS im Jahr 2010 außer Dienst gestellt werden. Bislang sollte das neue Modell erst 2014 betriebsbereit sein. Zu spät, befindet Griffin: "Ich möchte uns nicht in der Lage sehen, dass wir beim Zugang zum Weltall auf einen Partner angewiesen sind - einen verlässlichen oder unverlässlichen". Außerdem habe die Entwicklung der Apollo-Kapsel auch nur sechs Jahre gedauert, sagte er.

Viel wird bei Bushs und Griffins hoch fliegenden Plänen vom US-Kongress abhängen. Unklar ist, ob der Nasa für 2006 ein um 2,5 Prozent höheres Budget von 16,5 Milliarden US-Dollar (12,8 Milliarden Euro) bewilligt wird. Außerdem regen sich Proteste gegen die von Griffin angekündigten "harten Entscheidungen" und neuen Prioritäten.

Voyager-Sonden werden in den Ruhestand geschickt

Nach einem Bericht der "Washington Post" stehen 2680 der 17 475 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Erste Kürzungen gibt es nach Medienberichten bereits bei den Aeronautikern, die unter anderem in Windkanälen das Design für Flugzeuge erforschen oder aber Lärm auf Flughäfen untersuchen.

Obwohl kein Raumkörper soweit wie die beiden "Voyager"-Sonden in die Weiten des Sonnensystems vordrang, droht beiden nach 28 Jahren aus Spargründen das Aus. Die Energie würde noch bis 2020 reichen.

Hans Dahne/DPA


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