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Pluto: Exzentrischer Eiszwerg

Vor 75 Jahren entdecke Clyde William Tombaugh den letzten Planeten unseres Sonnensystems: Pluto. Der Miniplanet würde heute wahrscheinlich gar nicht mehr als solcher durchgehen.

Seit der Entdeckung des Pluto ist auf dem äußersten Planeten unseres Sonnensystems nicht einmal ein drittel Jahr vergangen. 248 Erdenjahre benötigt Pluto für einen einzigen Umlauf um die Sonne. Erst vor 75 Jahren stieß der US-Astronom Clyde William Tombaugh auf den winzigen eisigen Außenseiter unseres Sonnensystems. Die Nachricht von der Entdeckung weckte am 13. März 1930 sofort weltweites Interesse und Spekulationen, ob es sich um den lange gesuchten, großen "Planet X" handeln könnte. Doch ein solcher Planet ist bis heute nicht gefunden worden. Wahrscheinlich existiert er gar nicht.

Ist er wirklich ein richtiger Planet?

"Wenn es dort draußen noch ein größeres Objekt gäbe, dann hätten wir es mittlerweile aufgespürt - mit dem "Hubble"-Teleskop oder mit Infrarot-Instrumenten", meint Ralf Jaumann, Leiter der Abteilung Planetengeologie am Institut für Planetenforschung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Etwas Großes würde sich auch durch seine Schwerkraftwirkung auf andere Objekte verraten.

Aber schon bei Pluto sind sich die Astronomen gar nicht einig, ob es sich überhaupt um einen Planeten handelt: Der Sonnenabstand des exzentrischen Außenseiters, der zu knapp einem Drittel aus Wassereis besteht, schwankt stark. Pluto ist je nach Jahreszeit 30 bis 50 Mal soweit von unserem Zentralgestirn entfernt wie die Erde. Seine Bahn ist dabei so schief und eiförmig, dass der kleine Eisplanet nicht nur in einer anderen Ebene um die Sonne kreist als die übrigen Planeten. Er kreuzt auch regelmäßig die Neptunbahn nach innen und wird damit vorübergehend zum achten Planeten. Das war zuletzt von in den 80er und 90er Jahren der Fall. Seit dem 11. Februar 1999 ist Pluto aber wieder der neunte Planet.

Heute wird der Planetenstatus nicht mehr so schnell verliehen

Der nach dem griechischen Gott der Unterwelt benannte Winzling hat nur einen Durchmesser von 2 300 Kilometern. Zum Vergleich: Der nächstgrößere Planet, Merkur, misst bereits fast 4 900 Kilometer, die Erde ist rund 12 800 Kilometer groß. Damit passt die eisige Felskugel schlecht zu den gigantischen Gasplaneten wie dem fast 49 000 Kilometer großen Neptun, die das äußere Sonnensystem bevölkern. Statt eines Gasriesen ist Pluto eher ein Eiszwerg, wie sie zu zigtausenden bei der Entstehung des Sonnensystems übrig geblieben sind und seitdem den so genannten Kuipergürtel am Rand unseres Systems bevölkern. Unter den Eiszwergen ist Pluto allerdings mit Abstand der größte bekannte.

"Wenn viele Kollegen Pluto heute vom wissenschaftlichen Standpunkt nicht mehr als Planeten sehen würden, so doch vom historischen", erläutert Jaumann. Und so beendete auch die für solche Fragen zuständige Internationale Astronomische Union (IAU) 1999 den Astronomenstreit mit der Entscheidung, dass Pluto den Planeten zuzurechnen sei. "Wäre er jedoch heute entdeckt worden, würde man ihm wahrscheinlich nicht mehr so einfach den Planetenstatus geben", sagt Jaumann. Der blieb auch dem mit 1700 Kilometern Durchmesser nur wenig kleineren Planetoiden Sedna verwehrt, den Astronomen im vergangenen Jahr entdeckt hatten.

Kein weiterer Planet X

Genaueres über die im Mittel minus 230 Grad Celsius kalte, unwirtliche Eiswelt und ihren Mond Charon soll die Raumsonde "New Horizons" der US-Raumfahrtbehörde Nasa enthüllen, die am 11. Januar 2006 starten wird. Im Juli 2015 soll sie mit Pluto den letzten Planeten unseres Systems erreichen, der noch nicht von einer irdischen Sonde besucht worden ist, und von 2016 bis 2020 die Eiszwerge des Kuipergürtels untersuchen.

Den Nachweis für einen "Planet X" erwarten die Astronomen von der Expedition nicht. Dessen Existenz hatte schon die akribische Arbeit von Pluto-Entdecker Tombaugh weitgehend ausgeschlossen. Tombaugh, der Pluto bereits knapp einen Monat vor der Bekanntgabe der Entdeckung am 18. Februar auf einem Himmelsfoto aufgespürt hatte, durchmusterte auf der Suche nach "Planet X" in tausenden Stunden Arbeit noch rund 90 Millionen Sternaufnahmen, die 70 Prozent des Himmels abdeckten - ohne Erfolg.

Till Mundzeck/DPA

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