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Raumfähre "Atlantis": Muckis im Weltall

Fest sitzende Schrauben sind ein Ärgernis - in der Schwerelosigkeit des Weltalls werden sie zum reinen Albtraum. Wenn die Raumfähre "Atlantis" zur ISS fliegt, werden die Astronauten ein paar schwere Bolzen lösen müssen. Dafür trainieren sie schon jetzt.

Im September vergangenen Jahres mühten sich zwei Nasa-Astronauten 20 Minuten mit vereinten Kräften, um einen von 16 Sicherheitsbolzen aus dem Drehgelenk neuer Sonnensegel zu lösen. Beim nächsten Flug der Raumfähre "Atlantis", der am Freitag beginnt, sollen mehr Muskelkraft, besseres Handwerkszeug und neue Software alles richten.

Das Drehgelenk machte immer wieder Ärger

"Sie machen jeden Tag ihr Fitness-Programm", scherzt Kommandant Rick Sturckow. Dieses Mal müssen die beiden Astronauten Steven Swanson und Patrick Forrester während eines Außenbordeinsatzes die Bolzen aus dem Drehgelenk lösen. Diese Schrauben verhindern, dass sich das Gelenk während des Transports von der Erde zur Internationalen Raumstation ISS bewegt. Mit einem Durchmesser von drei Metern ähnelt das Teil einem gewaltigen Wagenrad. Daran soll dann im All ein Paar neuer Sonnensegel angebracht werden. Während die ISS die Erde umkreist, drehen sich diese mehr als 70 Meter langen Paneelen mit und richten sich automatisch der Sonne nach aus.

Das Drehgelenk machte bei den letzten beiden Flügen der "Atlantis" und "Discovery" im vergangenen September und Dezember bereits Ärger. Erst saßen einige Bolzen zu fest. Dann spielte die Software verrückt. Die Nasa hat die Konsequenzen gezogen: Forrester und Swanson bekommen einen neuartigen Bolzendreher mit auf die Reise. Der übersetzt und multipliziert förmlich die menschliche Kraft und soll selbst die hartnäckigsten Fälle lösen. Schließlich hat die Nasa auch die Software für die Ausrichtung der Segel überarbeitet.

Mehr Energie heißt mehr Lebensraum

Die "Atlantis" fliegt jetzt das dritte von insgesamt vier Paaren neuer Sonnensegel zur ISS. Dieses Paar wird an der Steuerbordseite angebracht. Damit flankieren dann links und rechts neue Sonnensegel die Raumstation. Beide Paare kosten samt Drehgelenk jeweils 367 Millionen Dollar (273 Millionen Euro). Damit sich das neue Paar frei drehen kann, müssen alte Sonnensegel, die im Wege stehen, eingeholt und verpackt werden. Beim letzten Versuch im Vorjahr klemmte anfangs der automatische Mechanismus. Forrester und Swanson sollen deshalb dieses Mal - wenn nötig - Hand anlegen.

Sonnenenergie ist für die Raumstation die einfachste anzuzapfende Energiequelle. Mehr Energie heißt mehr Lebensraum für die Langzeitastronauten. Spätestens nach Abschluss des Ausbaus der Raumstation 2010 sollen bis zu sechs statt bislang drei Raumfahrer auf dem Außenposten der Erde leben und forschen.

Forschungslabor "Columbus" soll im Dezember starten

Für die künftigen Forschungen ist mehr Energie einfach eine Grundvoraussetzung. Die "Atlantis" soll am 6. Dezember mit langer Verspätung endlich das europäische Weltraumlabor "Columbus" zur ISS fliegen. Anfang kommenden Jahres wird dann das japanische Forschungsmodul "Kibo" angekoppelt.

Durch die tödliche Katastrophe der Raumfähre "Columbia" im Februar 2003 ist die Nasa mit ihren Space-Shuttle-Flügen ohnehin in Verzug. Und dann traf die "Atlantis" kurz vor dem ursprünglich geplanten Start am 15. März auch noch höhere Wettergewalt. Bei einem Hagelsturm bombardierten Körner bis zur Größe eines Golfballs den 50 Meter hohen Außentank. Die 2500 Dellen erwiesen sich als so gravierend, dass die Nasa den Start um drei Monate auf Freitag dieser Woche verschieben musste.

Sollte das Wetter nach Beginn der Hurrikan-Saison mitspielen, hebt der Space-Shuttle um 19.38 Uhr Ortszeit (01.38 MESZ) zu einem elftägigen Einsatz vom Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida ab. An Bord der Raumfähre sind sieben Astronauten - erstmals wieder nur Männer.

Hans Dahne/DPA / DPA
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